Untrennbar verbunden mit der österreichischen Luftfahrtgeschichte sind Austrian Airlines. Man schrieb den 31. März 1958 als das erste Flugzeug mit der markanten rot-weiß-roten Heckflosse von Wien nach London abhob. Heute ist London nur eine von 130 Destinationen im Streckennetz der Austrian Airlines Gruppe.

Austrian Airlines - 50 Jahre österreichische LuftfahrtgeschichteDer eigentliche Ursprung der Airline geht auf den September 1957 zurück. In diesem Monat wurden Austrian Airlines mit einem Grundkapital von 60 Millionen Schilling als Zusammenschluss von Austrian Airways und Air Austria aus der Taufe gehoben. Gestartet wurde mit vier angemieteten Turbopropflugzeugen des Typs Vickers Viscount 779. Noch im Laufe des Jahres 1958 wurde nach London noch Frankfurt, Zürich, Stuttgart, Paris, Rom und Warschau als weitere Destinationen in den Flugplan aufgenommen. Auch in den folgenden Jahren ging die noch junge Fluglinie daran, ihr Streckennetz weiter auszubauen. So wurde beispielsweise bereits 1959 Kairo angeflogen, ein Jahr später sollte bereits Beirut folgen.

Start in das Jetzeitalter

Mit der französischen Caravelle beginnt für die AUA im Februar 1963 die Ära der Jets. Geprägt ist das erste Jahrzehnt nicht nur von neuen Flugzeugen sondern auch von mehreren Rochaden im Top Management. Erst mit der Bestellung des Vorstandduos Heschgl/Papousek kehrt 1969 vorläufig Ruhe in der Vorstandsetage ein. In diesem Jahr wagt die AUA erstmals den Sprung über den Großen Teich nach Nordamerika. In Zusammenarbeit mit der belgischen Sabena wird New York über Brüssel mit einer gecharterten Boeing 707 angeflogen. Doch nur zwei Jahre später wird diese Flugverbindung wieder eingestellt. 1971 ist auch das Jahr, in dem die rot-weiß-rote Fluglinie erstmals einen Gewinn einfliegt. Erst 1989 wagt die AUA den Wiedereinstieg in das Langstreckengeschäft. Diesmal mit eigenen A310 Jets von Airbus. New York, Tokio und Johannesburg sind die ersten Destinationen, die mit dem neuen Flaggschiff der Airline angeflogen werden. Abgelöst wird der A310 durch die moderneren Airbus-Typen A330 und A340. Mittlerweilen haben auch diese Flugzeuge die Flotte verlassen. Die Typenvielfalt der Langstreckenflotte wurde mit der Konzentration auf die Boeing 767 und 777 reduziert.

Pioniere im Osten

Schon seit jeher war die AUA federführend im Aufbau neuer Flugverbindungen in den Osten des Kontinents . Bereits 1958 wurde Warschau angeflogen, nur ein Jahr später folgten Moskau, Belgrad, Bukarest und Sofia. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Streckennetz immer weiter ausgeweitet. Wien wurde zur West-Osteuropadrehscheibe des europäischen Luftverkehrs. Im Aufbau dieser Märkte zeigte die AUA Fingerspitzengefühl wie kaum eine andere westeuropäische Fluglinie. Exakte Marktanalysen und das richtige Fluggerät sind nur zwei Säulen der erfolgreichen Focus East Strategie. So werden die sekundären Destinationen häufig von den kleineren Flugzeugen der Regionalflugtochter Tyrolean Airways angeflogen. Heute befinden sich allein in Russland fünf Destinationen im Flugplan. Mit Sochi und Nizhniy Novgorod ergänzen im April zwei weitere Destinationen das Angebot in diesem wirtschaftlich aufstrebenden Land. Insgesamt fliegt die AUA heute zu 48 Destinationen in den Ländern Zentral- und Osteuropas. Länder wie Rumänien und die Ukraine sind bereits flächendeckend erschlossen.

