Mit dem Einstieg des österreichischen Investors Ronny Pecik stellt sich die Frage nach dem weiteren Weg von Sky Europe. Die Airline mit ihrem Stammflughafen Bratislava steht unmittelbar vor einem groß angelegten Start in Wien. Das börsennotierte Unternehmen ist in den letzten Jahren stark gewachsen und hat dabei viel Geld verbrannt. Verfolgen die Investoren Ronny Pecik und Georg Stumpf mit ihrer Victory Holding zusammen mit ihrem Berater Niki Lauda strategische Ziele oder sind sie nur an einem kurzfristigen Profit interessiert? Der Versuch einer Analyse.

16 Destinationen stehen ab Ende März im Wiener Flugplan von Sky Europe. Damit vervielfacht sich das Low Cost Angebot mit einem Schlag. Abgesehen von Air Berlin und Niki nimmt sich das Niedrigpreissegment in Wien eher bescheiden aus. Die beiden Partner konzentrieren sich in erster Linie auf den deutsch-österreichischen Nachbarschaftsverkehr sowie auf Flüge nach Spanien, das über das Air Berlin-Drehkreuz Palma praktisch flächendeckend erschlossen ist. In ihrer Expansionsstrategie unterscheiden sich Niki und Sky Europe allerdings elementar. Airliner Lauda setzt auf vorsichtiges und kontrolliertes Wachstum, neue Destinationen werden erst in den Flugplan aufgenommen wenn mit anderen Strecken das dafür erforderliche Geld verdient wird. Anders hingegen die Strategie von Sky Europe. Erst vor etwas mehr als fünf Jahres aus der Taufe gehoben, fährt die Airline einen massiven Expansionskurs, dem noch dazu eine teure Mehrbasenstrategie zugrunde gelegt ist.

Naturgemäß wird dabei in der Aufbauphase viel Geld verbrannt. Vorrangiges Ziel ist, innerhalb einer kurzen Zeitspanne eine kritische Größe zu erreichen. Sky Europe hat diese Größe erreicht und muss jetzt Geld verdienen um das wirtschaftliche Überleben gewährleisten zu können. Dank einer im Vorjahr vorgenommenen Kapitalaufstockung sollte für das laufende Jahr genug Geld vorhanden sein, um die Anlauffinanzierungen für die neuen Wiener Strecken abdecken zu können. In dieser Phase kommen die neuen Investoren ins Spiel. Ronny Pecik genießt in Finanzkreisen den Ruf eines Sanierers. Mit der Übernahme des angeschlagenen Schweizer Technologiekonzerns Unaxis/Oerlikon konnten Pecik und Stumpf ihren Ruf begründen. In der Schweiz hat Pecik an die Konzernspitze mit Thomas Limberger einen Manager seines Vertrauens gehievt. Pecik bleibt als Finanzinvestore im Hintergrund. Stumpf übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrates. Ein Ziel dass die smarten Österreicher auch mit ihrem Engagement bei Sky Europe verfolgen? Gut möglich. Immerhin wurde bekannt, dass Pecik und Stumpf ihre Anteile weiter aufstocken und mittlerweilen bei einem Anteil von rund 17 Prozent angelangt ist. Um Vorstandsentscheidungen nachdrücklich beeinflussen und die Airline ganz unter seine Kontrolle bringen zu können werden sie weiter aufstocken müssen. Erst mit einem Anteil von 25 Prozent und einer Aktie, der sogenannten Golden Share, verfügen sie über ein Vetorecht. Stocken sie darüber hinaus weiter auf, könnte sogar ein Übernahmeangebot an die anderen Aktionäre verpflichtend werden.

Dann hätten Pecik und Stumpf die totale Kontrolle. Und wieder ergeben sich Parallelen mit seinem Schweizer Investment. Um ihre Pläne mit Oerlikon weiter voran zu treiben überlegt das Investorenduo das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Ob eine Annäherung von Sky Europe an Niki erfolgen wird bleibt unklar. Sky Europe ist es sehr gut gelungen, sich selbst als zentraleuropäische Marke zu etablieren. Niki hingegen genießt in Österreich einen sehr guten Ruf, im restlichen Europa ist die Airline aber weniger bekannt. Mit ihrem 25-Prozent-Anteil hätte Air Berlin im Falle einer Annäherung ein gehöriges Wort mitzureden. Niki arbeitet sehr eng mit Air Berlin zusammen. So ist die Reservierung bei Air Berlin angesiedelt. Andererseits wird das bereits sehr dicht besetzte Low Cost Segment kaum an einer Konsolidierung vorbei kommen. Also doch vielleicht eine SkyNiki mit einem Headquarter in Berlin?

(Ausgabe 03/2007)