Alle zwei Jahre öffnet das nahe London gelegene Farnborough seine Tore für die weltweite Luftfahrtbranche. Farnborough gilt neben Le Bourget als die wichtigste Luftfahrtmesse der Welt. Die zwischen dem 14. Juli und dem 20. Juli 2008 stattfindende Messe ist ein wichtiges Schaufenster der Luftfahrtbranche. Bereits im Vorfeld wird viel über die Zukunft der Luftfahrt diskutiert.

Branchenschaufenster FarnboroughAllgemein gilt 2008 als ein schwieriges Jahr für die zivile Luftfahrt. Nicht zuletzt die hohen Kerosinkosten machen den Airlines weltweit zu schaffen. Darüber hinaus leistet auch die globale Finanzkrise das ihre zur weiteren Eintrübung der Weltkonjunktur. Eine weitgehende Konsolidierung speziell unter den europäischen Fluglinien scheint unausweichlich. Selbst erfolgsverwöhnte Fluglinien wie Emirates ziehen die Konsequenzen aus den hohen Ölpreisen. So streicht die Fluglinie ab dem 10. September ihren täglichen, mit Airbus A330 Großraumgerät durchgeführten Flug ins ägyptische Alexandria. Gleichzeitig wird die für Dezember angekündigte neue Flugverbindung von Dubai ins südafrikanische Durban bis auf weiteres verschoben. Als Begründung verweist Emirates auf die hohen Treibstoffkosten, die diese Flüge unrentabel machen würden. Betroffen ist die erfolgreiche Fluglinie auch von Lieferverzögerungen bei der Boeing 777. Probleme mit dem Einbau von Bordküchen haben eine Verschiebung der Auslieferung um rund ein Monat zur Folge. Dem entsprechend verzögert sich auch die Aufnahme von neuen Flügen nach Los Angeles und San Francisco um rund einem Monat. Gleichzeitig erwartet man in Farnborough aber wieder aufsehenerregende Aufträge von arabischen Fluglinien. Ganz vorne mit dabei sollte diesmal die Fluglinie Etihad aus Abu Dhabi sein. Es wird erwartet, dass die auf Wachstum programmierte Fluglinie bis zu 100 neue Flugzeuge im Wert von 20 Milliarden US Dollar in Auftrag gibt. Sowohl Boeing als auch Airbus werden wohl davon profitieren.

Neuigkeiten von Airbus und Boeing

Mit Spannung werden Informationen von Airbus und Boeing über ihre neuen Flugzeugprogramme erwartet. Während Boeing die Probleme mit dem Dreamliner (Boeing 787) schön langsam in den Griff zu bekommen scheint, befindet sich das Konkurrenzmuster Airbus A350 XWB noch in der Konzeptionsphase. In den vergangenen Wochen konnte Boeing erstmals die elektrischen Systeme der 787 testen. Und obwohl nach ursprünglichen Planungen bereits die ersten Serienflugzeuge bei der japanischen Fluglinie ANA fliegen sollten, bereitet man sich erst jetzt für den Erstflug im vierten Quartal dieses Jahres vor. Die ersten Auslieferungen werden dann 2009 erfolgen. Aber schon jetzt ist der Dreamliner das erfolgreichste Flugzeugprogramm aller Zeiten. Nahezu 900 Bestellungen finden sich in den Auftragsbüchern des amerikanischen Herstellers. Aber auch Airbus konnte nach einem veritablen Fehlstart mit der neuen XWB-Version des A350 viel an verloren geglaubtem Terrain wieder gut machen. Das Orderbuch umfasst bereits 370 Flugzeuge von 23 unterschiedlichen Kunden. Aber während der Dreamliner nunmehr wohl endgültig schon im nächsten Jahr bei den ersten Kunden landen wird, benötigt man beim europäischen Flugzeugbauer Airbus noch einige Zeit um die Konzeption des neuen Langstreckenjets fertig zu stellen. Der Erstflug ist für die ersten Monate des Jahres 2012 vorgesehen. Nach einem 18monatigen Testprogramm ist mit den ersten Auslieferungen der Serienmaschinen Mitte 2013 zu rechnen. Bei Airbus gibt man sich mittlerweile wieder selbstbewusst. Man verweist auf die beim Mega-Airbus A380 gemachten Fehler und die daraus gelernten Lektionen. Etwas, was man unter allen Umständen beim A350 XWB zu vermeiden gedenkt. Zu wichtig ist das Programm für den wirtschaftlichen Erfolg des europäischen Gemeinschaftsunternehmens. Denn die Probleme mit dem A380 dürften noch immer nicht ganz im Griff sein. Weitere Verzögerungen, wenn auch bei weitem nicht so gravierend wie beim Start des Programms, dürften unausweichlich sein.

