Billigfluglinien liegen im Trend. Nicht nur Urlaubsreisende greifen auf die verlockenden Angebote der Low Cost Airlines zurück. Auch immer mehr Krawattenträger finden sich unter dem bunten Touristenvolk. Abhängig von den angeflogenen Destinationen befindet sich rund ein Drittel der Passagiere auf einem Businesstrip.

Im Nadelstreif auf der Holzbank  Billigfluglinien für GeschäftsreisendeDie irische Ryanair, europäischer Low Cost Pionier, geht sogar noch weiter. Rund die Hälfte ihrer Passagiere seien geschäftlich unterwegs, stellt die Airline fest. Die Airline bietet mittlerweilen auch einen bequemen Online Check-in sowie die Möglichkeit sich einen Priority Boarding Pass ausrücken zu können. Damit vermeidet man das ansonsten teilweise chaotischen Boarding. Zumindest ohne aufgegebenes Gepäck für kurze Flugstrecken stellen Billigfluglinien wie Ryanair, Easy Jet oder Sky Europe eine interessante Alternative dar. Ryanair geht jetzt sogar soweit, schon ab Herbst auf ausgewählten Strecken überhaupt kein aufgegebenes Gepäck mehr anzunehmen. Wie Vizepräsident Howard Miller präzisiert, werde man sich auf Strecken konzentrieren, die hauptsächlich von Geschäftsreisenden genutzt werden. Vor einer konkreten Entscheidung sollte jedoch ein genauer Preisvergleich stehen. Und der kann durchaus überraschend ausfallen. So ist ein kurzfristig angesetzter Flug von Wien nach Sofia und wieder retour bei Sky Europe um etwas mehr als 100 Euro teurer (258 Euro vs. 144,63 Euro) als beim traditionellen Netzwerkcarrier AUA. Die Unterschiede verschieben sich bei einer zwei Monate im voraus angesetzten Buchung, wo Sky Europe einen Preisvorteil von 66 Euro (78 Euro vs. 144,63 Euro) gegenüber der AUA hat. Zu berücksichtigen ist noch, dass Billigfluglinien wie eine Ryanair oder Sky Europe sich mittlerweilen auch jedes extra aufgegebene Gepäckstück bezahlen lassen. Bei Sky Europe sind dies immerhin 15 Euro pro Gepäckstück. Dazu kommen noch Kosten für eine etwaig gewünschte Sitzplatzreservierung. Und auch bei der Einstellung von Strecken gehen Low Cost Fluglinien nicht gerade rücksichtsvoll vor, wie das jüngste Beispiel von Ryanair zeigt. Die sich selbst als Europas führende Low Fare Airline bezeichnende Fluglinie nimmt die Destination Salzburg zwischen 4. November und 19. Dezember komplett aus dem Streckennetz. Betroffen von dieser Maßnahme sind 84 Flüge.

Flexibilität als Schlüssel für den Erfolg

Wie das angeführte Beispiel zeigt, können Billigfluglinien eine durchaus interessante Alternative darstellen. Die simple Selbstbuchung mit Internet bringt allerdings gravierende Nachteile für Geschäftsreisende mit sich. Zum einen lassen sich Geschäftstermine selten Monate im voraus buchen. Andererseits ist das Umbuchen von Flügen oft nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Billigfluglinien bieten darüber hinaus nur in den seltensten Fällen Flüge zu den bei Geschäftsreisenden besonders nachgefragten Tagesrandzeiten. So fliegt Sky Europe beispielsweise nur einmal täglich nach Sofia, bei der AUA stehen gleich vier tägliche Flüge zur Auswahl. Das kann beispielsweise eine zusätzlich Nächtigung notwendig machen, die ebenfalls in die Gesamtrechnung miteinzubeziehen ist. Für den Marketingleiter des Linzer Flughafens, Inge Hagedorn, gehören Low Cost Airlines zur Abrundung des Angebots. Er sieht durchaus eine Nutzung des Angebots auch durch die in Linz ansässigen Unternehmen. Im Falle der oberösterreichischen Landeshauptstadt ist dies vor allem die Destination London, die vier Mal wöchentlich von Ryanair angeflogen wird. „Gerade dann wenn sich Meetings über mehrere Tage ziehen sind Billigfluglinien eine ernstzunehmende Alternative“, präzisiert Hagedorn im Gespräch mit dem FLUG MAGAZIN.

