Hohe Kerosinkosten und die Kreditkrise verschärfen die wirtschaftliche Situation der hochspezialisierten Business-Fluglinien. Zuletzt mussten Eos und Maxjet ihren Betrieb einstellen. Gleichzeitig rüsten die traditionellen Netzwerkcarrier ihre Premiumkabinen weiter auf. Ein Beispiel dafür ist die heimische Austrian, die auf ihren Strecken in den Mittleren Osten ein neues Premium Service einführt.

ESchwierige Zeiten für Businesscarrier - Austrian Komfortsitz businesscarrier kleinerrst 2005 an den Start gegangen musste die britische Business-Airline erst kürzlich ihren Betrieb einstellen. Die Fluglinie hatte sich auf Geschäftsreisen zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten konzentriert. Hauptroute war die Verbindung London-Stansted – New York. Eingesetzt hat die Airline Flugzeuge des Typs Boeing 757 mit nur 48 Plätzen in einer exklusiven Business-Konfiguration. Bereits im Dezember 2007 musste Maxjet nach nur zwei Jahren ihren Flugbetrieb einstellen.

Die amerikanische Fluglinie hatte sich ebenfalls auf das vermeintlich lukrative Geschäftsreisesegment zwischen England und den USA konzentriert. Eingesetzt wurden Boeing 767 in ausschließlicher Business-Auslegung. Einziger britischer Überlebender des Business-Booms bleibt damit Silverjet, eine britische Fluglinie, die sich ebenfalls auf den Geschäftsreiseverkehr über den Nordatlantik spezialisiert hat, während sich in Frankreich L’Avion als Businesscarrier etablieren konnte. All die Fluglinien müssen auf einem der wettbewerbsintensivsten Langstreckenmärkte der Welt bestehen. Besonders die großen Netzwerkcarrier machen den Nischeanbietern das Leben schwer. So sind beispielsweise für British Airways die Nordatlantikstrecken der größten Gewinnbringer innerhalb des weltweiten Netzwerkes der Airlines. An Bord bietet die Airline ihren Geschäftsreisenden nicht nur eine ausgezeichnete Business-Klasse. Vielflieger kommen auch in den Genuss eines Meilenprogramms und können die weitreichenden Angebote der Partnerairlines nutzen. Dem entsprechend können spezialisierte Businessairlines ihren Passagieren im Grund nur eine Verbindung zwischen zwei Destinationen anbieten. Um mit den großen Anbietern mithalten zu können sind sie darüber hinaus gezwungen, die Flüge günstiger anzubieten. Und nicht zuletzt auf Grund der aktuellen Kreditkrise, bleibt in Not gekommenen Fluglinien eine Kapitalaufstockung oft verwehrt.

Netzwerkcarrier mit besonderen Angeboten

Was bei unabhängigen Businesscarriern scheinbar mehr schlecht als recht funktioniert, klappt bei den großen Netzwerkcarriern offenbar bestens. So war etwa die deutsche Lufthansa eine der ersten Fluglinien, die auf bestimmten Strecken spezialisierte Businessjets anbot. Jüngstes Beispiel sind Flüge von Frankfurt in die indische Wirtschaftsmetropole Pune, die mit einem umgebauten Airbus A319 durchgeführt werden. An Bord dieses, üblicherweise für rund 130 Passagiere ausgelegte Flugzeug, befinden sich nur 48 Sitze, die sich auf Knopfdruck in ein zwei Meter langes Bett verwandeln.

Die Lufthansa betreibt die Flugzeuge allerdings nicht selbst sondern setzt auf den bewährten Partner Privat Air. Nicht ganz so weit geht Air France mit ihrem „Dedicate“ Service. Auf bestimmten Geschäftsreisestrecken in den Nahen Osten und Afrika setzt die Airline eigens mit nur 79 Sitzen konfigurierte A319 ein. Hauptklientel auch hier sind Geschäftsreisende. British Airways setzt ebenfalls verstärkt auf eine Produktdifferenzierung. Mit zwei Airbus 318 wird die Airline ein spezielles Business-Service vom direkt im Financial District gelegenen London City Airport nach New York anbieten. Das Flugzeug wird nur über 32 Plätze verfügen. Und auch die neue British Airways Tochter Open Skies, die ab Juni von Paris nach New York fliegen wird, hat den Geschäftsreisen als Hauptzielgruppe.

Austrian mit Premium Service

Aber auch die heimische AUA differenziert ihr Angebot auf ausgewählten Strecken weiter. Nicht zuletzt um mit dem Langstreckengerät von Emirates mithalten zu können, wird die AUA einige ihrer A320 Mittelstreckenjets neu konfigurieren. Die Flugzeuge sind in der Business Class mit neuen großzügigen Komfortsitzen des renommierten Herstellers Recaro ausgestattet. 116 cm Sitzabstand bieten viel Raum zum Wohlfühlen, elektrisch verstellbare Rücken- und Fußstützen passen sich jederzeit den Wünschen an, die integrierte Massagefunktion bietet darüber hinaus ein Plus an Entspannung.

Darüber hinaus richtet die Airline den Service auf die arabischen Zieldestinationen aus. Das Spektrum reicht dabei von den traditionellen Mezze bis hin zum altösterreichischen Klassiker, den Marillenknödel. Als Aperitif werden Fruchtsäfte, Drinks und warme Nüsse serviert, danach wird ein mehrgängiges Gourmetservice von DO&CO individuell zusammengestellt. Zur Wahl stehen orientalische und österreichische Spezialitäten – angerichtet auf feinstem Porzellan. Die neue Exklusivität genießen Business Class Reisende ab dem 15. Juli auf Flügen zwischen Wien und Astana, Damaskus, Dubai, Erbil, Jeddah, Kairo, Riyadh und Thereran.

Nach dem finanziellen Absturz von Maxjet und Eos wird es in Zukunft den etablierten Netzwerkcarriern vorbehalten bleiben, mit einer immer stärkeren Produktdifferenzierung auf die speziellen Bedürfnisse der Geschäftsreisen einzugehen.

Christian Pöchhacker (05/2008)