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Luftfahrttag 0001 - Kopie

Teilnehmer beim diesjährigen Luftfahrt Tag (v.l.n.r.):

Bildtext: v.l.n.r., vorne: Jutta Mocuba, Manfred Grubauer (Flughafen Linz), Angelika Sery-Froschauer (Wirtschaftskammer Oberösterreich), Christiane Frauscher (Flughafen Linz), Landeshauptmann Josef Pühringer, Annette Kreuziger (Lufthansa Cargo), Axel Greiner (Industriellenvereinigung Oberösterreich), Luděk Keist (Wirtschaftskammer Südböhmen) hinten: Walter Keilbart (IHK Niederbayern), Gerhard Kunesch (Flughafen Linz), Mario Rehulka (Österreichischer Luftfahrtverband)

Erfahrungsaustausch der Branchenkenner beim Luftfahrt Tag am Flughafen Linz:

Zukunft gestalten“

 

Zahlreiche renommierte Experten aus Wirtschaft, Tourismus und Politik beleuchteten am 26. Februar 2015 am blue danube airport linz den Status quo in der Europäischen Luftfahrt und stellten ihre Strategien vor. So unterschiedlich die Konzepte auch waren, in einem Punkt waren sich alle Branchenkenner einig: Die Luftfahrt steht weiterhin vor immensen Herausforderungen und muss neue Strategien verfolgen, um erfolgreich am Markt bestehen zu können. Die enge Zusammenarbeit aller Stakeholder spiele in Zukunft eine noch wichtigere Rolle als bisher, wie KommR Manfred Grubauer, Vorsitzender des Aufsichtsrates des Flughafen Linz, im Rahmen seiner Begrüßung betonte.

Ein Viertel der österreichischen Exporte kommen aus dem Bundesland Oberösterreich, unterstrich Landeshauptmann Dr. Pühringer in seinem Eröffnungsstatement. Damit sei der Flughafen Linz ein unverzichtbares Tor zur Welt. Bürgermeister Luger betonte in seinem Statement die Rolle des Flughafens als Wirtschaftsunternehmen und bedeutende Frachtdrehscheibe. Beide Herren waren sich einig, dass die geplante, neue Flugverbindung von Linz nach Berlin (airberlin) ein wichtiger Impuls für die zukünftige Entwicklung des Flughafens sei.

Die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich Maga. Ulrike Rabmer-Koller und der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich DI Dr. Joachim Haindl-Grutsch wiesen auf die Bedeutung des Flughafens für die Standortqualität Oberösterreichs hin. Das Ziel müsse es sein, weitere Flugverbindungen zu etablieren, da Oberösterreich nicht nur als Wirtschaftsbundesland, sondern auch der Tourismus auf gute Verbindungen angewiesen sei.

Für den Direktor der Wirtschaftskammer Südböhmen, Dipl. Ing. Luděk Keist und den Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern, Walter Keilbart ist die enge Zusammenarbeit mit dem Bundesland Oberösterreich ein Schlüssel für den zukünftigen Erfolg. Gegenseitige Investitionen, Kooperationen und eine enge Abstimmung seien notwendig, um die Donau-Moldau-Region weiterentwickeln zu können.

 

Mehrwert für die Region

Generiert ein typischer Regionalflughafen tatsächlich einen Mehrwert für die Region? Dieser Frage ging eine von KommR Manfred Grubauer und Flughafen Linz-Geschäftsführer, Dipl. Ing. Gerhard Kunesch präsentierte Studie nach, die belegt, dass der Linzer Flughafen nicht nur als Infrastrukturdienstleister, sondern auch als Arbeitgeber und Unternehmen für die gesamte Region eine wichtige Rolle spielt. Weiters ist die luftfahrtmäßige Anbindung der Region schon lange keine Frage mehr, welche man auf den Flughafen reduzieren kann. Die enge Abstimmung mit allen Stakeholdern sei unerlässlich, um neue Flugverbindungen für den Markt akquirieren und entsprechend auslasten zu können. Die neue, saisonale Flugverbindung von Linz nach Rostock zeige, dass dieser Weg auch erfolgversprechend ist.

 

Europäische Luftfahrt-Perspektiven

Der Weltluftverkehr wird heuer (2015) 3,5 Milliarden Passagiere befördern und sich innerhalb von 20 Jahren verdoppeln. Dkfm. Heinz Lachinger, MBA, CFO der Austrian Airlines AG ging auf die aktuelle Wettbewerbssituation von Netzwerk-Fluglinien ein. Das „Absaugen“ der Passagiere über extrem wachsende Flughafen-Drehscheiben außerhalb Europas gefährde nicht nur europäische Fluglinien, sondern auch europäischen Flughäfen. Darüber hinaus würden Steuern und Abgaben sowie die politisch gewollte „Flugabgabe“ Standort-Nachteile nach sich ziehen. Hier sei ein Gegensteuern notwendig, um der heimischen Aviation-Branche auch in Zukunft „Luftfahrt-Perspektiven“ bieten zu können.

