Ein neues Kapitel in der Geschichte der Luftfahrt wurde dieser Tage im südfranzösischen Toulouse eröffnet. Mit der Auslieferung des ersten Mega-Airbus A380 an Singapore Airlines geht das größte Passagierflugzeug der Welt in den Linienbetrieb.

4c Mega Airbius A380 ausgeliefertFür den CEO von Singapore Airlines, Chew Choon Seng ist der neue A380 schlicht eine „Prinzessin der Lüfte“. Und das Warten habe sich ausbezahlt, meinte Chew Choon Seng bei der Übergabe in Toulouse. Endlich konnte auch das viel gehütetes Geheimnis um das neue Kabinenkonzept gelüftet werden. Immerhin ist die Fluglinie des südostasiatischen Stadtstaates dafür bekannt, an Bord ihrer Flugzeuge stets neue Servicestandards zu setzen. Was in den Siebziger Jahren mit Champagner für Alle begann, erreicht mit eindrucksvollen Suiten in der First Class ihren vorläufigen Höhepunkt.

Singapore Airlines hat ihre A380 mit insgesamt 471 Sitzen in drei Klassen ausgestattet. Chew Choon Seng verspricht allen Passagieren eine neue Dimension des Reisens: „An Bord unserer neuen A380 kommen unsere Kunden in der leisesten Kabine am Himmel in den Genuss einer völlig neuen Art des Reisens. Wir bieten unseren Fluggästen in allen Klassen höheren Komfort und mehr Raum. Mit unseren neue Singapore Airlines Suites – einer Klasse oberhalb der First Class – setzen wir einen neuen Maßstab für luxuriöses Reisen.“ Insgesamt 12 Passagiere finden in der am Hauptdeck befindlichen Suites-Klasse Platz. Dahinter befindet sich die Economy-Kabine mit 311 Sitzen am Hauptdeck und 88 Sitzen am hinteren Oberdeck. Maßstäbe setzt auch die Business-Klasse mit ihren 60 Plätzen im vorderen Teil des Oberdecks. Mit den breitesten 1-2-1 Anordnung der Sitze hat damit jeder Business-Class Reisender einen Gangplatz. Legendär sind auch die Entertainment Features an Bord. Mehr als 1.000 Optionen stehen den Passagieren in allen Klassen zur Verfügung. Die Bandbreite reicht von Fernsehen an Bord, über Kinofilme bis hin zu interaktiven Spielen und Lernprogrammen.

NEUE UMWELTSTANDARDS

Der Mega-Airbus setzt aber nicht nur neue Standards in Sachen Reisekomfort. Für die Fluglinien mindestens ebenso wichtig ist die Effizienz eines neuen Flugzeugs. Ausgestattet sind die Flugzeuge von Singapore Airlines mit jeweils vier Triebwerken des europäischen Herstellers Roll Royce. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur hohen Umweltfreundlichkeit des neuen Großraumflugzeugs. So kommt der A380 mit einem beispiellos niedrigen Treibstoffverbrauch von weniger als drei Litern pro Passagier und 100 Kilometern aus. Die Emissionswerte liegen deutlich unter allen heutigen und zukünftigen Grenzwerten. In Summe bietet der A380 20 Prozent niedrigere Sitzmeilenkosten als der bisher größte Passagierjet – und eine Reichweite von mehr als 15.000 Kilometern. Seit dem 25. Oktober wird der erste A380 mit Singapore – Sydney auf einer der Rennstrecken der Airline eingesetzt. Bis zum Frühjahr nächsten Jahres wird Singapore Airlines weitere drei A380 erhalten. Unter anderem wird die Airline das neue Flugzeug dann auf der Strecke London – Singapore zum Einsatz bringen. Damit kann den Passagieren der sogenannten Känguru-Route von London über Singapur nach Australien eine durchgehende Verbindung mit dem neuen Mega-Airbus angeboten werden. Insgesamt hat Singapore Airlines 19 A380 fest bestellt. Für weitere sechs Flugzeuge wurden Optionen erteilt. Größter Kunde für den A380 ist jedoch die Fluglinie des Golfemirates Dubai. Insgesamt 55 A380 hat die Airline bestellt. Ihren ersten Mega Airbus wird die Fluglinie im Sommer 2008 erhalten.

ÖSTERREICHISCHE TECHNIK AN BORD

Mit an Bord des doppelstöckigen Großraumflugzeuges sind verschiedene Komponenten und Systeme an Rumpf, Flügeln, Triebwerken und der Passagierkabine, die die FACC AG in Zusammenarbeit mit verschiedenen EADS-Partnerfirmen entwickelt hat und nun in fortschrittlicher Verbundfasertechnologie in Serie fertigt. Das „Flaggschiff des 21. Jahrhundert“ ist für den führenden österreichischen Luftfahrtzulieferbetrieb FACC von großer Bedeutung. Das Unternehmen hat sich erfolgreich bei EADS als Entwicklungspartner und sogenannter Tier-1 Lieferant etabliert und ist seit der Konzeptphase an dem neuen Airbus-Programm beteiligt. Die FACC arbeitet am A 380 Flugzeugprogramm an 10 Detailprojekten. Für einen einzigen A380 liefert das österreichische Unternehmen leichte und hochfeste Faserverbundkomponenten und –systeme im Wert von rund 1,5 Mio. US Dollar. Die Fertigungsrate wird bis zum 1. Quartal 2007 auf zwei Flugzeugausstattungen pro Monat hochgefahren. Die monatliche Fertigungsrate kann je nach Kundenwunsch und Verkaufserfolg bis zum Jahr 2010 auf vier Flugzeugausstattungen erhöht werden. Das Programm A 380 wird in den nächsten 20 Jahren durchschnittlich 200 Mitarbeiter bei FACC beschäftigen.

Christian Pöchhacker (10/2007)