Als nationale Fluglinie der Vereinigten Arabischen Emirate hat sich Etihad Airways einen rigorosen Wachstumskurs verordnet. Das weltweite Netzwerk wird konsequent und rasch weiter ausgebaut. Gleichzeitig verbreitert die Fluglinie ihre Basis in der Region. Das FLUG MAGAZIN traf CEO Geert Boven zu einem Gespräch über dieses und andere Themen.

Etihad auf Expansionskurs - CEO Geert Boven im Gespräch mit dem FLUG MAGAZIN„Unsere mittelfristige Strategie geht in zwei Richtungen“, präzisiert Geert Boven. „Zum einen wollen wir unsere Basis im Mittleren Ost weiter ausbauen und darüber hinaus konzentrieren wir uns auf Europa und Fernost.“ In diesem Zusammenhang kann die Airline auch von der Boomdestination Dubai profitieren. Nicht nur, dass sich Abu Dhabi in unmittelbarer Nachbarschaft Dubais befindet, hat Etihad seine Präsenz dort jetzt weiter ausgebaut. Erst kürzlich wurde das dortige Büro mit einem 24-Stunden Check-in erweitert. Den Passagieren der First- und Business-Class stehen darüber hinaus eigene Lounges zur Verfügung. Und für den bequemen Transfer nach Abu Dhabi, sei es mit Limousine oder Kleinbus, ist ebenfalls gesorgt. Als den mit Abstand wichtigsten Markt in Europa bezeichnet Boven Großbritannien. Gleich drei Destinationen stehen dort im Flugplan. Neben London-Heathrow und London-Gatwick wird auch Manchester angeflogen.

Erst kürzlich hat Etihad mit dem Star Alliance Carrier BMI ein Code-Share-Abkommen für Zubringerflüge abgeschlossen. An zweiter Stelle in Europa folgt der deutsche Markt. Hier war München nach London die zweite Destination, die Etihad in Europa in ihren Flugplan aufnahm. In der Zwischenzeit gibt es auch tägliche Flüge nach Frankfurt. Vorerst drei Mal wöchentlich, wird München in der Zwischenzeit ebenfalls täglich angeflogen. „Auch der österreichische Markt profitiert von dieser täglichen Flugverbindung“, gibt sich Mohammed Nasr als Verkaufsmanager für Österreich überzeugt. Nasr zeigt sich sehr zufrieden mit der bisherigen Nachfrage aus Österreich. Nicht nur Abu Dhabi verzeichnet eine zunehmende Nachfrage aus Europa. Der Umsteigeverkehr über Abu Dhabi wächst mit dem zunehmenden Angebot an neuen Destinationen. Schon demnächst wird Etihad ihr regionales Netzwerk mit Jeddah, Doha und Kuwait weiter verstärken. Destinationen wie Muscat, Bahrein oder Kairo finden sich längst im Flugplan. Und auch für Asien und Indien kündigt Boven weitere Destinationen an. So werden schon bald Kochi und Thiruvananthapuram das Indien-Angebot verstärken. Dhaka, Shanghai und Osaka sind weitere neue Destinationen im Etihad-Streckennetz.

In Europa wird die Fluglinie noch im Juni Paris neu anfliegen. Über die weiteren Pläne für Europa gibt sich der Manager vorläufig bedeckt. Ein Problem der stark wachsenden Fluglinie seien die fehlenden Flugzeugkapazitäten. Obwohl die Airline schon zahlreiche neue Flugzeuge von Airbus und Boeing geordert hat, kommen erst nach und nach die ersten eigenen Flugzeuge zur Auslieferung. Erst kürzlich wurde der erste Airbus A340-500 für extreme Langstrecken in Betrieb genommen. Mit diesem Flugzeug wird Etihad die bisher über Brüssel geführten Flüge nach Toronto nonstop durchführen können. Erst an Bord dieser ersten eigenen Flugzeuge kann die Airline ihren hoch angesetzten Serviceanspruch voll unter Beweis stellen.

So ist Etihad die erste Fluglinie des Mittleren Ostens, die Internet und Live-TV an Bord einführt. Die neuen Boeing 777 sind mit 28 Sitzen in der als Pearl Zone bezeichneten Business-Class ausgerüstet. In einem 1-2-1 Sitzlayout bietet das großzügige Arrangement Platz für gerade einmal vier Passagiere in einer Reihe. Andere Airlines bieten in dieser Klasse üblicherweise eine 2-3-2 Auslegung. Die Coral Zone (Economy-Klasse) bietet in einer 3-3-3 Auslegung Platz für 350 Passagiere. An jedem Platz findet sich ein großer 10,4 Zoll Videoschirm. Zur Zeit zählt die Flotte der gerade einmal zwei Jahre alten Fluglinie 16 Flugzeuge. Bis nächstes Jahr wird die Flotte auf 35 Einheiten anwachsen. Bestellt hat Etihad unter anderem auch den Super-Airbus A380.

100 Mio. Dollar hat sich die Regierung den Aufbau einer eigenen Fluglinie kosten lassen. Doch CEO Boven betont, dass dahinter strenge betriebswirtschaftliche Auflagen stehen. Erklärtes Ziel sei es, innerhalb von fünf Jahren die Gewinnschwelle zu erreichen. Und die 100 Mio. Dollar seien kein Geschenk, weist der CEO ausdrücklich hin, sondern ein Darlehen mit Rückzahlungsverpflichtung. Etihad nimmt bei der weiteren wirtschaftlichen und touristischen Entwicklung des Emirats eine zentrale Rolle ein. Ein weiterer Faktor ist der Flughafen, der schon jetzt eine Drehscheibenfunktion hat, dieser aber auf Grund der beengten Platzverhältnisse nur ungenügend gerecht wird. Doch am neuen Flughafen wird schon gebaut. Österreichisches Know-how ist dabei mit an Bord. Die Flughafen Wien AG kann sich bei diesem ambitionierten Flughafenprojekt über einen Beratervertrag freuen.

(Ausgabe 07/2006)