Auf Einladung des Verkehrsministeriums diskutierten kürzlich Vertreter von Unternehmen und Behörden über die künftigen Herausforderungen der Wachstumsbranche Luftfahrt. Als für die Luftfahrt zuständiges Regierungsmitglied betonte Staatssekretärin Christa Kranzl die große Bedeutung der Luftfahrt nicht für Österreich, sondern für die gesamte Europäische Union. Gleichzeitig markierte die Konferenz den Kick-off für den Nationalen Aktionsplans Luft 2020.

Internationale Luftfahrtkonferenz Luftfahrt übernimmt VerantwortungUm weiterhin wachsen zu können, darin waren sich alle Konferenzteilnehmer einig, bedarf es verstärkter Anstrengungen um Treibstoffverbrauch und Emissionen zu reduzieren. Aktuell zeichnet die Luftfahrt weltweit für zwei Prozent der Kohlenstoffdioxidemissionen verantwortlich. 13 Prozent des für Transportzwecke verbrauchten Treibstoffs beansprucht die Luftfahrt. Bereits in den vergangenen Jahrzehnten hat die Luftfahrt gewaltige Fortschritte in Sachen Umwelteffizienz gemacht. Jetzt hat sich die europäische Luftfahrt zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 Emissionen und Verbrauch nochmals um 20 Prozent zu reduzieren.

Ein Ziel, das von der EU auch eingefordert wird. Gleichzeitig verschärft die Kommission die Gangart, indem sie die europäischen Airlines in den Emissionshandel (ETS) einzubeziehen plant. Die Fluglinien, die sich ihrer Verantwortung der Umwelt gegenüber durchaus bewusst sind, warnen aber vor massiven Wettbewerbsverzerrungen für den Fall, dass es nicht gelingt, Drittländer in den Emissionshandel aufzunehmen. Die Fluglinien sehen angesichts eines hohen Wettbewerbdrucks Probleme, die Kosten in den Ticketpreisen unterbringen zu können. Die Vertreter der Kommission Olivier Waldner und Hubert de Broca sehen im ETS einen besseren Weg als die Luftfahrt mit Steuern und Gebühren zu belasten. Angesichts der Kritik der Fluglinien betonen die Behördenvertreter, dass die Vorhaben rund um ETS bei weitem noch nicht konkret seien. Gespräche mit Drittländern werden derzeit bereits geführt, konkrete Ergebnisse sind jedoch noch nicht absehbar.

Die Fluglinien sehen durchaus auch die Behörden am Zug und fordern ihrerseits ein höheres Tempo bei der Umsetzung von Maßnahmen wie den Single European Sky (SES). Günter Martis, Vertreter der IATA, sieht durch die Effizienzsteigerung der Flugsicherung allein in Europa ein Einsparungspotenzial von 12 Tonnen CO². Im Namen der Interessensgemeinschaft fordert er eine Umsetzung bis spätestens 2012. Kaum eine andere Branche, betont Martis in seinen Ausführungen, habe ein derart hohes Eigeninteresse Treibstoff und damit Emissionen einzusparen. Durch den rasanten Anstieg der Ölpreise liegt der Anteil des Treibstoffs bereits bei einem Drittel der Gesamtaufwendungen. Weltweit geben die Fluglinien rund 160 Milliarden Dollar für Kerosin aus.

Rund 700 Millionen Tonnen CO² werden dabei emittiert. Und trotz eines jährlichen Verkehrswachstums in der Größenordnung von fünf bis sechs Prozent wird der Anteil der Luftfahrt an den Gesamtemissionen von derzeit zwei auf nur drei Prozent steigen. Langfristiges Ziel sei es, wie Martis formuliert, bis 2050 ein CO² neutrales Wachstum zu erreichen. Dem entsprechend investieren Fluglinien und Industrie, auch unterstützt durch die EU, hohe Geldsummen in die technologische Weiterentwicklung von Triebwerken und Flugzeugen. Ein europäisches Großprojekt ist Clean Sky, das 86 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus 16 Ländern verbindet. Ziel ist unter anderem die Produktentwicklungszeiten bei Flugzeugen zu reduzieren und einen Technologiedurchbruch in Richtung ökologischer Flugzeuge zu erreichen. Clean Sky ist auch eine Kombination aus Investitionen von den beteiligten europäischen Industrieunternehmen in der Höhe von 800 Mio. Euro und öffentlichen Geldern ebenfalls in der Höhe von 800 Mio. Euro. Das Programm läuft noch bis 2017 und beschäftigt sich unter anderem mit den Einsatzmöglichkeiten eines offenen Rotors im Rahmen zukünftiger Triebwerkskonzepte.

Zum weiteren Wachstum der Luftfahrt bekennt sich auch die österreichische Bundesregierung. Dem entsprechend sieht STS Kranzl eine weiterhin unabhängige AUA mit einem starken Drehkreuz in Wien als wichtige Schlüsselfaktoren für eine positive Weiterentwicklung des Luftfahrtstandortes Österreich. Dazu zähle, so STS Kranzl, auch eine dritte Piste für den Flughafen Wien. Angesichts der prognostizierten Wachstumszahlen ist von einer Verdoppelung des Luftverkehrs bis zum Jahr 2020 auszugehen. Die politischen Rahmenbedingungen dafür soll der Nationale Aktionsplan (NAP) Luft 2020 schaffen, der einerseits den steigenden Mobilitätsbedarf der Gesellschaft berücksichtigt, aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Luftfahrtbrache sichert.

Christian Pöchhacker (05/2008)