Dass Billigfluglinie nicht gleich Billigfluglinie ist, weiß in der Zwischenzeit jeder Vielflieger. So sehen sich etwa Niki und sein Kooperationspartner Air Berlin als Low Cost Airlines mit Qualitätsanspruch. Geschäftsreisende stehen bei diesen beiden Fluglinien sehr im Fokus. Nicht nur dass beispielsweise Niki seine Destinationsplanung durchaus auch den Bedürfnissen von Businessreisenden anpasst, bietet die Airline ein durchaus attraktives Vielfliegerprogramm und darüber hinaus noch ein kostenloses Bordservice. Verstärkt bestimmen Geschäftsreisedestinationen den Flugplan der Airline. So wurde erst mit Beginn des Jahres Mailand in den Flugplan aufgenommen. Eine Destination, die ideal für Geschäftsreisende, täglich zwei Mal im Tagesrand angeflogen wird. Mehr als 50 Prozent der Passagiere seien bereits geschäftlich unterwegs, meint Niki General Manager im Gespräch mit dem FLUG MAGAZIN. Entsprechend baut die Fluglinie ihr Angebot weiter aus. So sind die City Shuttle Flüge auf die speziellen Bedürfnisse der Geschäftsreisenden abgestimmt. Dazu zählen in erster Linie Flüge in günstiger Tagesrandlage. Lenz kündigt in diesem Zusammenhang für nächstes Jahr eine weitere Verbesserung des Angebots an. Dann sollen Destinationen wie Frankfurt, München oder Zürich weitere Flugfrequenzen erhalten. Mit jeweils drei täglichen Flügen nach Frankfurt und München sowie einen vierten täglichen Flug nach Zürich unterscheidet sich das Angebot von Niki dann nur mehr wenig von jenem traditioneller Netzwerkcarrier. Potentielle Geschäftsreisekunden für Niki sind weniger die großen Konzerne sondern vielmehr die sogenannten KMUs, also kleinere und mittlere Unternehmen. Ab 100 jährlichen Flügen im Niki und Air Berlin Streckennetz, das auch die Langstreckennetz der mittlerweilen in die Air Berlin integrierte LTU umfasst, werden individuell abgestimmte und maßgeschneiderte Tarife angeboten. So bietet etwa die vollflexible Firmensonderrate die Möglichkeit einer kostenlosen Namenänderung und Umbuchung und im Bedarfsfall auch die volle Rückerstattung des Ticketpreises.

Längst stehen auch bei Germanwings die Geschäftsreisenden im Fokus des Unternehmens. Auf der Strecke von Wien nach Stuttgart liegt der Geschäftsreiseanteil bei weit über 50 Prozent, informiert Pressesprecherin Angelika Schwaff im Gespräch mit dem FLUG MAGAZIN. Das ist auch mit ein Grund warum die Airline ihre Flüge nach Wien im Winterflugplan weiter aufstockt. Statt bisher 23 Mal wird die Airline dann 27 Mal in Wien landen. Überhaupt bezeichnet Schwaff das Geschäftsreisesegment als wichtigen Wachstumsmarkt für die Low Cost Airline. Schwaff: „Nach Untersuchungen des Verbandes Deutsches Reisemanagement sparen Unternehmen vor allem an den Flugkosten.“ Entsprechend nimmt auch die Flugplanung große Rücksicht auf das Reiseverhalten der Vielflieger. So werden Business-Strecken im doppelten Tagesrand angeflogen. In der Tagesmitte stehen hingegen die touristischen Ziele im Flugplan. Und auch TUIfly die in Österreich die Destinationen Salzburg, Klagenfurt, Graz, Innsbruck und Linz anfliegt spricht von einer guten Mischung aus Geschäftsreisenden und Touristen. Bis zu 30 Prozent, konkretisiert der Pressesprecher von TUIfly, betrage der Geschäftsreisenanteil auf den Strecken nach Österreich. Flexible Tarife ermöglichen eine jederzeitige Umbuchung, für Unternehmen mit höherem Reiseaufkommen werden auch in Österreich maßgeschneiderte Förderprogramme angeboten. Überhaupt hat der österreichische Markt für TUIfly eine große Bedeutung. Österreich, so Pressesprecher Euler, sei einer der wichtigsten Märkte für TUIfly. In diesem Zusammenhang seine insbesondere die Destinationen Salzburg und Klagenfurt hervorzuheben. Ein kleiner Wermutstropen in der an sich sehr positiven Österreichbilanz ist die Einstellung von Linz mit Ende des Sommerflugplanes. Auf dieser Strecke konnte nicht genügend Nachfrage für das eingesetzte Fluggerät generiert werden.

