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Im Hintergrund Stellungskrieg der Gewerkschaften

 

Reine AbzockeDas war ein ordentlicher Absturz eines sogenannten Sozialpartners: er fordert Solidarität für gewerkschaftliche Ansprüche, die von den meisten Mitarbeitern abgelehnt werden. Und gefährdet damit 6.000 Arbeitsplätze bei Austrian Airlines, ja sogar 50.000 Jobs auf den österreichischen Flughäfen.

Austrian Airlines wollen die Zukunft der Airline und des Wirtschaftstandortes sichern. Der Eigentümer Lufthansa hat zugesagt, 140 Millionen Euro an Kapital zuzuschießen. Beabsichtigt ist in den nächsten zwei Jahren 200 Millionen Euro in Strukturverbesserungen zu investieren.

Nach Ablauf einer Frist hat der AUA-Vorstand den Kollektivvertrag mit dem fliegenden Personal vorsorglich gekündigt und plant einen Betriebsübergang zum niedrigeren KV der Tyrolean Airways. Es wird aber noch immer bis Ende März weiter verhandelt. Mit dem AUA-Betriebsrat für die kaufmännisch-technischen Angestellten in Österreich wurden positive Gespräche zur Sanierung geführt. Die 2.500 kaufmännisch-technischen Mitarbeiter in Österreich werden bei der AUA durch einen Betriebsrat vertreten, als Gewerkschaft fungiert die GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten).

Das fliegende AUA-Personal hat einen eigenen Betriebsrat, der für rund 600 Piloten und 1.600 FlugbegleiterInnen steht und ist bei der Verkehrsgewerkschaft vida angesiedelt.

Tyrolean Airways hat einen firmenspezifischen Kollektivvertrag mit eigenem GPA-Betriebsrat, verhandlungsberechtigt für fliegendes Personal ist dort jedoch die Gewerkschaft vida.

Ohne die Mitarbeiter oder den Betriebsrat bei Tyrolean zu befragen, hat nun die Tyrolean-Gewerkschaft vida einseitig den Kollektivvertrag für die Tyrolean-Mitarbeiter gekündigt; sie fordert darüber hinaus auch „die Solidarität aller Tyrolean-Mitarbeiter um den Wirtschaftsstandort abzusichern“.

Die Mitarbeiter bei Tyrolean wurden über diesen Schritt der Gewerkschaft vida nicht informiert und sogar der Betriebsrat übergangen. „Dass Sozialpartner gegen den Willen der Belegschaft, die sie angeblich vertreten, die Arbeitsgrundlage entreißen, ist in Österreich einmalig und stellt unseres Erachtens die gesamte Einrichtung ‚Gewerkschaft’ in Frage. Wir werden selbstverständlich gegen die Kündigung unseres Kollektivvertrages vorgehen“ sagt Tyrolean-Betriebsrätin Alexandra Patzal.

Abgesehen von absolut undemokratischen Aspekten („die sind ja unsere Sozialgegner“) wird der Gewerkschaft vida vorgeworfen, nur einen Bruchteil der Konzern-Belegschaft mit überdurchschnittlichen Bezugsrechten verteidigen zu wollen. Mehr noch: mit unrealistischen Zielen eines Branchen-Kollektivvertrages den Betriebsübergang verhindern zu wollen.

Darüber hinaus werde der Wirtschaftsstandort Österreich durch diese Maßnahme gefährdet, da die Eigentümergesellschaft Lufthansa unter diesen Zuständen den Kapitalzuschuss nicht vollziehen und sogar das Unternehmen Austrian Airlines in die Insolvenz führen könnte. Der Hintergrund liegt in einem Stellungskrieg der Gewerkschaften vida und GPA-djp. Von den 6.000 Mitarbeitern des AUA-Flugkonzerns sind in Österreich rund 1.200 bei der GPA und nur rund 850 bei der vida Gewerkschaftsmitglieder. Tyrolean-Mitarbeiter fühlen sich auch durch die GPA besser vertreten (330) als durch Vida (170). Die Kündigung des Tyrolean-Kollektivvertrages für das fliegende Personal soll also den Wettbewerb der Gewerkschaften am Rücken aller Konzern-Mitarbeiter austragen.

„So gestaltet ein Eisenbahner die soziale Verkehrsordnung in Europa“ meinte ein Experte zum vida-Verhandler. „Ein Basiskurs in Volks- und Betriebswirtschaft wäre für die Gewerkschaftsvertreter angebracht, für den Verkehrsgewerkschafter wäre ‚ideologischer Entgleiser’ noch eine harmlose Bezeichnung“. Dass sich Robert Kaske in so einen Trudelkurs einbeziehen lässt, trägt überall zur Verwunderung bei.

M. Rehulka

 

(Ausgabe 03/2012)