Kaum wahrgenommen von der österreichischen Öffentlichkeit entwickelte sich der Wiener Neustädter Flugzeughersteller Diamond Aircraft in den letzten Jahren zu einem der führenden Unternehmen der General Aviation Branche. Dem nicht genug, hat Alleineigentümer Christian Dries große Pläne für die Zukunft. Das FLUG MAGAZIN hat sich im Stammwerk Wiener Neustadt umgesehen und Christian Dries zu einem Gespräch getroffen.


Diamond Aircraft - eine österreichische ErfolgsstoryWas verbindet die U.S. Air Force und die französische Luftwaffe, was die Indian Air Force und die PanAm International Aviation Academy in China gemeinsam? Die Antwort auf diese Frage findet sich in Österreich. Bei ihrer Suche nach einem modernen Ausbildungsflugzeug sind diese Institutionen auf ein Produkt „Made in Austria“ gestoßen. So ist beispielsweise PanAm Aviation der erste unabhängige kommerzielle Ausbildungsbetrieb in China.

Bei der Heranbildung des Pilotennachwuchses für die rasch wachsende Airlineindustrie des Landes kommt diesem Unternehmen eine zentrale Rolle zu. Allein PanAm hat 60 Flugzeuge in Wiener Neustadt in Auftrag gegeben: 41 einmotorige DA40 Diamond Star und 19 zweimotorige DA42 Twin Star. Ein Kunde der besonderen Art ist die amerikanische Luftwaffenakademie, die für ihre gründlichen Auswahlverfahren bekannt ist. „Nicht nur dass die Leistungsdaten der einmotorigen DA20 und DA40 im Spitzenfeld der insgesamt 12 evaluierten Muster lagen, verfügen beide Diamond-Produkte über sehr günstige Unterhalts- und Anschaffungskosten“, freut sich Christian Dries. Zufrieden mit ihrer im Jahr 2000 erfolgten Erstanschaffung von 45 Flugzeugen, hat die Air Force Academy in der Zwischenzeit ein Folgeauftrag für 60 weitere erteilt.

 

Produktpalette wächst weiter

Dass man sich in Wiener Neustadt auf dem Erfolg des bisher erreichten ausruhen würde kann nicht gesagt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Der umtriebige und energiegeladene Christian Dries inspiriert seine ständige wachsende Mitarbeiterschaft zu neuen Höchstleistungen. Die einmotorige Produktreihe Super Dimona, Katana und Diamond Star hat weltweit Kunden gefunden. Sie stehen für moderne und leistbare General Aviation Flugzeuge, die aber auch in zunehmender Zahl von großen Flugschulen und Luftwaffen für die Zivil- und Militärpilotenausbildung eingesetzt werden. Ist die Super Dimona der europaweit meistverkaufte Motorsegler, stößt Diamond Aircraft mit der zweimotorigen DA42 Twin Star in neue Dimensionen vor. Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass Diamond die erste Twin Star an den Erstkunden ausgeliefert hat.

In der Zwischenzeit werden bereits fünf Flugzeuge pro Woche gefertigt. Gewissermaßen das Flagschiff unter den Diamond-Flugzeugen ist aber der D-JET. Der erste Jet absolvierte am 18. April dieses Jahres seinen Erstflug und wird erstmals Anfang August im amerikanischen Oskosh einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Oskosh gilt als das Mekka der Privatpiloten. Christian Dries zeigt sich vom D-JET begeistert. Bereits beim zweiten Flug saß er am Steuer des einmotorigen Jets. Mit hochmoderner Avionik ausgerüstet wird das Flugzeug von einem sparsamen Jettriebwerk des Typs Williams FJ33 angetrieben. Das Triebwerk zeichnet sich sowohl durch einen niedrigen Treibstoffverbrauch als auch durch eine hohe Zuverlässigkeit aus. Dass auch der D-JET ein Verkaufsschlager wird, davon ist Dries überzeugt: „Praktisch täglich erhalten wir Aufträge für unseren Jet. Das Orderbuch umfasst bereits rund 300 Flugzeuge.“

Mit ein Grund für den großen Verkaufserfolg ist auch der Preis. Rund eine Million Euro kostet der Jet aus dem Hause Diamond. Den Hauptmarkt für den D-JET sieht Dries in Nordamerika. Das ist auch der Grund, warum das Flugzeug im kanadischen Schwesternwerk hergestellt wird. Während sich der D-JET noch in der Erprobungsphase befindet, denkt Christian Dries bereits über weitere Entwicklungen nach. Bis hin zu einem zweimotorigen Businessjet reichen die Überlegungen des umtriebigen Unternehmers. Doch auch die anderen Unternehmensbereiche entwickeln sich überaus erfolgreich. Dries nennt als Beispiel den Triebwerksbereich. So hat Diamond Engines das Triebwerk für die erfolgreichen Helikopterdrohnen von Schiebel entwickelt. Schiebel ist ebenfalls ein österreichisches Unternehmen, das unbemannte Drohnen für den zivilen und militärischen Einsatz herstellt. Neben der Wartung ist Diamond auch im Bereich Simulation tätig. Für alle Diamond-Flugzeugtypen stellt dieser Unternehmensbereich maßgeschneiderte Simulatoren mit Original-Zelle und Original-Avionik her. Erste Simulatoren wurden bereits nach China geliefert.


