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Das war das Luftfahrt Symposium 2016

Luftfahrt Symposium 2016 Gr 001a 800Es war wieder ein Gipfeltreffen der österreichischen Luftfahrt beim 15. Luftfahrt Symposium, das am 14.09.2016 vom Österreichischen Luftfahrtverband veranstaltet wurde. Die Spitzen der Luftfahrt-Behörden, Flughäfen, Fluglinien, Flugsicherung und Zulieferbetrieben hatten sich in der RZB versammelt. Das Thema handelte um die „Engpässe in Europas Luftfahrt“ – es konnte nicht spannender gewählt sein, sieht sich doch die europäische Luftfahrt gegenwärtig mit vielfältigen Herausforderungen und Einschränkungen konfrontiert. Entsprechend groß war das Interesse der rund 200 Besucher.

In seinen Begrüßungsworten zieht der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen Bank International Dr. Karl Sevelda Parallelen zwischen der Luftfahrt und den Banken. In beiden Branchen wird die Regulierung zu einem immer größeren Thema. Als Beispiel nennt Vorstandsvorsitzender Sevelda die Bankenabgabe und die Luftfahrtabgabe in Österreich.

Mag. Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung sieht Österreich als einen der führenden Industriestandorte in Europa. Die Luftfahrt nimmt in diesem Zusammenhang einen wichtigen Stellenwert ein. Neumayer verweist mit auf erfolgreiche österreichische Beispiele von in der Luftfahrt tätigen Unternehmen hin. Die Industriellenvereinigung unterstützt vorbehaltlos auch die infrastrukturelle Entwicklung der Luftfahrt in Österreich zur Stärkung des Industriestandortes. Leitbetriebe mit einer Exportquote von 80 Prozent benötigen eine effiziente Luftfahrtinfrastruktur.

Der Obmann der Berufsgruppe Luftfahrt in der Wirtschaftskammer Österreich, Mag. Christian Domany, sieht zahlreiche Änderungen im Nachfrageverhalten der Passagiere. Domany bekennt sich zum Wettbewerb, die Rahmenbedingungen sind aber für alle Teilnehmer gleich zu gestalten und daher sind faire Wettbewerbsbedingungen auch im Luftverkehr Voraussetzung. Im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Landes werden die Maßnahmen zur Kapazitätsausweitung in Wien mit einer dritten Piste – auch wenn derzeit noch nicht benötigt – voll unterstützt. Eine Lockerung der Rahmenbedingungen für die Luftfahrt in Österreich würde Domany in der Reduktion der Ticketabgabe sehen.

Prof. KR Mario Rehulka, Präsident des Österreichischen Luftfahrtverbandes und Initiator der Symposien, begrüßt die Teilnehmer und Sprecher aus Belgien, Frankreich und den USA. Er weist in seinen Grußworten auf Kapazitäten und Engpässe der Luftfahrt hin. Die 3,6 Milliarden Fluggäste des vergangenen Jahres bedeuten die Beförderung von 9,8 Millionen täglichen Fluggästen und 92.600 Starts.

Der Wettbewerb sei besonders stark unter 1.402 kommerziellen Fluglinien und 4.130 Flughäfen auf dieser Welt. Für den sicheren Ablauf sorgen 173 Flugsicherungen.

In Europa alleine sind 168 Fluglinien und rund 500 Flughäfen im Wettbewerb um 1 Milliarde Fluggäste; 45 Prozent der Fluglinien sind bereits Billigfluglinien. Wichtig wäre nach Rehulka die Verbindungsvielfalt pro Land.

Die Bedeutung der Luftfahrt für den Standort Österreich wurde im Vorjahr in einer IWI-Studie dargestellt.

Mit der neuen EU-Luftfahrtstrategie, die im Dezember des Vorjahres vorgestellt wurde, würde sich die Behörde jetzt im Rahmen der Luftfahrtabkommen für die Überprüfung von fairen Wettbewerbsregeln einsetzen – die EU würde „Doping-Tests für fairen Wettbewerb“, wie vor der Olympiade, beginnen. Hierbei wären die Abkommen mit Drittländern im Mittelpunkt.

Wettbewerbsmäßig habe sich in kurzer Zeit viel verändert: Lufthansa-Gespräche mit Etihad wegen AirBerlin-Kapazitäten auf deutschen Flughäfen, A 380-Anflug von Wien, Direktflug Addis Abeba nach Wien, Business Class bei Niki, Qatar-Investments bei westlichen Fluglinien.

Im zweiten Halbjahr hieße es wegen der unsicheren Lage „bitte anschnallen“.

Schließlich kam die Aufforderung, die Ticketsteuer zu reduzieren und die Politik zur Unterstützung der Luftfahrtinteressen zu bewegen.

