Der boomende Weltluftverkehr hat auch seine Schattenseiten. Auf der Suche nach qualifiziertem Personal müssen die Fluglinien immer tiefer in die Tasche greifen. Kleinere Fluglinien sehen sich zusehends mit einem gravierenden Personalproblem konfrontiert.

Es sind die Fluglinien der Golfregion und aus Indien, die ihr Cockpitcrews und das technische Personal massiv aufstocken. So benötigen allein die indischen Fluglinien in den nächsten Jahren 3.500 Piloten. Ähnlich dynamisch präsentiert sich die Entwicklung in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Qatar. Erst vor rund zwei Jahren hat das Emirat Abu Dhabi mit Etihad Airways seine eigene Fluglinie gegründet. Als Vorbild dient gewissermaßen die gleich um die Ecke beheimatete Airline Emirates. Und so vergeht kein Monat, ohne dass die drei großen Airlines am Golf nicht neue Flugzeuge erhalten würden. Allein Emirates wird ab dem nächsten Jahr 45 Doppelstock-Airbusse des Typs A380 erhalten. Auf der Suche nach neuem Personal bieten diese Fluglinien potenziellen Kandidaten überaus lukrative Anstellungsverträge, Steuerfreiheit und freies Wohnen inklusive. Doch der internationale Markt für Piloten und Flugzeugtechniker trocknet zusehends aus.

Zwar haben Länder wie Indien und China in der Zwischenzeit groß angelegte Ausbildungsprogramme initiiert – bis qualifiziertes Personal zur Verfügung steht dauert es aber einige Jahre. Also locken die großen Fluglinien neues Personal in erster Linie mit finanziellen Anreizen. Fündig werden sie dabei vor allem bei kleineren Fluglinien deren finanzielle Möglichkeiten begrenzt sind. Fluglinien wie Air Seychelles, Air Mauritius oder Ethopian Airlines sehen sich bereits mit Personalproblemen konfrontiert. Sie gehen bereits so weit, dass Wachstumspläne modifiziert oder zum Teil sogar zurück gefahren werden müssen. Lance Wilfried Brogden, CEO des afrikanischen Carriers Air Botswana, spricht das Problem konkret an, indem er vom Abgang von gleich vier Senior Pilots innerhalb von nur zwei Monaten spricht. Brogden: „Für eine kleine Fluglinie wie Air Botswana stellt dies ein großes Problem dar.“ Aber nicht nur Piloten kehren ihren bisherigen Arbeitgebern oft den Rücken. In zunehmenden Maße zielen die Rekrutierungsmaßnahmen auch auf technisches Personal.

Brogden: „Wir als kleine Fluglinien investieren viel Geld in die Ausbildung unseres Personals. Kaum ist die Ausbildung beendet, wechseln die Mitarbeiter zu einem Unternehmen, dass es sich leisten kann lukrativere Gehälter zu zahlen.“ Eine Universalantwort, da sind sich die kleineren Airlines einig, wird sich auf diese Herausforderung kaum finden lassen. Die Rückerstattung der Ausbildungskosten kann nur bedingt Abhilfe schaffen. Das Problem bleibt: Woher rasch Ersatz für abgeworbene Spezialisten finden. Die Ausbildung selbst ist ein langer Weg und trägt erst nach mehreren Jahren Früchte. Und es gibt keine Garantie, dass die Mitarbeiter im Unternehmen bleiben. Pönalezahlungen hin oder her.

(Ausgabe 06/2006)