Flughafen Wien AG
Die Flughafen Wien AG erwartet durch die mehrheitliche Übernahme der Flughäfen Bratislava und Kosice für die nächsten Jahre ein starkes Wachstum der Passagierzahlen. Die Verträge zur Übernahme der jeweiligen Anteilmehrheit sind bereits unterzeichnet und rechtswirksam. Jetzt liegt der Ball bei den Wettbewerbsbehörden von Österreich und der Slowakei.
Vorstandsvorsitzender Mag. Herbert Kaufmann rechnet mit einer Entscheidung der Wettbewerbsbehörden bereits im Sommer. Erst dann können die Anteile an den Flughafen Wien übertragen werden. Unmittelbar ist die Investition in die beiden Flughäfen mit hohen Kosten verbunden. So wird allein für den Flughafen Bratislava ein Kaufpreis von 275 Mio. Euro fällig. Ein Kapitalzuschuss und ein Investitionsprogramm kosten nochmals 240 Mio. Euro. Parallel dazu realisiert das Unternehmen am Standort Wien mit dem Terminal Skylink ein Bauprojekt in der Größenordnung von einer halben Milliarde Euro. Für die Flughafen Wien AG gut angelegtes Geld. Immerhin befindet sich der Flughafenverbund Wien/Bratislava in einer wirtschaftlich stark wachsenden Region Europas. Vorstandsvorsitzender Kaufmann beziffert den „Zentraleuropabonus“ mit einem um ein Prozent über dem Durchschnitt liegenden Wachstum bei den Passagierzahlen. Das gelte für den Standort Wien, Bratislava werde in den nächsten Jahren noch stärker wachsen, präzisiert Kaufmann. Bereits 2010 rechnet Kaufmann für den Flughafenverbund Wien/Bratislava mit einer Gesamtpassagierzahl von 25 Millionen. Zu Grunde liege, so Kaufmann, ein gemeinsames jährliches Wachstum von 7,7 Prozent. Wobei für Bratislava bis 2010 jährliche Wachstumsraten von 29,8 Prozent prognostiziert werden, für Wien bescheidenere 4,7 Prozent. Wien sollte dann die 20 Millionen Schallgrenze erreicht haben, für Bratislava werden fünf Millionen Passagiere erwartet. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden in Wien knapp 16 Millionen Passagiere gezählt. In Bratislava waren es gerade einmal 1,3 Millionen. Doch die Dynamik ist bereits klar erkennbar. Während Wien um 7,3 Prozent zulegen konnte, stieg die Zahl der Passagiere in Bratislava gleich um 48 Prozent. Wachstumstreiber auf beiden Flughäfen waren die Low Cost Fluglinien. Sie brachten dem Flughafen Wien im Vergleich zu 2004 zusätzlich 324.361 Passagiere. Kaufmann rechnet aber damit, dass sich das weitere Wachstum in diesem Verkehrssegment abflachen wird. Bis 2010, so Kaufmann, sollte sich der Anteil der Low Cost Carrier in Wien bei 20 Prozent einpendeln. Ganz anders hingegen präsentiert sich die Situation im östlichen Nachbarland. In Bratislava wird das Wachstum fast ausschließlich von den Low Cost Anbietern getragen. Eine Situation, an der sich auch in den nächsten Jahren nicht viel ändern wird. Dementsprechend präsentiert sich der strategische Fokus der drei Flughafenstandorte: Während Wien weiterhin als klassisches Drehkreuz zwischen Ost- und Westeuropa sowie den Langsteckenverkehr fungieren wird, steht in Bratislava der direkte Punkt-zu-Punkt Verkehr mit einem starken Fokus auf Low Cost Carrier im Vordergrund. In Kosice seien hingegen die Drehkreuz-Verbindungen nach Wien, Frankfurt und Prag zu forcieren. Das Resümee des Flughafenvorstandes: „Durch die Spezialisierung der Airports entsteht ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Zürich, München, Budapest und Prag.“ Längst stehen nicht nur die Fluglinien untereinander im Wettbewerb, der Wettbewerbsdruck ist auch bei den Flughäfen selbst immer stärker spürbar.
Ein erfolgreiches Beteiligungskonzept setzt auch eine effiziente landseitige Vernetzung der Flughäfen Wien und Bratislava voraus. Kaufmann rechnet damit, dass Ende nächsten Jahres die Slowakei dem Schengen-Abkommen beitreten wird. Endgültig der Vergangenheit angehören würden dann die Grenzkontrollen, die zur Zeit die Reisezeit zwischen den beiden Hauptstädten merkbar verlängern. Als mittelfristige Maßnahme ist die Weiterführung des City Airport Train (CAT) zum Flughafen Bratislava zu sehen. Derzeit klafft jedoch auf österreichischer Seite noch eine 12 Kilometer lange Lücke im Schienenstrang. Frühestens in drei bis vier Jahren rechnet Kaufmann mit einer Schließung dieser Lücke. Als kurzfristige Maßnahme soll aber bereits mit Ende dieses Jahres eine Busverbindung eingerichtet werden. Dieser Shuttle wird zahlreiche Bequemlichkeiten bieten. So soll es beispielsweise möglich sein bereits in Wien für den Abflug in Bratislava einzuchecken. Für das aufgegebene Gepäck wird derzeit noch über eine Lösung verhandelt.

(Ausgabe 05/2006)