In ihrer Eröffnungsrede spricht Sektionschefin Mag.a Ursula Zechner vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie von einer guten Entwicklung der Luftfahrt in Österreich und verweist auf die Verbindungsvielfalt des Landes. Sie sieht ein Miteinander von Politik und Wirtschaft in der weiteren Gestaltung der Luftfahrt. Die Sektionschefin sieht durchaus Herausforderungen etwa durch internationale Mitbewerber und die europäische Luftfahrt stärker betroffen als auf anderen Kontinenten. Für sie ist Europa stark genug, diesen Herausforderungen zu begegnen und sieht einen gemeinsamen europäischen Weg um nachhaltige Systemveränderungen herbeizuführen. Die Grundlagen für die österreichische Position seien bereits in der Road Map Luftfahrt formuliert, die im Sommer adaptiert wurde.

Julien Manhes, Marketingdirektor von Airbus geht davon aus dass sich der Luftverkehr in den nächsten 15 Jahren verdoppeln wird. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 4,6 Prozent. Europa sollte um 3,3 Prozent zulegen können. Dem entsprechend entwickelt sich auch die Nachfragen nach neuen, effizienteren Flugzeugen 32.600 neue Flugzeuge werden in den nächsten 20 Jahren laut Airbus benötigt. Vom A320 bis A380 hat Airbus für alle Marktsegmente ein optimales Angebot, betont Julien Manhes. Verkaufshit sind die NEO-Modelle, die Treibstoff- und umweltschonend sind.

Manhes gratulierte dem Wettbewerber Boeing zum 100-jährigen Jubiläum mit einem Video.

Und auch bei Boeing gibt es Neuigkeiten, wie Debra Santos von Boeing, berichtet. Trotz wirtschaftlicher Turbulenzen wächst die Luftfahrtbranche. Günstigere Kosten für Treibstoff sind ein wesentlicher Faktor für diese starke Performance. Bei Boeing sieht man die Low Cost Airlines als wesentlichen Wachstumstreiber. Und neue Langstreckenflugzeuge wie die Boeing 787 eröffnen neue Marktchancen. Neue Märkte konnten durch das neue Boeing-Flugzeug erschlossen werden, wie Santos ausführte. Einen Bedarf von 7.310 neuen Flugzeugen prognostiziert Boeing allein für Europa in den nächsten 20 Jahren. Hier Stoßen die treibstoffsparenden Modelle MAX auf großes Interesse. Dem entsprechend investiert der amerikanische Flugzeugbauer in die Entwicklung neuer Flugzeuge. Nach der 787 kommt jetzt die Neuentwicklung der Boeing 777X.

In seiner Key Note Speech hat der Generaldirektor des Airport Council International Europe, aus Brüssel, Olivier Jankovec, auf ein tolles Wachstum 2015 hingewiesen: Passagiere 5,2 % plus auf 1,95 Milliarden Passagiere wurden abgefertigt. Die ganz großen und die ganz kleinen Airports hätten am wenigsten profitiert.

Es gab eine Umkehr im Ranking der größten Flughäfen Europas:

2014 in Europa: erster Airport LHR, zweiter CDG, dritter FRA.

2015 in Europa: erster Airport LHR, zweiter CDG, dritter IST. vierter FRA, fünfter AMS

2016 erstes Halbjahr: erster Airport LHR, zweiter CDG, dritter AMS, vierter IST, fünfter FRA.

Neue Ranking-Teilnehmer:

Moskau (11. SVO), Antalya (12. AYT), Istanbul (14. SAW).

Im ersten Halbjahr lief es recht gut, aber nur 4,9 % plus, terroristische Überfälle in Paris und Brüssel kosteten 2 Millionen Passagiere, Cargo nimmt nur 2,1 % zu.

Fallende Ölpreise und neue Technologien helfen der Luftfahrt-Industrie.

Es zeigt sich eine verbesserte finanzielle Lage bei den Flughäfen Europas, die Operating Cost Reductions wären sehr hoch. 41 % der europäischen Airports sind privatisiert, aber 51 % machen Verluste. Zunehmende und wechselnde Risiken werden gesehen bei Russland/Ukraine, Türkei, Brexit und der Flüchtlingswelle.

Luftfahrt-Marktstrukturen ändern sich, ebenso die Dynamik. Low Cost Carrier (LCC) werden hochwertiger im Produkt und erobern mehr Marktpräsenz, die Flugzeugkapazität nimmt bei ihnen zu, und sie beginnen mit der Langstrecke – sie zeigen auch enorme Profite (easyjet 847 millionen Euro, Ryanair 1,24 Milliarden 2015). Selbst haben die LCC untereinander aber nur auf 6 % der Routen eigenen Wettbewerb.

Auch die großen Netzwerk-Fluglinien weisen Profite aus, die Restrukturierungen sind nicht abgeschlossen. Wobei die Golf und Turkish Airlines unglaublich wachsen.

Die Verbindungs-Modelle ändern sich: Die Verbindungsvielfalt an Routen ist in Europa top: Frankfurt, Amsterdam, Paris CDG, London LHR, München. Besonders die kleinen regionalen Flughäfen haben jedoch viele Verbindungen verloren (- 30 % seit 2008) – die Drehscheiben-Konnektivität hat stark zugenommen – Sekundärflughäfen haben gewonnen (hauptsächlich durch Billigflieger).

