Überaus erfreut über die Entwicklung des laufenden Jahres zeigt sich Niki-General Manager Ing. Otmar Lenz. Mit Frankfurt konnte die letzte bedeutende Lücke des Destinationsangebots in Deutschland geschlossen werden. Und ab März wird Niki mit Moskau die erste Destination im Osten des Kontinents in den Flugplan aufnehmen. Der Luftfahrtverband traf den Niki-Manager zu einem ausführlichen Gespräch.

Niki auf Wachstumskurs„Wäre nicht der Treibstoff, könnte man 2006 als Traumjahr bezeichnen“, bilanziert Lenz die aktuelle Situation. „Dank über dem Budget liegenden Passagierzahlen konnten wir aber die durch den hohen Treibstoffpreis verursachten Mehrkosten weitgehend abfedern“, fügt der General Manager hinzu. Und so ist es gelungen, wie Lenz betont, die für den Aufbau neuer Strecken notwendiger Investitionen aus dem Cash-flow zu finanzieren.

Neben den klassischen touristischen Strecken, bestimmen verstärkt typische Geschäftsreisedestinationen den Flugplan der Airline. Bereits ab Ende Oktober ergänzt Frankfurt das umfassende Angebot der Partner Air Berlin und Niki in Deutschland. Optimal für Geschäftsreisende wird die Mainmetropole werktäglich im Tagesrand angeflogen. Lenz sieht für Niki auf dieser neuen Strecke ein großes Potenzial: „Wir sind überzeugt dass es nach Frankfurt nicht nur Umsteigeverkehr sondern auch ein hohes Originäraufkommen gibt. Darüber hinaus komplettieren wir damit unser Deutschlandangebot.“ Die Airline hält auch auf typischen Businessstrecken wie Frankfurt oder Zürich an ihrer Low Cost-Strategie fest. Lenz rechnet zwar mit einem höheren Yield, der aber in erster Linie durch eine hohe Auslastung sichergestellt werden soll. Ein besonderer Coup ist Niki mit der Aufnahme von Flügen nach Moskau gelungen. Ab Beginn des Sommerflugplanes 2007 wird Moskau einen werktäglichen Flug erhalten. Auch Moskau, bisher alleinige Domäne von AUA und Aeroflot, zählt als stark wachsender Wirtschaftsraum zu den lukrativsten Businessdestinationen in Europa. Optimierungen gibt es auch auf anderen Strecken. So wird Zürich in Spitzenzeiten einen dritten täglichen Flug erhalten, London-Stansted wurde bereits auf Tagesrand umgestellt. Obwohl Lenz bei London eine besonders intensive Wettbewerbssituation sieht, stehen dank der günstigeren Flugzeiten mit Air Berlin jetzt optimale Anschlüsse in den Norden Englands zur Verfügung. Auch Paris, kündigt Lenz im Gespräch mit dem Luftfahrtverband an, soll mittelfristig eine Tagesrandverbindung erhalten.

Flexibler Partner der Reiseveranstalte

Im Aufbau von City-Shuttle Destination sieht Lenz eine der beiden Säulen der Niki Luftfahrt GmbH. Der Charterbereich ist die zweite bedeutende Säule. Wobei Lenz betont, dass sich beide Geschäftsfelder auch in Zukunft mit einem jeweils gleich großen Anteil ergänzen sollen. Dem entsprechend sieht Lenz Niki denn auch als Partner der Reiseveranstalter. Wobei Lenz die hohe Flexibilität seiner Airline hervorhebt. So sieht Lenz die Airline nicht nur als Bereitsteller des Transportmittels. Vielmehr übernehme Niki eine aktive Rolle. Als Beispiel führt Lenz die heurige Situation in der Türkei an. Man habe bei Niki schon frühzeitig auf die schwache Nachfrage reagiert und den Veranstaltern Alternativen in Spanien angeboten. Ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang ist, dass sich die Airline stets ein Sitzplatzkontingent zurück hält. Damit ist es möglich, dem Veranstalter bei Bedarf unter die Arme zu greifen. Andererseits bewähre sich gerade bei einer Low Cost Airline wie Niki der Einzelplatzverkauf über das Internet. Mit Palma hebt Lenz ein weiteres Highlight hervor. Dank dem perfekt funktionierenden Air Berlin Drehkreuz sei es möglich, auch in der nachfrageschwachen Saison ein flächendeckendes Angebot in Spanien anbieten zu können. Nach den Bundesländerflughäfen Salzburg und Linz ist eine Anbindung des Palma-Drehkreuzes auch von Graz und Innsbruck aus angedacht. Die hohe Nachfrage in Ostösterreich wird im Sommer 2007 möglicherweise einen zweiten täglichen Flug Wien-Palma zur Folge haben. Grundsätzlich zeigt sich Lenz im Hinblick auf den Aufbau neuer Strecken aber vorsichtig: „Angesichts des hohen Investitionsbedarfes wollen wir pro Jahr um ein Flugzeug wachsen.“ Im März 2007 wird Niki mit dem ersten Airbus A319 ihr siebtes Flugzeug erhalten. Für das laufende Jahr erwartet Lenz bereits 1,3 Millionen Passagiere. Im Vorjahr waren es 1,1 Millionen.

