Es ist ein österreichisches Unternehmen, dass sich durch innovative Produktentwicklung die weltweite Marktführerschaft im Bereich der Hubschrauberdrohnen sichern konnte. Der große Erfolg machte jetzt eine Ausweitung der Produktionskapazitäten notwendig. Und so wurde dieser Tage im Beisein zahlreicher Politik- und Wirtschaftsprominenz ein neues Werk in Wiener Neustadt eröffnet.

Schiebel Innovationen aus ÖsterreichBei dem Unternehmen handelt es sich nicht um eine Neugründung. Vielmehr reicht seine Geschichte bis in das Jahr 1951 zurück. In diesem Jahr wurde die Firma Schiebel Elektronische Geräte GmbH gegründet. Im Jahr 1986 übernahm der heutige Vorstandsvorsitzende der Schiebel Industries AG das Unternehmen. Hans Georg Schiebel kann auf sehr erfolgreiche Jahre zurück blicken. Bereits 1985 begründete er mit der Akquisition eines Auftrages der Schwedischen Armee für Minensuchgeräte ein bis heute wesentliches wirtschaftliches Standbein des Unternehmens. 1991 gelang mit einem Großauftrag zur Ausstattung der U. S. Armee mit einem tragbaren Minensuchgerät der Durchbruch zur internationalen Marktführerschaft. Nur wenige Jahre später begann Hans Georg Schiebel mit der Entwicklung eines unbemannten Helikopters. Die ursprüngliche Idee, ein unbemanntes Fluggerät für die Minensuche zu bauen wurde auf Grund von anders gelagerten Kundenprioritäten zu Gunsten einer universell einsetzbaren Flugplattform fallen gelassen. Die erste Generation des Camcopters, das System 5.1 UAV, erreichte zur Jahrtausendwende seine Marktreife. In den Jahren seither wurde der Camcopter technisch völlig neu konzipiert und als Camcopter S-100 Anfang 2005 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die bahnbrechende autonome Flugsteuerung und die einzigartigen Leistungsdaten dieses innovativen High-Tech Helikopters überzeugten und brachten Schiebel den ersten Großauftrag durch die Vereinigten Arabischen Emirate. Neben Wiener Neustadt wird der Camcopter in einem Werk in den Arabischen Emiraten endmontiert. Das große internationale Interesse am Camcopter S-100 machte jetzt eine Ausweitung der Entwicklungs- und Produktionskapazitäten notwendig. Hans Georg Schiebel spricht in diesem Zusammenhang von einer enormen weltweiten Nachfrage. Am 6. September war es denn auch soweit. Gemeinsam mit dem niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll und dem Vorsitzenden der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, konnte Hans-Georg Schiebel das neue Werk in Wiener Neustadt seiner Bestimmung übergeben. Das österreichische Werk ist für eine jährliche Produktionskapazität von rund 120 unbemannten Helikoptern ausgelegt. Am Standort Abu Dhabi liegt die Kapazität bei 50 Fluggeräten. Rund 100 Mitarbeiter finden in dem architektonisch gelungen Werk einen neuen Arbeitsplatz. Damit verdoppelt sich die Mitarbeiteranzahl des Unternehmens auf 200 Personen. Rund 8,5 Millionen Euro hat sich Schiebel die neue Produktionsstätte kosten lassen. Und so vermittelt auch jede Ecke der 2.300 m2 großen Produktionshalle einen kompromisslosen High-Tech Anspruch. Der neue Standort wurde auch auf Grund seiner Nähe zum militärischen Sperrgebiet Großmittel ausgesucht. Dort steht für die unbemannten Flugsysteme ein ideales Trainingsareal zur Verfügung.