Partnerschaften und Allianzen

Weitblick beweist die AUA-Führung unter Vorstandssprecher Anton Heschgl im Jahr 1992. Lange vor den Allianzen der heutigen Tage wurden unter dem Projektnamen „Alcazar“ heimliche Gespräche mit KLM, Swissair und SAS zur Formierung einer europäischen Airlineallianz geführt. Doch die Zeit war nicht reif für diese Zukunftsvision. Die Verunsicherung führt 1993 sogar zu einem Streik des fliegenden Personals. Eine erste Bewährungsprobe für das neue Vorstandsduo Bammer/Rehulka. Doch die Entwicklung ist nicht länger aufzuhalten. 1997 gründen AUA, Delta Air Lines, Swissair und Sabena die Atlantic Excellence. Einen Allianz, die sich auf die Zusammenarbeit auf den Nordatlantikrouten beschränkt. 1998 wird die heimische Airline Mitglied der Qualiflyer-Allianz. Unzufrieden mit der Entwicklung beginnen die AUA Strategen schon bald ihre Fühler nach neuen Möglichkeiten auszustrecken. Nach zahlreichen Evaluierungen landen die Österreicher schließlich im Frühjahr 2000 im Schoß der Star Alliance. Der weltweit größte Airlineverbund gruppiert sich um starke Partner wie die Lufthansa, United und SingaporeAirlines. Doch nicht nur auf internationaler Ebene werden Allianzen geschmiedet. Auch im kleinen Österreich konsolidiert sich die Luftfahrt. So übernimmt die AUA in den neunziger Jahren Schritt für Schritt Tyrolean Airways. Später ist die kleine aber feine Rheintalflug an der Reihe. Wesentlicher schwieriger gestaltet sich hingegen die Übernahme der Lauda Air.

Turbulente Zeiten

Wie kein Jahr zuvor, war 2001 von wichtigen Weichenstellungen geprägt. Die seit Jahren schwelenden Auseinandersetzungen zwischen AUA und Lauda Air gipfelten in einer Schlammschlacht zwischen den jeweiligen Vorständen, das ganze garniert von Zwischenrufen aus verschiedenen politischen Lagern. Gerade noch rechtzeitig vor einer wirtschaftlichen Bauchlandung verließ Niki Lauda das Cockpit seiner Fluglinie. Es sollte aber auch dem AUA-Vorstandsduo Bammer/Rehulka nicht vergönnt sein, bis zum Ende ihrer Verträge die Geschicke der Airline weiter zu bestimmen. Und so kommt es, dass der ex-SAS Manager Vagn Sörensen nur wenige Tage vor 9/11 das wirtschaftliche Steuer der AUA übernimmt. Die Lauda Air wird endgültig von der AUA übernommen. Heute zeichnet die Tochter für das Charter- und Ferienflugsegment verantwortlich. Die ebenfalls übernommenen Langstreckenflugzeuge sind längst in den Farben der AUA unterwegs und bilden das Rückgrat der Langstreckenflotte. Auch Vagn Sörensen, der das Unternehmen durch einige der turbulentesten Jahre der Weltluftfahrt steuert, geht vorzeitig von Bord. Sein Platz geht 2006 an den ehemaligen Siemens Manager Mag. Alfred Ötsch. Doch das seinerzeitige Vorstandstrio Ötsch/Burger/Kleibl ist heute bereits wieder Geschichte. Das neue Dreierteam des Jubiläumsjahres 2008 heißt Ötsch/Malanik/Bierwirth. Vorstandsvorsitzender Alfred Ötsch hat dem Unternehmen einen Sanierungskurs verordnet, der unter anderem eine Konzentration auf die wirtschaftlichen Kernbereiche vorsieht. Die Erfolge sind im Jubiläumsjahr bereits erkennbar. 2008 sollte die Airline die nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone schaffen. Die Passagiere wissen jedenfalls die hohe AUA-Qualität zu schätzen. Trotz einer Redimensionierung des Langstreckenverkehrs konnte die Airline 2007 10,8 Millionen Fluggäste befördern. 1958 waren es gerade einmal 25.000 gewesen.

Christian Pöchhacker (02/2008)