Der Zusammenschluss von Delta und Northwest Airlines zur weltgrößten Fluglinie leitet eine weitere Konsolidierungsrunde in den Vereinigten Staaten ein. Der größte Luftverkehrsmarkt der Welt wird bereits heute von nur wenigen Fluggesellschaften dominiert. Auf der einen Seite finden die großen Netzwerkcarrier zu immer größeren Einheiten zusammen, während etablierte Low Cost Fluglinien wie Southwest und JetBlue zunehmend den inneramerikanischen Flugverkehr dominieren. Für kleine Nischencarrier bleibt kaum mehr Platz.

 

Elefantenhochzeit in den Vereinigten StaatenDie Terroranschläge von New York trafen die amerikanischen Netzwerkcarrier besonders hart. Große Fluglinien wie Delta oder United flogen ungebremst in ein Insolvenzverfahren. 35 Milliarden Dollar Verluste mussten in den folgenden Jahren verkraftet werden, rund 150.000 Mitarbeiter verloren ihren Job. Heute hat zeigt sich die Branche nach Jahren harter Einschnitte wieder erholt. Doch die ständig steigenden Treibstoffkosten und die Konkurrenz durch die Billigfluglinien verlangen nach neuen Einsparungen. Neben den aufstrebenden Low Cost Carriern dominieren die sogenannten „Big Five“ den amerikanischen Markt. Dazu zählen American Airlines, United Airlines, Delta, Northwest und Continental. American, Delta und United sind jeweils Partner einer großen Airlineallianz. Mit der Fusion von Delta und Northwest setzt sich jetzt ein lange erwartetes Konsolidierungskarussell in Gang. Mit 1.100 Flugzeugen, die 390 Flughäfen in 67 Ländern anfliegen entsteht die größte Fluglinie der Welt. Die bisherige Nummer drei Delta und Nummer fünf Northwest kommen auf einen gemeinsamen Umsatz von mehr als 30 Milliarden US Dollar. Die beiden Fluglinien sprechen von einem Einsparungspotenzial von einer Milliarde Dollar pro Jahr. Gespart werden wird wohl in erster Linie beim Personal.

Die beiden Fluglinien beschäftigen derzeit rund 75.000 Mitarbeiter. Darüber hinaus werden der Zusammenlegung der Flugpläne auch bisher parallel angebotene Strecken zum Opfer fallen. Es ist primär der internationale Verkehr der beiden Fluglinien, der sich auf geradezu ideale Weise ergänzt. Während Delta in den vergangenen Jahren in erster Linie ihre Verbindungen über den Nordatlantik nach Europa stark ausgebaut hat, ist Northwest traditionellerweise auf den Pazifikstrecken sehr stark unterwegs. Nach den Turbulenzen von 9/11 haben sich die amerikanischen Netzwerkcarrier primär auf den Ausbau ihrer Langstrecken konzentriert. So hat Delta beispielsweise im Vorjahr wieder Wien neu in den Flugplan aufgenommen. In ihrem Heimatmarkt sehen sich die großen Carrier hingegen dem Kostendruck der Low Cost Fluglinien ausgesetzt und haben ihre Marktpräsenz reduziert. Es wird daher erwartet, dass auch die noch übrigen großen Fluglinien auf Brautschau gehen. So wird bereits von einer Fusion von United und Continental gesprochen. Mit an Bord gehen könnte bei dieser Konstellation auch US Airways, die bereits vor wenigen Jahren heftig um die Gunst von Star Alliance-Mitglied United geworben hat. Als groß genug um langfristig alleine überleben zu können gilt American Airlines, die bisherige Nummer eins der Welt. Gefragt werden natürlich auch die Kartellrichter sein. Sie werden das letzte Wort im Hochzeitsreigen unter den US Fluglinien zu sagen haben.

Abwarten in Europa

Während in den Vereinigten Staaten neben den Low Cost Carriern bald wohl nur noch zwei bis drei große Netzwerkcarrier den Markt beherrschen werden, bleibt der Luftverkehrsmarkt in Europa weiter fragmentiert. Die Zukunft einer Alitalia bleibt vorerst weiter ungewiss, wie auch das weitere Schicksal der spanischen Iberia. Ähnlich wie in den USA geht auch in Europa der Trend zu immer größeren Einheiten. Allgemein wird erwartet, dass drei große Fluglinien in Zukunft den europäischen Markt dominieren werden. Dazu zählt neben der Lufthansa noch British Airways und Air France-KLM. Für andere Fluglinien, wie der heimischen AUA, gilt es entweder sich auch lukrative Nischen zu konzentrieren oder sich, wie das durchaus erfolgreiche Beispiel der Swiss zeigt, sich die Obhut eines weißen Ritters zu begeben.

Ein gehöriges Wort dabei mitzureden haben naturgemäß die Eigentümer. Und das ist in zahlreichen Fällen in Europa noch immer der Staat. So hat beispielsweise erst kürzlich der österreichische Vizekanzler Wilhelm Molterer im Rahmen der Feierlichkeiten zum fünfzigjährigen Jubiläum erklärt, die Unabhängigkeit der AUA aktiv unterstützen zu wollen. Und kaum wieder an der Macht, spricht sich der italienische Neo-Premier Silvio Berlusconi für eine italienische Lösung in Sachen Alitalia aus. Bis vor wenigen Wochen galt eine Übernahme des seit Jahren angeschlagenen Flag Carriers durch Air France-KLM als wahrscheinlichste Lösung. Aber auch die Zukunft der spanischen Iberia bleibt weiter unentschieden. Es wird aber erwartet, dass die Airline möglicherweise bei British Airways andocken wird. Die großen drei der europäischen Luftverkehrsbranche verfügen über genügend Geld um sich ihre Wunschpartner einverleiben zu können. Was bisher fehlt ist der Mut der bisherigen Eigentümer, ihren Nationalstolz in andere Hände zu geben.

Christian Pöchhacker (04/2008)