Große Nachfrage nach Spezialversionen

Speziell die zweimotorige Twin Star eröffnet zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten. Diamond bezeichnet diese Version als MPP – wobei MPP für Multi Purpose Platform steht. Dries kann sich in diesem Zusammenhang bereits über ein reges Interesse von zahlreichen Interessenten freuen. Entsprechend innovativ ist das Unternehmen auch in diesem Bereich unterwegs. Neben den verschiedensten Nutzlasten zur Abdeckung von den unterschiedlichsten Aufgaben gehen die Überlegungen bis hin zu unbemannten Aufklärungsplattformen auf Basis der Twin Star.

Eine erfolgreiche Kooperation verbindet Diamond beispielsweise mit dem ebenfalls österreichischen Unternehmen Vexcel. Der im niederösterreichischen Horn beheimatete Betrieb hat eine Spezialkamera entwickelt, die jetzt in die Twin Star integriert wurde. Wie Christian Dries betont, eignet sich diese Kamera hervorragend für hoch auflösende Aufnahmen. Dries nennt in diesem Zusammenhang als Beispiel Google Earth. Erst kürzlich hat Microsoft das Horner Unternehmen gekauft. Und nachdem der amerikanische Softwaregigant ein Konkurrenzprodukt zu Google Earth platzieren möchte, rechnet sich Dries gute Chancen für seine DA42 MPP in Kombination mit der Vexcel-Kamera aus. Eine weitere, in Kooperation mit Rheinmetall Defence Electronics entwickelte Variante ist die DA42 OPALE, wobei OPALE für Optional Piloten Surveillance and Reconnaissance System steht. Wie der Name schön verrät, kann diese Version sowohl von einem Piloten als auch vollautomatisch geflogen werden.

Die zu Aufklärungs- und Überwachungsaufgaben eingesetzte Twin Star kann mit einer Reihe von Sensorausrüstungen bestückt werden. Die Palette reicht von einem Kamerasystem im Bug bis hin zu Infrarotsensoren und einem Laserradar. In der unbemannten Version bleibt das Flugzeug über eine Satellitenverbindung mit der Bodenstation verbunden. Im Gespräch mit dem FLUG MAGAZIN hebt Dries eine weitere wichtige Eigenschaft der Twin Star hervor: Dank geringer Abmessungen und der Tatsache, dass sich die Flügel mit nur geringem Arbeitsaufwand abmontieren lassen, kann das Flugzeug rasch mit größeren Transportmaschinen innerhalb weniger Stunden in jedes Krisengebiet der Welt verlegt werden.

 

Erfolg durch Innovation

Was aber macht den Erfolg des im Jahr 1981 gegründeten und 1991 von der Dries-Familie übernommenen Unternehmens? Fragt man den heutigen Alleineigentümer Christian Dries, so kommt die prompte Antwort: „Die Kombination der fortschrittlichsten Komponenten aus der Werkstoff-, Motoren und Navigationstechnologie ermöglicht günstigere Anschaffungskosten und ist noch dazu wirtschaftlicher im Unterhalt.“

FLUG MAGAZIN kann dem nur zustimmen. Immerhin hatte der Verfasser dieser Zeilen die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Orientierungsfluges von den Vorzügen der DA42 Twin Star überzeugen zu lassen. Da sind einerseits die beiden Thielert Turbodieselmotoren, die wahlweise mit Diesel oder Jet A1 Treibstoff betrieben werden können. Diamond Aircraft war ein Pionier hinsichtlich der Anwendung von Dieselmotoren in der Luftfahrt.

Das Resultat ist nicht nur ein äußerst zuverlässiger Motor. Auch der Verbrauch ist sehr gering. So hat beispielsweise Ethiopian Airlines die einmotorige DA40 TDI hinsichtlich der Eignung für die Linienpilotenausbildung erst kürzlich einer genauen Bewertung unterzogen. So kosten derzeit jede Flugstunde mit einer Cessna 172 etwa 42 Euro an Treibstoff. Demgegenüber kostet die Flugstunde einer DA40 TDI nur etwa acht Euro. Darüber hinaus wird die flächendeckende Versorgung mit dem Treibstoff AVGAS immer mehr zu einem Problem, ergänzt Dries.

Die Flugzeuge selbst sind aus leichten, gleichzeitig aber hoch belastbaren Verbundwerkstoffen gefertigt. Und das ist gleichzeitig vielleicht auch die größte Innovation von Diamond Aircraft, das in diesem Bereich international eine führende Rolle einnimmt. Selbst Boeing setzt bei der Herstellung der neuen und überaus erfolgreichen 787 auf vergleichbare Technologien. Im Cockpit der Twin Star dann die nächste Überraschung. Wer ein traditionelles Panel mit analogen Instrumenten erwartet hätte, wird eines Besseren belehrt. Neueste Bildschirmavionik von Garmin dominiert den Arbeitsplatz des Piloten. Flugsteuerung- und Navigationsdisplay sind vom feinsten, Airlinerfeeling ist garantiert. Und die Zukunft? Sie hat bei Diamond Aircraft schon längst begonnen.

Christian Dries sprüht nur so vor neuen Ideen. Nachdem sich das Unternehmen bereits mit Produktionsniederlassungen in Kanada und China weltweit positioniert hat, wird in die Weiterentwicklung der Produktpalette investiert. Triebwerke für unbemannte Luftfahrtzeuge sind ein Bereich, neue Flugzeuge ein weiterer. Zwar steht jetzt die Zulassung des D-JET derzeit ganz oben auf der Arbeitsliste. Das schließt aber neue Projekte nicht aus. Die Überlegungen gehen bis hin zu einem zweimotorigen Businessjet. Man wird also noch viel hören von Flugzeugen „Made in Austria“.


Christian Pöchhacker (06/2006)