Die diesjährige weltgrößte Luftfahrtmesse in Paris stand ganz im Zeichen eines fulminanten Comebacks des europäischen Flugzeugbauers Airbus. Zahlreiche Aufträge für den Mega-Airbus A350 und den neuen A350 XWB unterstreichen das Vertrauen der Airlines in die Produkte des zuletzt krisengeschüttelten Unternehmens. Aber auch Boeing konnte mit einer Reihe von Aufträgen aufwarten.

Die Luftfahrtmesse vor den Toren Paris gilt traditionell als Heimspiel von Airbus. Mit entsprechender Fanfare verkündete das europäische Unternehmen eine ganze Reihe von Aufträgen für seine Flugzeuge. Trotz der bis zu zweijährigen Lieferverzögerungen beim Flaggschiff A380 bekennen sich mehrere Kunden mit Folgeaufträgen zum größten Passagierflugzeug der Welt. An vorderster Front, wie könnte es anders sein, stockt Emirates seine Mega-Airbus Flotte nochmals um acht Exemplare auf. Die Fluglinie des Emirats Dubai hat damit gleich 55 A380 bestellt. Die Airline baut damit ihre Stellung als wichtigster Kunde für diesen Flugzeugtyp weiter aus. Ihren ersten A380 wird Emirates im 3. Quartal des kommenden Jahres erhalten. Auch Qatar Airways, nur wenige hundert Kilometer von Dubai entfernt, kauft bei Airbus kräftig ein. Drei A380 stehen ebenso auf der Einkaufsliste wie 80 A350 XWB. Die Airline bleibt damit ihrem Haus-und-Hof Lieferanten Airbus treu. Für Airbus ist die Bestellung von gleich achtzig Exemplaren des A350 XWB ein wichtiger Impuls für dieses Entwicklungsprogramm. Vom Erfolg Boeings mit der 787 unter Druck geraten, musste Airbus den ursprünglichen Entwurf für ein neues Langstreckenflugzeug grundlegend überarbeiten.

KAMPF UM MARKTANTEILE

Während Boeing sich bereits über rund 600 Bestellungen für die 787 freuen kann, muss Airbus um jeden Auftrag kämpfen. Bereits 2008 sollen die ersten 787 an Erstkunden wie die japanische ANA ausgeliefert werden. Das Konkurrenzprodukt von Airbus folgt erst 2013. Aufträge für die neue A350 XWB gibt es auch von der amerikanischen Fluglinie US Airways (für 22 Stück). Darüber hinaus ordert die Airline noch 10 Airbus A330 und 60 A320 Mittelstreckenjets. Air France stockt seine A380-Flotte ebenfalls auf. Unterschrieben wurde eine Absichtserklärung, die die Lieferung von zwei weiteren A380 und 18 A320 vorsieht. Air France hat damit 12 A380 fest bestellt. Die französische Fluglinie wird als erste Airline in Europa ihren ersten A380 im Frühjahr 2009 erhalten. Mit Großaufträgen auf sich aufmerksam machte das Leasingunternehmen GECAS. Sieben Boeing 777 Frachter und gleich 60 Airbus A320 wurden bestellt.

Mit Sibir (S7) konnte Airbus einen weiteren wichtigen Durchbruch am russischen Markt erzielen. 25 A320 werden in naher Zukunft die Flotte des, nach eigenen Angaben, größten russischen Inlandscarriers verstärken. Gleichzeitig findet sich Aeroflot in den Auftragsbüchern für den Airbus A350 XWB und die Boeing 787. Boeing selbst übte sich angesichts übervoller Auftragsbücher in Paris in vornehmer Zurückhaltung. Vom Erfolg der 787 überwältigt, wird es zunehmend schwierig die Wünsche der Kunden nach einer frühen Auslieferung des ersten Composite-Flugzeuges der Welt zu erfüllen. Weiterhin gut nachgefragt sind die Triple Seven sowie die bewährte 737. Für die 737 erhielt Boeing in Paris einen Auftrag über 40 Stück von der indonesischen Lion Air. Und auch die Gerüchtebörse boomte in Paris. So gilt es beispielsweise als ausgemacht, dass Air Berlin schon demnächst einen Großauftrag für Langstreckenflugzeuge bei Airbus platzieren wird. Mit jeweils 25 A330 und A350 will die Airline nach der Übernahme der LTU künftig um die Gunst der Langstreckenpassagiere in Deutschland werben.

Nicht weniger als 425 Festbestellungen von 19 Kunden kündigte Airbus in Paris an. Darüber hinaus nahm der europäische Flugzeugbauer verbindliche Kaufzusagen für weitere 303 Flugzeuge entgegen. Ungebrochen stark ist die Nachfrage nach der A320-Familie, die mit 390 Neuaufträgen bestätigt wurde. Aber auch für die A330/A340 Familie konnte Airbus 132 Festbestellungen und Kaufzusagen entgegen nehmen. Mit diesen Aufträgen stahl Airbus Boeing nicht nur in Paris die Show. Die Europäer konnten den Flugzeugbauer aus Seattle auch bei der Anzahl der im ersten Halbjahr georderten Flugzeuge überholen. Gestärkt von diesem Erfolg macht sich Airbus nun daran das ambitionierte Power 8 Sparprogramm umzusetzen. Power 8 bringt die bisher umfassendste Umstrukturierung des Unternehmens. Airbus soll damit in die Lage versetzt werden, an die alten Erfolge der Vergangenheit anknüpfen zu können.

(Christian Pöchhacker 07/2007)