Durch die kürzlich erfolgte Fusion von Pulkovo Aviation und Rossiya ist ein neuer großer Player auf dem russischen Luftverkehrsmarkt entstanden. Neben St. Petersburg verfügt die Airline jetzt auch in Moskau über ein Luftverkehrsdrehkreuz. FLUG MAGAZIN traf Regional-Manager Gennady Egorov zu einem Gespräch.

„Durch den Zusammenschluss rückt Rossiya nach Aeroflot an die zweite Stelle unter den russischen Airlines auf“, konkretisiert Manager Egorov im Gespräch mit dem FLUG MAGAZIN das Ziel der Fusion. Während die ehemalige Pulkovo Aviation in St. Petersburg ihre Heimatbasis hat, hat Rossiya in Moskau ein Hub aufgebaut. Dem entsprechend kann sich Egorov durchaus eine eigene Rossiya-Flugverbindung zwischen Moskau und Wien vorstellen. Erst kürzlich wurde auf dieser Strecke der Wettbewerb durch den Markteintritt der russischen Airline Transaero und Niki (ab März 2007) auf eine neue Ebene gehoben. Bisher war die Route eine Rennstrecke der heimischen AUA und der Aeroflot. Zwischen St. Petersburg und Wien ist Rossiya bereits mit zwei wöchentlichen Flügen vertreten. Ab dem Sommerflugplan nächsten Jahres wird die Airline eine dritte wöchentliche Rotation in den Flugplan aufnehmen. Zusätzlich zum Mittwoch und Sonntag wird Rossiya dann auch am Freitag Richtung St. Petersburg abheben. „Besonders im Sommer ist die Nachfrage nach den Flügen sehr groß“, meint Gennady Egorov.

So groß, dass die Airline anstatt der üblicherweise eingesetzten Boeing 737-500 auf größeres Fluggerät in Form ein Tupolev 154M zurückgreifen muss. „Großer Beliebtheit“, fügt Egorov hinzu, „erfreuen sich die Flusskreuzfahrten auf der Neva.“ Egorov sieht in St. Petersburg aber auch ein verkanntes Winterziel: „Besonders im Winter lassen sich die kulturellen Highlights dieser einzigartigen Stadt, wie beispielsweise das Bernsteinzimmer, ohne Trubel und Stress entdecken.“ Darüber hinaus sind über das Drehkreuz in der nordrussischen Metropole zahlreiche Inlandsdestinationen erreichbar. 39 Flugziele, von Anapa bis Yakutsk, umfasst das dichte Inlandsnetzwerk. „Neben dem russischen Inlandsflugmark konzentrieren wird uns auf Europa und den Nahen und Mittleren Osten“, umreißt Egorov die Strategie der Airline. Neben fünf Boeing 737-500 die hauptsächlich auf den Flügen nach Westeuropa eingesetzt werden, zählt die Flotte bewährte russische Typen wie die Tupolev 154 oder die Ilyushin Il-96. Auch das zur Zeit modernste russische Fluggerät, die Tupolev 214 wird von der Airline eingesetzt. Ein gewisses Problem, betont Egorov, stellt die große Saisonalität der Nachfrage dar. Während im Sommer die Flüge voll sind, Stichwort Weiße Nächte in St. Petersburg, ist die Nachfrage im Winter gering. Auch die Flüge von und nach Wien sind sehr stark von dieser Saisonalität geprägt. „Im Winter würde ein kleineres Fluggerät für die Strecke ideal sein“, fügt Egorov hinzu. Dem entsprechend plant die Airline einige 50sitzige Canadair Regional Jets zu mieten.

Ableger der ehemaligen Aeroflot

Sowohl Pulkovo Aviation als auch Rossiya sind Ableger der sowjetischen Aeroflot. Während Pulkovo aus der St. Petersburger Abteilung der Aeroflot hervorgegangen ist, war Rossiya zu Sowjetzeiten für den Transport von Regierungsmitgliedern tätig. Auch heute noch trägt die Präsidentenmaschine den Schriftzug „Rossiya“. Mit Regierungsflügen hat die kommerzielle Rossiya aber nicht mehr dazu, wie Gennady Egorov im Gespräch mit dem FLUG MAGAZIN betont. Die im November 2006 vollzogene Fusion von Pulkovo und Rossiya verdeutlicht vielmehr den Konzentrationsprozess am russischen Luftverkehrsmarkt. Erst dieser Tage hat Aeroflot zwei kleinere Regionalfluglinien im russischen Fernen Osten übernommen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die zahllosen Regionalabteilungen der Aeroflot in selbständige Fluglinien aufgeteilt. Die ehemals größte Fluglinie der Welt war mit einem Schlag nur mehr für den Auslandsmarkt zuständig. Das Resultat war eine schier unübersehbare Zahl von mehreren hundert kleineren bis mittleren Fluglinien, die sich die Passagiere in einem, über lange Jahre schrumpfenden Markt streitig machten. In den letzten Jahren setzte ein, nicht zuletzt durch die Politik geförderter, Konzentrationsprozess ein. So baut Aeroflot beispielsweise das Inlandsangebot stark aus. Aeroflot-Generaldirektor Valery Okulov bezeichnet daher auch Russland als wichtigsten Wachstumsmarkt seiner Airline. Neben Aeroflot konnten sich in den letzten Jahren einige wenige Player von internationaler Bedeutung in Russland etablieren. Neben Aeroflot als Nummer Eins sind dies Rooiya als neue Nummer Zwei, sowie Transaero und Sibir. Mit ihren Standbeinen in Moskau und St. Petersburg sieht sich Rossiya im künftigen Wettbewerb gut aufgestellt. Immerhin ist St. Petersburg nach Moskau die zweitwichtigsten Destination in Russland.

 (Ausgabe 01/2007)