Schlagzeilen über die Umweltschädlichkeit des Flugverkehrs gehören zur Tagesordnung. Erfolg macht neidisch – der einzige Verkehrsträger der seine Wegekosten zur Gänze selbst trägt ist in das Fadenkreuz der Umweltlobbyisten geraten. Völlig zu Unrecht, wie eine kritische Betrachtung der Fakten zeigt.

Der Flugverkehr ist eine Wachstumsbranche und damit unverzichtbar für die globale Wirtschaft. Nicht nur in Österreich hat die Luftverkehrswirtschaft in den letzten Jahren zahlreiche neue und sichere Jobs geschaffen. Einer Studie der Organisation ATAG (Air Transport Action Group) zufolge, schafft dieser Wirtschaftszweig jährlich 29 Millionen neue Jobs. Der Beitrag zur jährlichen Wertschöpfung liegt weltweit bei acht Prozent, oder in Zahlen umgerechnet bei drei Milliarden US Dollar.

Die Geschichte der Luftfahrt ist seit ihren Anfängen von Pionierleistungen geprägt. Leistungen, die sich nicht nur auf den technischen Fortschritt beschränken, sondern auch zur laufenden Reduzierung der Umweltbelastung durch den Luftverkehr beitragen. Ein Beispiel ist der Treibstoffverbrauch. Innerhalb der letzten 40 Jahre konnte der durchschnittliche Verbrauch um 70 Prozent, in den letzten 10 Jahren um 20 Prozent reduziert werden. Das Drei-Liter Flugzeug rückt in greifbare Nähe. So verbraucht ein Q400 Turboprop, wie ihn Austrian Arrows einsetzen, nur 3,52 Liter Treibstoff auf einem typischen, 650 Kilometer langen Flug. Dabei sind die Flugzeuge in den letzten Jahren auch viel leiser geworden. Allein in den letzten Jahren dank moderner Triebwerkstechnologie um 50 Prozent.

CO2 in aller Munde

Spätestens seit den vielfach kontrovers geführten Diskussionen rund um die globale Erderwärmung sind die durch den Menschen verursachten CO2-Emissionen in aller Munde. Ein Bereich, in dem der Luftverkehr den „Schwarzen Peter“ gezogen zu haben scheint. Und das obwohl der Luftverkehr nur für zwei Prozent (!) der weltweiten Emissionen dieses Treibhausgases verantwortlich zeichnet. In Europa reduziert sich dieser Wert gar nur auf 1,5 Prozent. Der Anteil europäischer Fluglinien am weltweiten CO2 Ausstoß liegt gar nur bei 0,5 Prozent. Umweltlobbyisten argumentieren mit dem rasanten Wachstum der weltweiten Luftfahrt. Prognosen zufolge sollte sich allein der europäische Luftverkehr in den nächsten 15 Jahren verdoppeln. Mit einer Vervielfachung bis zum Jahr 2050 kann gerechnet werden. Trotzdem wird der weltweite Luftverkehr dann auch nicht mehr als drei Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen beitragen.

Ein Schlüssel dafür sind neue Technologien, an denen Flugzeug- und Triebwerkshersteller bereits intensiv arbeiten (siehe FLUG MAGAZIN 11/2007). Experten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 die Effizienz nochmals um 25 Prozent gesteigert werden kann. Die Luftverkehrswirtschaft steht dabei zu ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt, wehrt sich aber gegen ungerechtfertigte Angriffe. Vielfach wird vergessen auch andere Emittenten in die Diskussion mit einzubeziehen. Ein Beispiel hierfür ist die Schifffahrt. Während die Luftfahrt jährlich 0,6 Milliarden Tonnen an Kohlenstoffdioxid emittiert, produziert die Schifffahrt pro Jahr 1,5 Milliarden Tonnen des schädlichen Treibhausgases. Durch die Abholzung von Wäldern wiederum entstehen 2 Milliarden Tonnen CO2. Die Abholzung von Wäldern verursacht innerhalb von nur 24 Stunden soviel CO2 wie acht Millionen Passagiere auf einem Langstreckenflug von London nach New York. Aber auch die angeblich so umweltfreundlichen Eisenbahnen sind in diese Berechnung mit einzubeziehen. Nicht nur, dass auch Eisenbahnen Energie verbrauchen und damit Treibhausgase emittieren, wird dieser Verkehrszweig besonders in Europa aus Steuergeldern mitfinanziert. So wird jede Bahnreise in Europa mit bis zu 7,40 Euro aus Steuertöpfen subventioniert. Die Luftfahrt hingegen bezahlt ihre gesamten Wege- und Infrastrukturkosten selbst. Allein die Infrastrukturkosten summieren sich pro Jahr auf über 40 Milliarden US Dollar.

Während die Luftfahrt sich ihrer Verantwortung bewusst ist und mit Hochdruck an neuen Technologien zur weiteren Verminderung schädlicher Gase arbeitet, kann jeder einzelne Haushalt mit simplen Maßnahmen oft mehr dazu beitragen als bei einer durchschnittlichen europäischen Flugreise an Treibhausgasen emittiert werden. So verursacht ein Hin- und Retourflug von London nach Barcelona pro Passagier 260 Kilogramm CO2. Allein der Austausch von 10 normalen Glühbirnen gegen 10 Energiesparlampen würde zu einer Einsparung von 400 Kilogramm Kohlenstoffdioxid führen.

Christian Pöchhacker (12/2007)