Geschäftsreisende stehen jetzt auch verstärkt im Mittelpunkt der Verkaufsbemühungen von Sky Europe. Ziel sei es, wie Country Manager Georg Geisler-Brunner im Gespräch mit dem FLUG MAGAZIN betont, den Geschäftsreiseanteil auf 30 Prozent zu erhöhen. Als typische Geschäftsreisedestination im Streckennetz von Sky Europe hebt Geisler-Brunner Sofia, Brüssel, Bukarest, Amsterdam, Paris und Mailand besonders hervor. Um die speziellen Bedürfnisse der Businesskunden abzudecken hat Sky Europe maßgeschneiderte Angebote beginnend vom Kleinstunternehmen bis hin zu den KMUs. Bereits kleinere Unternehmen mit einem Bedarf von acht bis zehn Flügen pro Jahr profitieren von den Vorteilen des Sky Saver Programms. „Im Rahmen eines Business-to-Business Accounts erhalten die Kunden für jede Dotierung des Kontos sofort einen Rabatt in Höhe von 10 Prozent gutgeschrieben“, beschreibt der neue Österreich-Manager die Vorteile dieses Programms. An KMUs mit höheren Fluaufkommen richten sich die Programme Sky Corporate und Sky Corporate Fix. Die Grundidee beider Programme ist ein festes Preisangebot für eine einjährige Reiseperiode. Die beiden Programme unterscheiden sich grundsätzlich in ihrer Flexibilität. So wird bei Sky Corporate Fix ein Rabatt von 50 Prozent bei einer Vorausbuchung bis spätestens 14 Tage vor Abflugtermin gewährt. Sky Europe ist jetzt auch über alle großen Reservierungssystem zu buchen. Eine erfolgreiche Initiative, wie Geisler-Brunner meint. Der Anteil an GDS-Buchungen entwickelt sich erfreulich.

Längst haben die Low Cost Carrier das lukrative Geschäftsreisegment für sich entdeckt. Dem entsprechend verstärken die Airlines ihre Verkaufsbemühungen besonders im Bereich der kleineren und mittleren Unternehmen. Unternehmen, die bisher kaum Zugang zu günstigen Flugtarifen hatten, können nunmehr verstärkt die Vorteile der Low Cost Carrier nutzen. Währenddessen werden die Unterschiede unter den Low Cost Airlines immer augenscheinlicher. Auf der einen Seite die Airlines, die in erster Linie auf den Leisure-Bereich setzen. Dazu zählt eine Ryanair und bis zu einem gewissen Maß auch eine Sky Europe. Auf der anderen Seite Low Cost Airlines wie Niki und Air Berlin, die dank ihren City Shuttles und ihrem geschäftsreiseorientierten Destinationsangebot auch Unternehmen und Geschäftsreisenden einen echten Mehrwert bieten können. Das rauere werdende Wirtschaftsklima favorisiert die Fluglinien die im Punkt-zu-Punkt Verkehr für weniger Geld eine attraktive Alternative zu den Netzwerkscarriern bieten.

Christian Pöchhacker (08/2008)