Kommende Veränderungen seien: LCC Eindringung in den Langstreckenmarkt, LCC Zubringung und Interlining mit Hub-Netzwerkfluglinien, die finanzielle Strapazierfähigkeit & neue Wachstums-Grenzen, mehr Drehscheiben (Hub)-Wettbewerb und neue Mischformen bei Flughäfen.

Jankovec‘ Aufkommende Mega-Trends sind:

  • Langanhaltende Stagnation & das Ende der Zyklen

  • Neue Technologien & virtuelle Realität

  • Geopolitik & Globalisierung im Rückzug (mehr Protektionismus & Regulierungen).

Luftfahrt 559 800Im Club Talk, diesmal moderiert durch Mag. Markus Pohanka waren die Spitzen der Luftfahrt-Leitbetriebe und Behörden aus Österreich vertreten: „Kapazitäten in Österreich“ war das Thema mit

Mag.a Ursula Zechner, BMVIT, Mag. Georg Hasslinger, Generaldirektion Transport und Verkehr

der Europäischen Kommission in Brüssel, Mag. Julian Jäger, Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG, dem CEO der Austrian Airlines, Kay Kratky, dem CEO der Austro Control, Dr. Heinz Sommerbauer, von Niki Kapitän Oliver Lackmann als neuer Managing Director, und Kapitän Dieter Watzak-Helmer als neuem Managing Director der Eurowings Europe.

Auf die Frage nach Kapazitäten gaben sich die meisten Teilnehmer jetzt zufrieden – die Rahmenbedingungen wurden bemängelt.

Nicht immer so offensichtlich, aber im Hintergrund umso folgenschwerer sind Änderungen im regulatorischen Umfeld. AUA-Chef Kay Kratky etwa wirft den Behörden vor, den arabischen Emirates-Airlines auf der Strecke Wien–Dubai Überkapazitäten von 1000 Plätzen täglich zu erlauben, was heimische Airlines unter Druck setze.

Seit Anfang Juli fliegt Emirates die Strecke mit einem Airbus A380, während die AUA Wien–Dubai wieder eingestellt hat. Um die Flugzeuge voll zu bekommen, nehme Emirates viele Umsteigepassagiere ins Drehkreuz Dubai, moniert Kratky. „Damit sinkt die direkte Nachfrage aus Wien.“ Sektionsleiterin Ursula Zechner aus dem Verkehrsministerium weist darauf hin, man habe keinen Einfluss auf den Einsatz bestimmter Flugzeuge, denn das alte, nicht liberalisierte Luftverkehrsabkommen verlange lediglich eine Frequenzabstimmung. Grundsätzlich sei aber die Landung des weltgrößten Passagierflugzeugs sehr wohl im Interesse des Flughafens Wien.

Nicht nur unter den Airlines – bei denen Experten weiterhin auf die große Marktbereinigung warten –, auch unter Europas Flughäfen wird der Wettbewerb immer härter. Ein wichtiger Faktor ist der Transferverkehr. Da ist zuletzt etwa der Wiener Flughafen um sechs Prozent zurückgefallen.

Airport-Vorstand Julian Jäger begründet das neben starken neuen Konkurrenten wie Istanbul mit dem Sanierungskurs der AUA und einem Einbruch im Russland-Geschäft. Dieser Mix sei verantwortlich dafür, dass der Anteil der Transferpassagiere in Wien binnen weniger Jahre von rund einem Drittel auf ein Viertel gesunken ist. Bisher konnte man diesen Nachteil aber durch mehr Lokalverkehr überkompensieren.

Die Europäische Kommission werde jetzt auf ihr Mandat zurückgreifen und die Fairness in den Abkommen zwischen europäischen Staaten und 14 Drittländern überprüfen. Die Kapazitäten in der Flugsicherung stimmen durch die Verdoppelung der Überflugsrouten, im An-/Abflugbereich sind Verbesserungen im Gange. Durch eigene technologische Allianzen in den Systemen mit „Top Sky“ oder die erste grenzüberschreitenden Free Route-Raum Slowenien-Österreich verbessere sich das Air Traffic Management schrittweise dem Single European Sky. Die Regelung von Drohnen-Operations ist im Gange.

Niki geht seinen Touristischen Weg in der Bedienung der Strecken konsequent weiter. Und die neue Billigfluglinie der Lufthansa, Eurowings Europe mit Sitz in Wien, stimme touristische Zielke mit der Schwester Austrian Airlines ab – nach 3 Flugzeugen in Wien wird ein viertes ab 2017 in Salzburg stationiert.

Die Wünsche für die Zukunft der Behörden oder der Unternehmen waren erwartungsgemäß ausgerichtet auf die eigenen Ziele.

Neu war bei diesem Symposium ein Industry Statement des Technik-Chefs des Weltmarktführers in der Kommunikationin der Aviation-Branche,Hermann Mattanovich der Firma Frequentis AG.

M. Rehulka 15. September 2016