Nachfolger für den Airbus A320 und die Boeing 737

Wenn auch noch immer sehr populär, sind die beiden Standardmuster der beiden großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing doch schon etwas in die Jahre gekommen. Dem entsprechend fordern immer mehr Airlines moderne und treibstoffeffizientere Nachfolgemuster für die wichtige Mittelstrecke. Mit an vorderster Front dabei ist Air France, die in erster Linie verschiedene Varianten des A320 in großer Stückzahl einsetzt. Noch will man bei den beiden Herstellern diesseits und jenseits des Atlantiks nichts davon wissen, sind doch die Ingenieure derzeit voll mit der Entwicklung der neuen Langstreckenflugzeuge 787 und A350 XWB beschäftigt. Unisono geben sowohl Boeing als auch Airbus als frühest möglichen Auslieferungstermin an Fluglinien ein Datum um 2018 an. So könnte Airbus mit den Entwicklungsarbeiten im Jahr 2014 starten. Dann hätte das Unternehmen auch wieder genügend Entwicklungskapazitäten frei. Mit den Auslieferungen könnte dann vier Jahre später begonnen werden. In der Zwischenzeit setzt man bei Airbus auf punktuelle Verbesserungen beim Bestseller A320. So sollen die Flügel beispielsweise überarbeitet und neue Winglets erhalten. In Zusammenhang mit aerodynamischen Verbesserungen am Rumpf und Modifikationen am Triebwerk sollte das so modernisierte Flugzeug zwei bis drei Prozent weniger Treibstoff verbrauchen. Angesichts der hohen Treibstoffkosten fordern die Fluglinien aber einen größeren Wurf. Sie erwarten sich von der neuen Mittelstreckengeneration eine Einsparung von 15 bis 20 Prozent. Eine Größenordnung, für die die Zeit noch nicht reif ist, wie die Hersteller beteuern. Hierzu bedürfe es noch einiges an Entwicklungsanstrengungen.

In der Zwischenzeit versucht der kanadische Hersteller Bombardier im Markt für Mittelstreckenflugzeuge Fuß zu fassen. Immerhin bis zu einer Kapazität von 130 Passagieren reicht das Angebot der neuen CSeries-Flugzeugfamilie. Das neue Flugzeug befindet sich damit in direkter Konkurrenz zu den kleineren Modellen der A320 und Boeing 737-Reihe. Bombardier setzt bei seiner neuen Entwicklung auf ein neues Triebwerk, dem sogenannten GTF. Das GTF ist ein Strahltriebwerk mit Übersetzungsgetriebe, das in jeder Flugsituation die effizienteste Schubeinstellung erlaubt. Farnborough könnte den Start dieses ambitionierten Programms bringen. Gleichzeitig präsentieren die neu am Markt etablierten Hersteller Sukhoi und AVIC ihre neuen Regionaljets. Gespannt darf man sein, auf welches Interesse diese neuen Flugzeuge bei westlichen Airlines stoßen.

Alles deutet darauf hin, dass Farnborough auch heuer wieder die spannendste Luftfahrtveranstaltung des Jahres wird.

Christian Pöchhacker (07/2008)