Nicht nur die heimische AUA leidet unter den hohen Kerosinkosten. Die ständig steigenden Preise für Flugbenzin belasten auch die Bilanzen der Billigfluglinien. Selbst erfolgsverwöhnte Fluglinien wie Ryanair und Southwest bekommen die Auswirkungen zu spüren.

Billigfluglinien in der KriseAngesichts der stetig steigenden Kosten hat Ryanair bereits angekündigt, über den kommenden Winter 20 Flugzeuge außer Betrieb zu nehmen. Ryanair sieht sich im laufenden Geschäftsjahr mit einem drohenden Gewinneinbruch von bis zu 50 Prozent konfrontiert. Darüber hinaus dreht die Fluglinie weiter an der Gebührenschraube und erhöht die Kosten für aufgegebenes Gepäck und den Check-in am Flughafen. So sind für einen Koffer bereits zehn Euro zu bezahlen. Checkt man erst am Flughafen ein, wird eine Gebühr von fünf Euro fällig. Und neuerdings lässt sich die Airline auch das Priority Boarding bezahlen. Andererseits werden Treibstoffzuschläge, bestätigt die Airline, weiterhin nicht zum Businessmodell einer Ryanair gehören.

Was angesichts der hohen Gebühren für alle erdenklichen Zusatzleistungen auch nicht weiter verwundert. Trotz all dieser Maßnahmen sehen die Billigfluglinien für die nächsten Jahre ein gebremstes Wachstum. Ein Umstand, der sich auch in verschobenen Flugzeugauslieferungen widerspiegelt. So werden erfolgreiche amerikanische Low Cost Fluglinien wie Jet Blue oder Southwest nächstes Jahr weniger Flugzeuge in Betrieb nehmen als noch vor kurzem angekündigt. Southwest verschiebt beispielsweise die Auslieferung von 14 neuen Boeing 737-700 von 2009 auf 2015 und halbiert damit die für nächstes Jahr geplanten Indienststellungen. Mit dunklen Prognosen kann auch der CEO von Easy Jet aufwarten. Er erwartet durch die stark gestiegenen Kerosinkosten eine Insolvenzwelle auf die Branche zukommen. Easy Jet sieht er freilich nicht gefährdet. Und so beginnt sich das Konsolidierungskarussell bereits munter zu drehen. In Spanien hat die bisher mäßig erfolgreiche Billigfluglinie Vueling Airlines schon Fusionsgespräch mit Click Air aufgenommen.

Quo Vadis Sky Europe

Zunehmend schwierig wird die Situation auch für Sky Europe. Nachdem die Airline bisher keine Gewinne geschrieben hat, ist sie in der laufenden Sommerflugplanperiode gewissermaßen zum Erfolg verdammt. Schafft die Fluglinie es nicht, einen ausreichenden Cash Flow zu erwirtschaften, wird die nachfrageschwächere Winterperiode zu einer Zitterpartie. Und ob Hauptinvestor York angesichts der schwelenden Kreditmarktkrise bereit ist, neuerlich frisches Kapital nachzuschießen bleibt abzuwarten. In der Zwischenzeit liefert sich die Airline auf ihrer nunmehrigen Hauptbasis Wien einen erbitterten Preiskampf mit der alteingesessenen AUA, die ihrerseits mit einem unerwartet hohen Quartalsverlust zu kämpfen hat. Immerhin konnte Sky Europe im vergangenen Jahr in Wien bereits 633.000 Passagiere für sich gewinnen. Und das obwohl die Airline erst mit Ende März 2007 ihre ersten Flugzeuge in Wien stationiert hat.

Zudem hat Sky Europe nicht nur neue Marktnischen für sich erschlossen, sondern ist auf nicht wenigen Strecken in direkter Konfrontation zur AUA unterwegs. Beispiele hierfür sind Business-Destinationen wie Sofia und Bukarest. Ein blaues Auge hat sich der umtriebige Low Cost Carrier aber bereits im Infight mit der AUA geholt. Auf der innerösterreichischen Rennstrecke zwischen Wien und Innsbruck hat Sky Europe das Handtuch geworfen. Was allerdings zeigt, dass auch ein Low Cost Carrier seine Zahlen laufend überprüft und bei fehlender Perspektive sehr rasch Strecken einstellen kann. Ob Sky Europe im Falle eines anhaltenden Kerosinpreishochs über genügend Liquidität verfügt, bleibt abzuwarten. Etwas worüber sich AUA keine Gedanken zu machen braucht.

Christian Pöchhacker (05/2008)