Eine Kapitalerhöhung um 350 Millionen Euro und ein Bekenntnis zum Verbleib in der Star Alliance. Das sind die Kernpunkte einer Strategie, die der seit dem Frühjahr agierende Vorstandsvorsitzende Mag. Alfred Ötsch in diesen Tagen bekannt gab.

Das frische Kapital wird dringend benötigt um die Optimierung der Austrian Airlines Gruppe weiter voran zu treiben. So musste im Vorjahr ein Verlust von 129 Millionen Euro vebucht werden. Und auch im laufenden Jahr belasten vor allem die hohen Kerosinkosten die Bilanz. Vorstandsvorsitzender Ötsch geht aber davon aus, im nächsten Geschäftsjahr wieder die Rückkehr in die Gewinnzone zu schaffen. Um nachhaltig Gewinne schreiben zu können sind noch eine Reihe weiterer Maßnahmen erforderlich. So wird die AUA ihre Flottenkonsolidierung weiter fortsetzen und die beiden, noch verbleibenden vierstrahligen A340-300, verkaufen. Ersetzt werden die A340 durch eine Boeing 777. Mit der Abgabe der beiden Airbus-Flugzeuge ist auch eine Reduktion des Personalstandes verbunden. 350 Mitarbeiter sollen ersten Schätzungen zu folge ihren Job verlieren. Im Vorstand geht man davon aus, dass der Abbau durch natürliche Abgänge zu schaffen ist.

OSTEUROPA ALS HEIMATMARKT

Ein klares Bekenntnis gibt es zur Fokussierung auf den zentral- und osteuropäischen Markt. In den vergangen Jahrzehnten ist es der AUA gelungen, die Marktführerschaft in diesem Teil des Kontinents konsequent auszubauen. Heute fliegt Austrian 566 wöchentliche Verbindungen zu 45 Zielen. Vorstandsvorsitzender Ötsch sieht Zentral- und Osteuropa denn auch als erweiterten Heimatmarkt der AUA. Ötsch dazu im Detail: „Während Mitbewerber größtenteils noch am Aufbau von Hauptstadtverbindungen arbeiten, erweitern wir unseren Radius bereits über den Ural und verdichten unser Netz laufend.“ 74 Prozent der zur Zeit 1,8 Millionen Fluggäste von und nach Zentral- und Osteuropa sind ausländische Transferpassagiere, die sich aufgrund der Attraktivität des AUA-Angebots für einen Flug mit Austrian über Wien entscheiden. Ötsch kündigt an, die Zentral- und Osteuropaexpansion noch weiter forcieren zu wollen.

Mit diesem geografischen Raum konzentriert sich Austrian auf ein Gebiet, dessen jährliches Verkehrswachstum bis 2010 bei rund 7,5 Prozent erwartet wird. Konzentrieren wird sich die AUA auch weiterhin auf Sekundärziele. Mit dieser Strategie konnten beispielsweise bereits die Ukraine und Rumänien flächendeckend erschlossen werden. Ein Blick in den Flugplan bestätigt die diesbezüglich Strategie: Die derzeit 45 Destinationen gliedern sich in 9 Primär- und 36 Sekundärziele. Ein weiterer Erfolgsgarant ist eine hohe Frequenzdichte. Und auch hier hat die AUA die Nase vorne. Bei 26 der 45 Destinationen bietet die AUA die meisten Flüge an.

Und mit noch einer Neuerung kann Vorstandsvorsitzender Ötsch aufwarten. Dank einer umfassenden Kooperation mit der russischen Air Union kann die heimische AUA das riesige Land auch jenseits des Ural flächendeckend erschließen. Bei der Air Union handelt es sich um einen Zusammenschluss von fünf russischen Fluglinien: Kras Air, Omskavia, Samara Airlines, Domodedovo Airlines und Sibaviatrans. Diese Airlines betreiben eine Flotte von über 100 Flugzeugen und beförderten im Vorjahr rund 3,2 Millionen Passagiere. Mit den Air Union Hubs in Moskau-Domodedovo, Samara und Krasnojarsk wird der russische Markt optimal abgedeckt. Im Rahmen der Zusammenarbeit kann die AUA das Netz der Air Union in Russland nutzen, während die heimische Airline der „preferred Western Carrier“ wird. Air Union plant bereits auch Flüge von Samara nach Wien und eventuell von Krasnojarsk über Moskau nach Wien. Die Austrian Gruppe selbst fliegt aktuell fünf Städte in Russland an. Neben Moskau und St. Petersburg stehen noch Jekaterinburg sowie im Süden des Landes Rostov am Don und Krasnodar im Flugplan.

NEUAUSRICHTUNG AUF DER LANGSTRECKE

Bereits beschlossene Sache ist die Einstellung der täglichen Australienflüge mit Beginn des Sommerflugplanes 2007. Vorstandsvorsitzender Ötsch bekennt sich jedoch zum Langstreckenverkehr als einen der wichtigen Eckpfeiler der Austrian-Strategie. So wird nach New York und Washington D.C. mit Chicago ein wichtiges Flugdrehkreuz des Allianzpartners United in den Flugplan aufgenommen. Als neue Langstreckendestination wird das pakistanische Karachi derzeit genau geprüft. Karachi ist das kommerzielle Zentrum des Landes.

Darüber hinaus ist eine dritte Destination in Indien in Evaluierung. Gleichzeit kommt es durch den Einsatz von größerem Fluggerät zu einer Ausweitung des Sitzplatzangebots. So wird beispielsweise Washington in Zukunft mit einer größeren Boeing 777 angeflogen werden. Das neu in den Flugplan aufgenommene Chicago wird ab April viermal wöchentlich mit einem Airbus A330 angeflogen, ab Juni wird auf tägliche Flüge aufgestockt. Und New York wird in der Hochsaison des nächsten Jahres 13 Mal pro Woche angeflogen. Durch den Einsatz einer Triple Seven wird das Sitzplatzangebot nach Tokio und Bangkok aufgestockt. Die Boeing 777 wird derzeit auf die neue Business-Class umgerüstet. An Bord stehen dann 40 Business Schlaf-Fauteuils und 260 Economy-Sitze zur Verfügung.

(Ausgabe 10/2006)