Innerhalb weniger Jahre konnte sich die arabische Golfregion zu einem der bedeutendsten Luftverkehrsdrehkreuze weltweit entwickeln. Eine Vorreiterrolle nimmt dabei die Fluglinie des Emirates Dubai ein. Aber auch Qatar Airways und Etihad verfolgen ehrgeizige Expansionspläne.

Im Gespräch mit dem FLUG MAGAZIN skizziert Emirates Senior Vice President Keith Longstaff die ehrgeizigen Wachstumspläne: „Unser durchschnittliches jährliches Wachstum belief sich in den letzten Jahren auf 27 Prozent. Auf Grund der verzögerten Auslieferung des Airbus A380 wird sich das Wachstum in diesem Jahr auf etwa 20 Prozent verlangsamen.“ In den Expansionsplänen der Fluglinie kommt dem A380 eine zentrale Rolle zu. Immerhin 45 Stück hat die Fluglinie aus Dubai bestellt. Wäre es nach den ursprünglichen Plänen gegangen hätte Emirates zum nunmehrigen Zeitpunkt der Auslieferung des ersten Mega-Airbus im August 2008 bereits 14 dieser Flugzeuge im Einsatz gehabt. Die als Lückenfüller bestellten Boeing 777 können die Kapazitätsengpässe nur zum Teil wettmachen.

EIN DREHKREUZ FÜR DIE GANZE WELT

Denn längst hat sich Dubai zu einem Luftverkehrsdrehkreuz für die ganze Welt entwickelt. Flüge über die Golfregion nach Fernost und Australien erfreuen sich in Europa einer regen Nachfrage. Als Beispiel nennt Longstaff die Flüge nach Australien. Die derzeit angebotenen 49 wöchentlichen Flüge, so der Manager, seien nahezu permanent ausgebucht. Höhere Kapazitäten in Form größerer Flugzeuge werden dringend benötigt. Aber auch die Verhandlungen über zusätzliche Verkehrsrechte konnten erst kürzlich erfolgreich abgeschlossen werden. Demnach wird Emirates bis 2011 ihre Flüge nach Australien bis 2011 auf 84 wöchentliche Rotationen aufstocken. Sydney, Melbourne, Perth und Brisbane werden dann täglich dreimal angesteuert.

Auch Etihad bietet jetzt Flüge über Abu Dhabi nach Australien an. Longstaff geht im Gespräch mit dem FLUG MAGAZIN sogar soweit, Dubai als Luftverkehrszentrum der Welt zu bezeichnen. Ziel von Emirates sei es, die ganze Welt mit nur einem Zwischenstopp in Dubai zu vernetzen. „Die schnellste Verbindung von Perth in die USA führt über Dubai“, führt Longstaff als konkretes Beispiel an. Dazu kommt die hohe Attraktivität Dubais sowohl als Geschäftsreiseziel als auch als touristische Destination. Longstaff sieht für Dubai auch in den nächsten Jahren eine stark steigende Nachfrage. Dem entsprechend werden auch die Hotelkapazitäten weiter ausgebaut. Ebenfalls stark erweitert werden die Flughafenkapazitäten. Obwohl Dubai bereits über einen sehr effizienten Airport verfügt, laufen schon die Projektarbeiten für einen völlig neuen Flughafen.

In nur 40 Kilometer Entfernung entsteht der Dubai World Central International Airport, der den derzeitigen Flughafen nicht ersetzen sondern ergänzen wird. Mit einer Kapazität von 120 Millionen Passagieren und sechs Start- und Landepisten wird dieser Flughafen der größte der Welt sein. Aber auch in Katar und Abu Dhabi laufen bereits ehrgeizige Ausbauvorhaben. Während in Katar ein neuer Flughafen errichtet wird, nutzt Abu Dhabi das Gelände des vorhandenen Airports für ein ambitioniertes Ausbauprojekt. Mit den neuen Flughäfen entstehen gewaltige zusätzliche Abfertigungskapazitäten.

STARKE MITBEWERBER

Mit zunehmender Sorge beobachten europäische Fluglinien die rasche Expansion der Golffluglinien. Da kann es schon vorkommen, dass der Vorwurf eines unfairen Wettbewerbs in den Raum gestellt wird. Immer wieder betonen CEOs wie Tim Clark von Emirates oder Akbar Al Baker von Qatar Airways streng nach kommerziellen Vorgaben zu arbeiten. So hat die erst vor drei Jahren gegründete Fluglinie Etihad Airways die klare Vorgabe, innerhalb von fünf Jahren die Gewinnschwelle erreichen zu müssen. Was den Golffluglinien aber sehr wohl entgegen kommt ist das sehr liberale und steuerfreie Umfeld in ihren Heimatmärkten. Und auch der Vorwurf, dass die Golffluglinien zu viele Kapazitäten in den Markt stellen kann entkräftet werden.

Im Gegenteil: Die Nachfrage steigt schneller als das Angebot, siehe Beispiel Australien. In den nächsten Jahren werden die Airlines ihre Kapazitäten nochmals gewaltig aufstocken. Neben Emirates mit 45 Stück zählen auch Qatar Airways und Etihad zu den Erstkunden für den Airbus A380. Nicht weniger als 60 Prozent aller bestellten Großraumflugzeuge gehen auf das Konto der Golffluglinien. Die etablierten Fluglinien, egal ob in Europa, Asien oder Australien werden sich in der Zukunft wohl einem noch schärferen Wettbewerb stellen müssen.

(Ausgabe 05/2007)