Nicht zuletzt wegen der stark gestiegenen Treibstoffpreise feiern die Turboprop-Flugzeuge ein fulminantes Comeback. Dank modernster Technologien sind diese Flugzeuge im Kurzstreckenbereich wesentlich kostengünstiger als Jets. Wie sich das FLUG MAGAZIN in Innsbruck überzeugen konnte, verfügen Tyrolean Airways über eine langjährige Erfahrung im Betrieb von Turboprops.

Comeback der TurbopropsDie Erfahrung mit den Dash-Flugzeugen des kanadischen Herstellers Bombardier reichen bis in das Jahr 1980 zurück. Es war eine viermotorige Dash-7 mit der die Geburtsstunde von Tyrolean Airways eingeleitet wurde. Und es waren auch in den Folgejahren Turbopropmaschinen von Bombardier, die das Fundament für das rasante Wachstum zu einer der bedeutendsten Regionalfluglinien Europas bildeten. Heute betreibt die, unter dem Markennamen Austrian Arrows operierende Fluglinie, neben zwölf 50sitzigen Dash-8/300 auch zehn Flugzeuge der schnellen 400er Reihe. Im Jahr 2000 wurde die erste sogenannte Q400, die Platz für 72 Passagiere bietet, an Tyrolean ausgeliefert. Wie Manfred Helldoppler, Geschäftsführer der Airline betont, hat Tyrolean seither mit der Q400-Flotte 119.500 Starts und Landungen problemlos durchgeführt. Fahrwerksprobleme, die bei der skandinavischen Fluglinie SAS zur Außerdienststellung der gesamten Q400-Flotte führten sind bei Tyrolean unbekannt. Auch bei anderen Fluggesellschaften kann sich die Leistung der Q400 sehen lassen. Wie Bombardier mitteilt, haben die derzeit rund 170 weltweit im Einsatz befindlichen Q400 seit ihrer Markteinführung im Jahr 2000 rund eine Million Flugstunden absolviert. Die Zuverlässigkeitsrate liegt bei 99,6 Prozent. Die hohe Kompetenz von Tyrolean Airways als einer der wichtigsten Kunden von Bombardier ist längst auch international gefragt. So hat Luxair, die die erste Q400 erst kürzlich in ihre Flotte einführte, ihre Techniker in Innsbruck ausbilden lassen. Vorurteile, nachdem Turboprop-Flugzeuge mit ihrem Propellerantrieb ein Relikt der Vergangenheit seien, erteilt Helldoppler eine klare Absage. Sowohl Jet- als auch Turbopropflugzeuge nutzen die gleiche Turbinentechnologie. Während aber beim Turboprop die Turbine einen Propeller antreibt, sind es beim Strahltriebwerk eines Jets die Turbinenschaufeln. Durch die unterschiedlichen Antriebskonzepte sind auch moderne Turboprop-Flugzeuge wie die Q400 etwas langsamer als Jets. So erreicht die Q400 eine Spitzengeschwindigkeit von 667 km/h. Auf der Verbindung Wien - Innsbruck, eine klassische Rennstrecke der Q400, ist der Turboprop aber nur wenige Minuten langsamer als beispielsweise eine Fokker 70.

Wirtschaftlicher und Umweltfreundlicher

In Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit der Turboprops spricht Geschäftsführer Helldoppler von „grünen Flugzeugen“. So verbraucht eine vollbesetzt Q400 auf der Strecke Wien – Innsbruck mit etwa drei Litern pro Passagier nur die Hälfte des Treibstoffs als ein vergleichbarer Jet mit Strahltriebwerk. Damit werden auch die CO²-Emissionen um die Hälfte reduziert. Besonders auf kürzeren Strecken von rund einer Stunde Flugzeit bieten die Tubroprops große Vorteile. Nicht zuletzt dank dieser Vorteile können auch Strecken mit relativ geringem Passagieraufkommen wirtschaftlich bedient werden. Darüber hinaus verfügen die Flugzeuge dank modernster technischer Ausrüstung über ein vielfältiges Einsatzspektrum. So hat Tyrolean alle Q400 mit einem sogenannten HGS (Head-up Guidance System) ausgerüstet, das auch bei schlechter Sicht sichere Starts- und Landungen ermöglicht. Besonders auf Flughäfen in Osteuropa, aber auch Innsbruck, habe sich dieses System bewährt, hebt Helldoppler hervor. Eine weitere Besonderheit der Dash-8 Typenreihe ist die Fähigkeit, auch von kurzen Pisten aus sicher starten und landen zu können. In Bozen ist die Landebahn beispielsweise nur 1.400 Meter lang. Weiters haben die Turboprops den Vorteil, dass sie auch bei erhöhtem Rückwind von bis zu 20 Knoten operieren können. Die meisten Strahltriebwerk-Jets sind bei Start und Landung auf 10 Knoten Rückenwind limitiert. Besonders wichtig ist diese Fähigkeit für die Flughäfen Innsbruck, Salzburg, Altenrhein und Bozen, wo bei schlechtem Wetter nur in einer Richtung gelandet oder gestartet werden kann. In engen Gebirgstälern, und dazu zählt auch das Inntal, kommt ein weiterer Vorteil zum tragen. Nach die Q400 über zwei Triebwerke mit je sechs Propellerblätter verfügt, deren Neigungswinkel verstellbar ist, können durch die Variation der Schubkraft sehr steile Steigflüge geflogen werden. Die Passagiere an Bord profitieren von einem großzügigeren Sitzabstand von 32 Inch (81,2 Zentimetern) und einem Lärm- und Vibrationsunterdrückungssystem, das die Kabine sehr leise macht. Tyrolean hat seine Wartungsbasis in Innsbruck zu einem Kompetenzzentrum für Turboprop-Flugzeuge ausgebaut. Die ebenfalls von Tyrolean betriebenen Jets der Typen CRJ und Fokker werden bei Austrian in Wien gewartet. Insgesamt betreibt Tyrolean unter dem Markennamen Austrian Arrows 58 Flugzeuge und hebt mit 113.000 Flügen pro Jahr mehr als doppelt so oft ab wie die Muttergesellschaft. Gerade im Aufbau neuer Strecken sind Regionalflugzeuge ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Airline.

Christian Pöchhacker (12/2007)