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Flugzeughersteller sehen gebremstes WachstumBereits 2008 zeichnete sich nach Jahren des Nachfragebooms bei den großen Flugzeugherstellern eine Trendwende ab. Entsprechend vorsichtig sind Airbus und Boeing bei ihren Prognosen für das Jahr 2009.

2007 war die Welt noch in Ordnung. Die Fluglinien stellten sich auf eine Periode ungebremsten Wachstums ein und orderten fleißig neue Flugzeuge. Doch 2008 bescherte der Branche ein jähes Ende der Wachstumsfantasien. Ein Höhenflug der Treibstoffpreise und eine veritable Wirtschaftkrise sorgten für einen Einbruch der Passagier- und Frachtzahlen. Fluglinien wie die heimische AUA sehen sich gezwungen mit reduzierten Kapazitäten auf die sinkende Nachfrage zu reagieren. Zu spüren bekommen dies auch die Flugzeughersteller. Bereits 2008 mussten Airbus und Boeing einen Rückgang der Bestellung um beinahe 50 Prozent verbuchen. Trotzdem konnte Airbus das Rennen um die meisten Aufträge für sich verbuchen. Immerhin 777 Aufträge für neue Flugzeuge konnte der europäische Flugzeughersteller für sich verbuchen. Boeing beendete das Jahr mit 662 neuen Aufträgen. Noch im Jahr zuvor konnte Airbus 1.341 neue Flugzeuge verkaufen, während sich die Jahresbilanz des amerikanischen Konkurrenten auf 1.413 Einheiten summierte. Renner beider Hersteller waren einmal mehr die Kurzstreckenflugzeuge der Typenreihen A320 und Boeing 737. Airbus konnte sich aber auch über 142 Bestellungen für das Langstreckenflugzeug A330 freuen. Zum Renner entwickelt sich nach etwas gebremstem Start auch die A350, für die bereits 483 Bestellungen vorliegen. Die Nase vorn hat aber weiterhin das Konkurrenzmodell Boeing 787, das bei 910 Aufträgen hält. Gerade der Dreamliner bereitete Boeing im vergangenen Jahr große Sorgen. Der Erstflug musste mehrmals verschoben werden und wird jetzt wohl erst gegen Mitte dieses Jahres stattfinden. Erstkunde All Nippon Airways sich weiterhin gedulden müssen. Rund zwei Jahre später als ursprünglich geplant wird die japanische Fluglinie ihre erste 787 erhalten.

Vorsichtiger Ausblick

Noch können sich die Hersteller auf einem großen Auftragspolster ausruhen. In den letzten Jahren übertrafen die Neubestellungen die Auslieferungszahlen bei weitem. Und so summiert sich der Auftragspolster bei Airbus auf 3.715 Flugzeuge. Nahezu die gleiche Anzahl, nämlich 3.714, steht bei Boeing in den Büchern. Andererseits zeigen in Zeiten wirtschaftlicher Probleme auch Auftragsstornierungen ihre Wirkung. So stornierten im Vorjahr Kunden 120 Bestellungen für Airbus-Flugzeuge. Allein der wirtschaftliche Kollaps der amerikanischen Start Up Fluglinie Skybus kostete Airbus 65 Bestellungen. Verlangsamt hat sich auch die Nachfrage nach dem Mega-Airbus A380. Konnten im Jahr 2007 noch 23 Bestellungen verbucht werden, so waren es im Vorjahr nur neun. Schwer tut sich Boeing auch mit der modernisierten 747-8. Für die Passagierversion -8I bleibt Lufthansa mit einer Festbestellung von 20 Stück und Optionen für 20 weitere bisher einziger Kunde. Eine Bestellung, die immerhin schon zwei Jahre zurück liegt. Seither ist es Boeing nicht gelungen weitere Kunden für die Passagierversion zu finden. Besser läuft die Nachfrage nach der Frachtversion, die bisher 86 Bestellungen verbuchen konnte. Das Orderbuch für den Airbus A380 zeigt per Jahresende einen Auftragsbestand von 185 Stück. Mit Abstand größter Kunde mit 58 Bestellungen für den A380 bleibt die Golffluglinie Emirates. In das neue Jahr startete Airbus mit einer neuen Kaufabsichtserklärung für das Großflugzeug. Air Austral, beheimatet auf La Reunion, beabsichtigt zwei Flugzeuge für die nachfragestarke Strecke Paris – St. Denis zu kaufen. Air Austral wird die erste Fluglinie sein, die das Flugzeug für 840 Passagiere in einer All-Economy Auslegung konfigurieren wird. Für 2009 rechnet Airbus mit insgesamt 10 Bestellungen für seinen A380. Noch immer kämpft Airbus mit Produktionsproblemen und damit werden die Auslieferungszahlen für den A380 auch 2009 hinter den ursprünglichen Planungen zurück bleiben. Zu kämpfen hat Airbus auch mit dem Militärtransporter A400M, der zu einem Milliardengrab zu werden droht. Dem entsprechend geht Airbus von einem schwierigen Jahr aus. Mit einem weiteren Rückgang von Flugzeugbestellungen ist zu rechnen. Auch weitere Stornierungen können nicht ausgeschlossen werden. Entsprechend werden sowohl Airbus als auch Boeing ihre Produktionsraten zurück nehmen. Auch Boeing ist von negativen Nachrichten nicht verschont gebelieben. Verzögerungen bei der Boeing 787 waren die eine Sache, ein ausgedehnter Streik der Flugzeugmonteure bescherte dem Unternehmen im vierten Quartal des letzten Jahres sogar einen Verlust in der Größenordnung von 56 Mio. U.S. Dollar. Auch Boeing rechnet mit weniger Aufträgen und einer geringeren Produktionsrate. Für die Mitarbeiter wird das nicht ohne Folgen bleiben. Boeing hat bereits die Entlassung von bis zu 10.000 Arbeitern angekündigt.

Christian Pöchhacker (310109)