VIELFÄLTIGE ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN

Aber nicht nur im militärischen Bereich sind die Anwendungsmöglichkeiten für unbemannte Drohnensystem überaus vielfältig. Schiebel arbeitet bereits mit Hochdruck an einer zivilen Luftfahrtzertifizierung. So eignet sich der Camcopter beispielsweise ideal für die Überwachung von Öl- oder Gaspipelines. Mit Zusatztanks ausgerüstet kann das Fluggerät bis zu sechs Stunden in der Luft bleiben. Eine weitere Einsatzoption ist das Monitoring von Großereignissen wie etwa Olympischer Spiele oder die Überwachung großer Waldgebiete in den Sommermonaten. Aber auch die Überwachung von Grenzen kann mit derartigen Drohnensystem weitaus effizienter und kostengünstiger durchgeführt werden. Es ist der Kunde, der die Einsatzrolle bestimmt. Daraus leitet sich die so genannte „Sensorpayload“ ab – praktisch die Augen und Ohren des Systems. Diese „Nutzlast“ befindet sich im unteren Teil des Fluggeräts und kann ein stabilisiertes Tag/Nach Kamerasystem beinhalten ebenso wie ein Radar oder eine Multi-Spektral Kamera. Eine der großen Stärken des Camcopters ist in diesem Zusammenhang die hohe Nutzlastkapazität - neben der Einsatzreichweite eine der wichtigsten Auswahlkriterien. So kann der Flugkörper bei einem maximalen Abfluggewicht von 200 Kilogramm eine Nutzlast von bis zu 50 Kilogramm aufnehmen. Ein Erfolgsgeheimnis ist dabei die fortschrittliche Herstellungsmethode. Der Rumpf besteht fast zur Gänze aus Kohlefaser und wiegt daher nur rund 18 Kilogramm. Das Leergewicht wird mit 100 Kilo angegeben. Darüber hinaus ist der nur rund drei Meter lange Helikopter überaus schnell und wenig. Insofern repräsentiert der Camcopter S-100 echte österreichische Hochtechnologie, wie Hans-Georg Schiebel in seinen Ausführungen betont.

Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor ist das Navigationssystem. So kann der Camcopter völlig unabhängig ein vorprogrammiertes Flugprogramm abfliegen. Auch Start- und Landung, wie im Rahmen der Werkseröffnung eindrucksvoll präsentiert, lassen sich völlig unabhängig von einem Bodenoperator durchführen. Bei der Navigation selbst greift das Fluggerät einerseits auf ein internes System (INS) zurück, andererseits ist der Camcopter auch mit einem satellitengestützten Global Positioning System (GPS) ausgerüstet. Zur Übertragung der Aufklärungsergebnisse ist ein Data-Link System eingebaut. Während unbemannte Flugkörper, sogenannte Drohnen, in vielen Ländern der Welt entwickelt werden, gibt es nur wenige einsatzfähige Helikopterdrohnen. Selbst in den Vereinigten Staaten, deren Streitkräfte Unsummen für die Entwicklung von Drohnen ausgeben, gibt es derzeit nur Prototypen von Helikopterdrohnen. Im Vergleich zu Flugzeugdrohnen sind Helikopterdrohnen wesentlich flexibler einsetzbar. Ein Hauptvorteil liegt in der Fähigkeit senkrecht starten und landen zu können. Flugzeugdrohnen benötigen eine Piste oder ein oftmals sehr aufwendiges Rückholsystem. Das erhöht einerseits die Komplexität des Gesamtsystems, andererseits ist die Unfallhäufigkeit größer.

Und so sind denn auch die Eröffnungsworte von Landeshauptmann Pröll und Industriellenverbandspräsident Sorger keine leeren Phrasen wenn sie von einer neuen Dimension der technologischen Entwicklung in Österreich sprechen (Pröll) oder vom unternehmerischen Mut, der für die Entwicklung eines derart aufwendigen Produktes notwendig ist (Sorger). Aber der lange und steinige Weg zur Realisierung des Camcopters (Hans-Georg Schiebel) hat als Schlusspunkt ein wirtschaftliches Happy End. Auch wenn der Camcopter S-100 erst am Anfang seines operativen Lebens steht.

(Ausgabe 09/2006)