Low Cost mit hohem Qualitätsanspruch

Niki Lauda hat seine Airline bewusst im Low Cost Segment des Marktes positioniert. Und wie Otmar Lenz betont, gibt es keinen Anlass diese Vorgabe zu ändern. Auch wenn mit Frankfurt und Moskau weitere typische Businessdestinationen in den Flugplan aufgenommen werden, hält Niki an seiner typischen Preisstrategie fest. Lenz schränkt zwar ein, dass es auf der Moskau-Strecke auf Grund der höheren Kosten wahrscheinlich keine „ab 29 Euro Preise“ geben wird, fügt aber hinzu, dass mit einer „Low Cost Bepreisung“ andere Kundenschichten angesprochen werden sollen als dies etwa eine AUA oder Aeroflot tun. Als Zielkunden hat Lenz die so genannten KMUs, also kleine und mittlere Unternehmen sowie die ständig wachsende Moskauer Mittelschicht im Visier. Niki kann dabei auf eine, bereits von Air Berlin in Moskau etablierte Verkaufsorganisation zurückgreifen. Sehr groß ist die Freude bei Niki über die Streckenrechte für die russische Hauptstadt.

Man wolle sich aber nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen, sondern vielmehr nach weiteren Möglichkeiten Ausschau halten, kündigt Lenz an. St. Petersburg, dass von Partner Air Berlin erst kürzlich in das Streckennetz aufgenommen wurde, sei eine weitere Option. Keinesfalls Low Cost ist der Service an Bord. Kostenlose Soft Drinks und Demel-Sandwiches zählen ebenso zum Service wie Tageszeitungen. Nicht zuletzt im Hinblick auf die immer größer werdende Zahl von Geschäftsreisenden hat Niki gemeinsam mit Attila Dogudan ein neues Angebot kreiert. Zusätzlich zur kostenlosen Grundvorsorgung haben die Passagiere schon jetzt eine Auswahlmöglichkeit von warmen Menüs. Die Angebotspalette reicht von einem umfassenden Frühstück bis hin zu Wiener Schnitzel oder asiatischem Nudeltopf. Bis jetzt war es nur möglich, seine Auswahl direkt an Bord zu treffen.

„Mit all den damit verbundenen Nachteilen, wie beispielsweise, dass die hinteren Reihen unter Umständen nicht mehr die volle Auswahlmöglichkeiten hatten“, präzisiert Lenz. Schon demnächst wird dieser Serviceaspekt auf eine neue Ebene gehoben. Und zwar wird es möglich sein, sich bereits vor dem Abflug für ein bestimmtes Demel-Menü zu entscheiden. Nachdem Buchungen speziell im Low Cost Segment oftmals sehr frühzeitig erfolgen, erhält der Passagier kurz vor dem Abflug über E-Mail eine Erinnerung mit dem kompletten Menüangebot. „Wählt der Passagier dann ein Menü, läuft die Bezahlung mit der Flugbuchung zusammen“, erwähnt Lenz, der darin einen zusätzlichen Abrechnungsvorteil für den Kunden sieht.

Vielfliegerprogramm und Mitbewerber

Im Geschäftsreisesegment steht Niki naturgemäß im Wettbewerb mit dem Netzwerkcarrier Austrian Airlines. Und mit ihrem Vielfliegerprogramm Miles & More hat der große Mitbewerber einen starken Trumpf im Ärmel. Dem hält Lenz entgegen, dass sich AUA und Niki mit ihrer strategischen Ausrichtung eher ergänzen als konkurrieren. Als typischer Netzwerkcarrier bietet die AUA ihren Passagieren nicht zuletzt über die Star Alliance ein überaus dichtes Netz an weltweiten Destinationen. Hingegen setzt Niki als Low Cost Carrier auf den Punkt-zu-Punkt Verkehr. Und in diesem Bereich kann es bei Destinationen wie Zürich, Frankfurt oder Moskau zu einem Wettbewerb zwischen den beiden österreichischen Fluglinien kommen.

Für den Vielflieger hat Niki trotzdem ein ebenso attraktives wie einfaches Angebot parat: „Nach jedem zehnten Flug ist der elfte gratis, die Einlösung dieses Freifluges sehr unkompliziert“, wie Lenz hervorhebt. Einer konsequenten Bearbeitung des Geschäftsreisemarktes hat sich Otmar Lenz zum Ziel gesetzt. Erfahrene Branchenprofis kümmern sich um die Aquisition neuer Kunden. Ein Teil, eines Erfolgsrezeptes, das Niki innerhalb kürzester Zeit, mit im Vorjahr 1,1 Millionen Passagieren zum mit Abstand zweitgrößten Carrier am Flughafen Wien gemacht hat.

(Ausgabe 11/2006)