1995 als unabhängige und selbständige österreichische Frachtfluglinie von Kapitän Heinz Peter Amerer gegründet, setzt das Unternehmen mit der Indienststellung der ersten umgebauten BAe 146 einen Meilenstein unter den europäischen Frachtfliegern.

Amerer Air ist Erstkunde für BAe 146 FrachtversionAmerer Air ist die einzige spezialisierte Frachtfluglinie Österreichs. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Linz, dem Frachtflugknoten unter den österreichischen Bundesländerflughäfen. Heinz Peter Amerers zahlreiche Jahre an Erfahrung als Flugkapitän und Flugbetriebsleiter bilden eine solide Basis für das europaweit tätige Unternehmen. Neben einer Fokker F27-500 mit einer Ladekapazität von sechs Tonnen betreibt Amerer eine moderne LKW-Flotte.

Mit dem Ankauf der BAe 146 beginnt bei Amerer Air das Jetzeitalter. Darüber hinaus ist die österreichische Frachtairline überhaupt der erste Kunde für die, in eine Frachtvariante umgebaute Passierversion. Umgebaut wurde der ehemalige Passagierjet bei Aerostar in Rumänien. Erstflug der nunmehr als BAe 146QT (QT steht für Quiet Trader) war am 25. Juni dieses Jahres.

Flugzeug mit vier Triebwerken

Bei der BAe 146 handelt es sich um ein bewährtes Flugzeugmuster aus britischer Produktion. Der ursprüngliche Entwurf geht auf das Jahr 1973 zurück und stammt vom Traditionsunternehmen Hawker Siddely, das später in British Aerospace (BAe) aufgegangen ist. Zwischenzeitlich auf Eis gelegt, entwickelte die zu diesem Zeitpunkt noch staatliche British Aerospace das Projekt bis zur Serienreife weiter. Der Erstflug fand am 3. September 1981 statt, die Auslieferungen an die Airlines starteten 1983. Im August 1982 absolvierte die um 2,4 Meter verlängerte BAe 146-200 ihren Erstflug. Dieses Flugzeug, das Platz für bis zu 100 Passagiere bot, ist auch die Basis für die umgebaute BAe 146 QT. In der Passagierversion hat die BAe 146 ein Leergewicht von 33,3 Tonnen. Das maximale Abfluggewicht liegt bei 42,2 Tonnen. Modifiziert wurde der Quiet Trader durch eine große Frachttüre, die im hinteren Teil des Rumpfes untergebracht ist. Diese große Tür erleichtert das schnelle Be- und Entladen des Flugzeugs mit technischen Hilfsmitteln.

Noch heute befinden sich zahlreiche BAe 146, und die in den neunziger Jahren weiter entwickelten Avro RJ Versionen, im täglichen Airlineeinsatz. Eine der größten Flotten betreibt die Lufthansa City Line und ihre Schweizer Tochter Swiss. Die BAe 146 und die späteren RJ-Versionen sind durch die hoch angesetzten Tragflügel und die vier Triebwerke leicht erkennbar. Sehr geräumig ist Rumpf. Eigenschaften, die dem Flugzeug auf Grund seiner Ähnlichkeit mit dem Boeing 747 Jumbo den Spitznamen „Jumbolino“ verliehen haben. Die vier Triebwerke und die Anordnung der Tragflügel machen das Flugzeug auch sehr leise. Auf Grund des hohen Triebstoffverbrauchs der vier Triebwerke entspricht das vierstrahlige Regionalflugzeug aber nicht mehr heutigen Anforderungen. Und so werden wohl auch in den nächsten Jahren immer mehr Passagierversionen als Quiet Trader umgebaut werden. Ein Pionier auf diesem Feld ist bereits jetzt die österreichische Amerer Air, die dieser Tage ihren ersten BAe 146 Frachtjet erhalten hat.

Christian Pöchhacker (07/2008)