Nach mehreren Boomjahren konsolidieren die großen Golffluglinien in diesem Jahr ihr Geschäft in Europa. Die drei großen Wachstumstreiber des Arabischen Golfes setzen in Europa stattdessen auf eine Aufstockung ihrer Flüge zu bestehenden Destinationen.

Golffluglinien Konsolidierung in EuropaBesonders Emirates sieht sich zur Zeit mit einem Kapazitätsproblem konfrontiert, wie der marktverantwortliche Keith Longstaff in einem Gespräch mit dem FLUG MAGAZIN betont. Die Fluglinie hat zwar zahlreiche neue Flugzeuge in Auftrag gegeben. Doch die verzögerte Auslieferung des Mega-Airbus A380 bindet die vorhandenen Kapazitäten noch anderwertig. Ein Beispiel dafür ist die Destination Wien. Der derzeit eingesetzte Airbus A330-200 ist mit seinen insgesamt 278 Plätzen längst zu klein geworden. Besonders im Premium Segment erweist sich das tägliche Angebot mit 27 Sitzen in der Business-Klasse als zu limitiert, konkretisiert Österreich-Manager Martin Gross. Darüber hinaus ergeben sich auch schon fallweise Probleme im Gruppenreisesegment. Dieses Problem hat aber nicht nur die Destination Wien in Europa.

Auch andere Flugziele rufen händeringend nach größerem Fluggerät. Dem entsprechend ist ein regelrechtes Wettrennen um größere Flugzeuge entbrannt, betont Longstaff. Ein Rennen, dass Wien für sich entscheiden konnte. Schon ab dem 1. Oktober wird die Airline eine Boeing 777-200 zwischen Wien und Dubai einsetzen. Der große Schritt nach vorne wird aber mit einer neuen Boeing 777-300 gemacht. Die größte Version der Triple Seven wird ab dem 1. Dezember täglich Wien ansteuern. Dieses Flugzeug wird acht Suiten in den First Class, Platz für 42 Reisende in der Business-Klasse und 304 Passagieren in der Economy-Klasse bieten. Die Boeing 777-300 ist das zur Zeit modernste Flugzeug in der Flotte von Emirates. Mittelfristiges Ziel für Wien bleibt aber ein zweiter täglicher Flug.

Jahr der Konsolidierung

Vergleichsweise wenig Neuigkeiten hatten die Golffluglinien dieses Jahr auf der weltgrößten Tourismusfachmesse ITB zu vermelden. Emirates wird ab dem Spätsommer ihre ersten A380 auf Flügen nach New York und London einsetzen. Ab Februar nächsten Jahres folgen Sydney und Auckland. Kapstadt ist eine der wenigen neuen Destinationen in diesem Jahr. Aber nicht nur fehlende Kapazitäten sind ein Hindernis für weiteres Wachstum. Schon seit längerem peilt die Airline mit neuen Flügen nach Stuttgart und Berlin die flächendeckende Erschließung Deutschlands an. Doch wollen die Deutschen Behörden dem Drängen der ambitionierten Fluglinie nicht so recht nachgeben. Für Berlin sehe man überhaupt erst Möglichkeiten nach der Fertigstellung des neuen Großflughafens, ließ man ausrichten. Und der wird frühestens in fünf Jahren seinen Betrieb aufnehmen. Gerüchten zufolge soll auch schon mal eine Lufthansa ihre Bedenken angemeldet haben. Immerhin haben es die Golfairlines verstanden, die Verkehrsflüsse zwischen Europa und Asien zunehmend über ihre Hubs zu steuern.

Die europäischen Mitbewerber werden sich warm anziehen müssen. So wird alleine Emirates ihre Flotte innerhalb von nur zwei Jahren von derzeit 115 auf 150 Flugzeuge aufstocken. Qatar Airways will die Flotte bis 2013 nahezu verdoppeln. Auch diese Fluglinie konzentriert sich im laufenden Jahr auf eine Konsolidierung ihres Streckennetzes. Flüge zu bestehenden Destinationen werden aufgestockt. Neue Destinationen sind Guangzhou und Houston. Nach Jahren eines rasanten Aufbaus des Streckennetzes gibt man sich auch bei Etihad bescheiden. Neben zwei A340 Langstreckenjets wird die Airline in diesem Jahr vier A320 zur Stärkung des regionalen Netzwerkes erhalten. In diesem Jahr ist bisher nur Peking als neue Destination aufgenommen werden. Zum Jahreswechsel wird dann Moskau als erste Destination im Osten des Kontinents angeflogen.

Nach einem Konsolidierungsjahr wollen die Airlines aber wieder durchstarten. So spricht Emirates Manager Longstaff bereits von Warschau, Prag, Kopenhagen, Mardrid, Amsterdam und Genf als mögliche neue Destinationen in Europa.

Christian Pöchhacker (04/2008)