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IM ZENTRUM DER STAR ALLIANCE

Star Alliance 110512 Schwab Rehulka Findeisen 800px15 Jahre ist es her, da wurde die Star Alliance als erste globale Luftfahrtallianz in Frankfurt aus der Taufe gehoben. Als Gründungsmitglieder mit dabei und auch heute noch tragende Säulen des Verbundes die Lufthansa, United Airlines, Thai Airways und Singapore Airlines. Grund genug für eine Delegation des Österreichischen Luftfahrtverbandes unter der Führung ihres Präsidenten Mario Rehulka die Zentrale der Allianz in Frankfurt zu besuchen.

Dem Beispiel der Star Alliance folgten zwei weitere weltumspannende Allianzen, die sich rund um British Airways (oneworld) und Air France/KLM (Sky Team) gruppieren. Star ist aber bis heute Marktführer und konnte in diesen 15 Jahren immer mehr Airlines unter dem Sternendach vereinen. Heute zählt die Allianz 26 Fluglinien als Mitglieder. Darunter auch die heimische Austrian Airlines, die noch unter der Federführung des heutigen OELFV-Präsidenten Mario Rehulka den Allianzwechsel vollzog. Entsprechend fundiert sind die Aussagen des ehemaligen AUA-Vorstanddirektors, wenn er den hohen Arbeits- und Kostenaufwand eines Allianzwechsels skizziert. Für die globalen Netzwerkfluglinien führt aber kein Weg an einer Allianz vorbei, um ihren Passagieren ein weltumspannendes Netz an Destinationen anbieten zu können. Und während heute eine Qatar Airways von einer Aufstockung ihrer Destinationen auf 170 spricht, können die Reisenden innerhalb der Star Alliance bequem aus mehr als 1.200 Flugzielen weltweit auswählen.

WEISSE FLECKEN

Doch es gibt auch noch weiße Flecken auf der Landkarte der Star Alliance, wie CEO Mark Schwab im Gespräch mit dem OELFV betont. Dazu zählt neben Indien Russland. Die vorgesehene Mitgliedschaft von Air India wurde vorläufig suspendiert, nachdem es der Fluglinie in den letzten drei Jahren nicht gelungen ist, das rund 87 Kapitel umfassende Pflichtenheft der Allianz vollständig zu erfüllen. Ein Punkt ist unter anderem die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Fluglinie. Und gerade auf dem indischen Subkontinent sehen sich aktuell zahlreiche Fluglinien mit existenziellen Herausforderungen konfrontiert. Im Gegenzug zählt Indien neben China zu den am schnellsten wachsenden Luftverkehrsmärkten weltweit. Aber auch in Russland fehlt derzeit noch ein Partner, der diesen Markt abdecken könnte. Aeroflot ist Mitglied der Skyteam-Allianz. Südamerika wird von CEO Markt Schwab als weiterer interessanter Wachstumsmarkt genannt. Dort zeichnen sich mit dem Zusammenschluss der chilenischen LAN mit der brasilianischen TAM ebenfalls neue Herausforderungen für die Star Alliance ab. Während TAM Mitglied der Star Allianz ist, befindet sich die größere LAN im Verbund von oneworld. Noch dazu war LAN eines der Gründungsmitglieder von oneworld. Eine Entscheidung über die künftige Allianzzugehörigkeit will die fusioniert Fluglinie in den nächsten Wochen treffen. Ungeachtet dessen, betont Schwab, werden in Südamerika neuen Allianzen geschmiedet. Als Beispiels nennt Schwab die Fluglinie COPA, die allein im vergangenen Jahr ein Verkehrswachstum von 22 Prozent erzielen konnte.

HERAUSFORDERUNGEN

Im Rahmen seiner Einschätzung sieht der Star Alliance CEO auf Europa aktuell die meisten Herausforderungen zukommen. Zum einen machen den Fluglinien die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu schaffen. Zum anderen wächst der Marktanteil der Billigfluglinien weiter, während die Fluglinien am arabischen Golf den europäischen Netzwerkcarrieren ebenfalls zunehmend Kopfzerbrechen bereiten. Konkret spricht Mark Schwab von einem „Double Squeeze“ – den Billigfluglinien, die den etablierten Netzwerkfluglinien kostenseitig Probleme machen, während von oben die Golf-Carrier in den Markt unter anderem auch für Premium.-

Kunden drängen. Als eine mögliche Antwort auf die zunehmenden Herausforderungen sieht Schwab die vermehrte Gründung von Joint Ventures, ähnlich der Zusammenarbeit auf den Nordatlantikstrecken, wo sich Fluglinien wie Lufthansa, United, Air Canada aber auch eine AUA Kosten und Ertrag teilen. Keine der drei großen Golffluglinien (Emirates, Qatar Airways und Etihad) sind bisher Mitglied einer Allianz. Mark Schwab sieht den Grund unter anderem darin, dass diese Fluglinien keinen Mehrwert bringen, im Gegenteil aber Zugang zu den Millionen Vielfliegern innerhalb der Allianzen bekommen würden.

Das Star Alliance Büro am Frankfurter Flughafen beschäftigt aktuell rund 70 Mitarbeiter aus 25 unterschiedlichen Nationen. Neben Aufgaben wie dem Brand Management beschäftigt sich das Büro mit der Koordination unterschiedlicher Themen. So wurden beispielsweise gemeinsame Standards für neue Flugzeugsitze ausgearbeitet, die Großbestellungen zu den entsprechenden Preisnachlässen bei den Herstellern ermöglichen. Oder es werden Erfahrungen zum Thema Treibstoffeinsparungspotenziale ausgetauscht. Michael Mürwald, zuständig für den Bereich Flottenkoordination, nennt als Beispiel aus seinem Bereich, den Austausch über die aktuelle Marktsituation im Flugzeugeinkauf oder Leasing. Ein Bereich, in dem insbesondere kleinere Fluglinien vom Know-how der großen Airlines profitieren können. Oder aber auch die Erarbeitung von neuen Standards für den sogenannten Elektronic Flight Bag (kurz EFB), der die zahlreichen Papierunterlagen im Cockpit ersetzen soll.

Trotz dem heftigen Gegenwind, der zahlreichen Fluglinien derzeit entgegen bläst, ist das Thema Allianzen eine Erfolgsstory, die mit der Gründung der Star Alliance vor 15 Jahren ihren Anfang nahm.

Christian Pöchhacker (130512)