Nach einem ambitionierten Restrukturierungsprogramm sei Austrian Airlines 2013 wieder in die Gewinnzone gelangt und damit auch in der Lage, in die Zukunft zu investieren. Die Modernisierung der Flotte und neue Produkte – insbesondere auf der Langstrecke – hätten hierbei für die AUA die oberste Priorität.

 

Netzwerkplanung und -entwicklung bei airberlin

Mag. Christian Lesjak, Geschäftsführer von Niki unterstrich in seinem Vortrag, dass die airberlin-Group auf ein diversifiziertes Streckennetz setze, um im Wettbewerb bestehen zu können. Das Streckennetz stelle das Herzstück jeder Airline dar und ist damit ein Schlüsselfaktor für den Erfolg einer Fluggesellschaft. Im Turnaround-Programm spiele die Neustrukturierung des Streckennetzes deshalb eine entscheidende Rolle. airberlin fokussiere sich auf den klassischen Linienverkehr, City Shuttles und touristische Strecken. Wichtig seien aber eine entsprechende Frequenzdichte, gute Drehkreuzanbindungen mit Regionalflugzeugen und eine enge Abstimmung mit den Allianzpartnern. Auch kritisierte Lesjak die „Flugabgabe“, die wachstumshemmend sei und Fluggesellschaften in Österreich und Deutschland extrem benachteilige.

 

Tourismus-Infrastruktur - das Destnation Management

In seinem Statement bedauerte der CEO der Cube Hotels, Rudolf Tucek, dass der Tourismus als Wirtschaftsfaktor vielfach unterschätzt würde. Immerhin sei ein Fünftel des Brutto-Inlandproduktes auf den Tourismus zurück zu führen. Wichtig sei es, mit einem gezielten Destination Management in die Zukunft zu gehen und dabei alle Dienstleistungs- und Geschäftsprozesse ausschließlich aus Sicht der Kunden zu betrachten. Eine „all-in-one“ Dienstleistungsabwicklung wie beispielsweise eine „Destinationskarte“ schaffe Kundennutzen, Kundenzufriedenheit und in weiterer Folge Kundenbindung. Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung des Destination Managements sei eine enge Kooperation aller touristischen Dienstleister. Ein „one-stop-shopping“ eröffne nachhaltige Wettbewerbsvorteile und stelle für alle Beteiligten eine klare Zukunftsperspektive dar.

 

Zukünftige Anforderungen in der Luftfracht

Für Ronald Friedreich, Managing Director DHL Global Forwarding (Austria) GmbH stellt das DHL-Prinzip „We deliver joy“, den Kernpunkt der Zukunftsstrategie dar. Dafür würden langfristig denkende Partner benötigt, welche entsprechende Infrastruktur, Verkehrsanbindungen und Flexibilität bieten. Voraussetzungen, die der Flughafen Linz sehr gut erfülle. DHL wird daher in Linz einen Schwerpunkt im Bereich Health Care setzen und in Kürze für den Pharma-Bereich ein „Life Science Cross Dock Hub“ eröffnen.

 

Werden Roboter mit Handgepäck verreisen? Wie sich die Mobilität verändert

Von seiner High Tec Zukunfts-Perspektive waren alle Teilnehmer des Luftfahrttages begeistert. Der Geschäftsführer des Ars Electronica, Gerfried Stocker, spannte den Bogen von den Anfängen des Fliegens bis zu Robotern, die in der Zukunft unsere Mobilität bestimmen werden. Bereits heutzutage seien Roboter für uns unterwegs, zum Beispiel in Form von Drohnen und ferngesteuerten Sonden. Diese Entwicklung würde mit Riesenschritten weitergehen. Selbstfahrende Autos zum Beispiel seien keine vagen Zukunftsträume mehr, sondern würden bereits in der Praxis getestet. Zukünftig würden Menschen viel stärker als bisher in ihrem Alltag von Robotern begleitet werden. Die technische Umsetzung sei dabei nicht der entscheidende Faktor, sondern vielmehr gehe es darum, die Kommunikation zwischen Mensch und Roboter zu verbessern.

KommR Prof. Mario Rehulka, Präsident des Österreichischen Luftfahrtverbandes und Chairman des Luftfahrt Tages konnte auf eine erfolgreiche Veranstaltung in Linz zurückblicken. Rund 150 hochkarätige Gäste aus Österreich haben an der Veranstaltung teilgenommen und einen umfassenden Überblick über die aktuellen Problemstellungen in der Aviation—Industrie erhalten und die Zukunftsstrategien der unterschiedlichen Stakeholder kennengelernt. Das große Interesse an der Veranstaltung zeige zudem, dass das Thema Luftverkehr in Oberösterreich einen hohen Stellenwert habe.