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Austrian Airlines mit Optimismus in die ZukunftDen größten Bilanzverlust seit dem Börsengang im Jahr 1988 mussten die AUA-Vorstände Dr. Peter Malanik und Dr. Andreas Bierwirth für das Geschäftsjahr 2008 im Rahmen der letztwöchigen Pressekonferenz präsentieren. Besonders Einmaleffekte drückten das Ergebnis tief in die Verlustzone. Nach einem kleinen Gewinn von 3,3 Mio. Euro im Jahr 2007 flog die Airline im vergangenen Jahr einen Verlust von 429,5 Mio. Euro ein. Nicht zuletzt auf Grund der erfolgten Weichenstellungen sehen die Vorstände aber auch mit Optimismus in die Zukunft.

Trotz der weiterhin negativen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehen die Vorstände das Unternehmen gut aufgestellt um die nächsten Monate bis zum Closing der Übernahmeprüfung durch die EU Kommission aus eigener Kraft zu bewältigen. Die globale Wirtschaftskrise macht kurzfristige Maßnahmen wie etwa die Stilllegung von Flugzeugen, die gezielte Ausdünnung von Strecken und Kurzarbeit notwendig. Dr. Peter Malanik spricht in diesem Zusammenhang von der schlimmsten Krise seit 9/11. So werde beispielsweise das Streckennetz laufend überprüft. Wie Malanik betont, geht die Airlines dabei aber sehr vorsichtig vor: „Ein wichtiges strategisches Assett ist unser Netzwerk.“ Eine Reduzierung des Osteuropa-Netzwerkes würde nicht nur den Wirtschaftsstandort Wien schwächen, sondern die AUA von einem Netzwerkcarrier zu einer Punkt-zu-Punkt Airline degradieren. Dann aber würde die AUA nicht mehr für eine Lufthansa attraktiv sein, präzisiert Malanik.

Die Zukunft im Lufthansa-Verbund

Drei strategische Ansätze werden die künftige Zusammenarbeit mit der neuen Mutter Lufthansa dominieren. Zum einen wird Wien und das stark auf Ost-, Südosteuropa und den Nahen Osten ausgerichtete Netzwerk der AUA in das Multi-Hub System des Konzerns integriert. Weitere Drehkreuze sind Frankfurt, München und Zürich. Desweiteren geht es um eine weitere Optimierung der Langstrecke. Malanik sieht das Unternehmen in der bereits erfolgten Redimensionierung dieses Verkehrssegments auf dem richtigen Weg und erwartet keine weiteren gravierenden Einschnitte. Auch im Europaverkehr werde es noch Optimierungen geben. Und auch im Nachbarschaftsverkehr zwischen Österreich und Deutschland sieht Malanik noch Raum für Verbesserungen. Maßnahmen, die Synergieeffekten von 80 Mio. Euro pro Jahr zur Folge haben sollten. Allerdings gelte es noch die Wettbewerbsfähigkeit der AUA innerhalb des Lufthansa-Konzern zu verbessern.

Malanik spricht dabei von einem internen Wettbewerb zwischen der Lufthansa-Passage, Swiss und der AUA. Besonders externe Kostenfaktoren belasten die AUA im Vergleich zu den übrigen Konzerntöchtern. Als Beispiel führt der AUA-Vorstand die Sicherheitsgebühr an. Nicht nur, dass die Kompetenzen über mehrere Ministerien verteilt ist, was wiederum die Verhandlungen schwierig gestaltet, liegen sie in Wien mit acht Euro doppelt so hoch wie in München. Für die AUA bedeutet dies einen jährlichen Mehraufwand von 20 Mio. Euro. Verhandlungen werden aber auch mit dem Flughafen Wien und der OMV geführt. Hohe Kerosinpreise seitens der OMV haben bereits dazu geführt, dass die AUA rund die Hälfte ihres Treibstoffbedarfes selbst importiert.

Mit Optimismus in die Zukunft

Trotz aller negativen Nachrichten geben sich die AUA-Vorstände optimistisch, die Herausforderungen meistern zu können. Auf dem Weg zur Integration in den Lufthansa-Konzern seien bereits zahlreiche Stolpersteine aus dem Weg geräumt. Trotz der tiefroten Bilanz des letzten Jahres sehen die beiden Vorstände für das laufende Jahr eine Ergebnisverbesserung. Die einmaligen Sondereffekte, im Wesentlichen die Abwertung der Flugzeuge und eine Wertminderung des eigenen Wertpapierbestandes in der Höhe von 352,7 Mio. Euro, werden im laufenden Jahr nicht mehr anfallen. Ohne diese Sondereffekte wäre ein Nettoverlust von 76,8 Mio. Euro ausgewiesen worden. Zu schaffen machte der AUA, wie auch den Mitbewerbern, die hohe Volatilität des Kerosinpreises. Am Höchststand sicherte sich das Unternehmen gegen weitere Anstiege ab. Die Kosten dafür lagen bei 15,4 Mio. Euro. Den Höchststand erreichte die Tonne Kerosin Anfang Juli mit 1.452 Dollar. Budgetiert hatte die AUA einen Durchschnittspreis von 830 Dollar/Tonne. Und so war es in erster Linie der Treibstoffaufwand, der einen Rückgang des operativen EBIT auf -312,1 Mio. Euro zur Folge hatte. Angesichts stabiler Umsatz- und Passagierzahlen spricht Dr. Andreas Bierwirth von einem Jahr, das zwar keinen Unternehmenserfolg, aber immerhin einen Markterfolg gebracht habe. Denn trotz der im Vorjahr erfolgten Redimensionierung des Langstreckenverkehrs lagen die Umsatzerlöse mit 2.159,0 Mio. Euro um 0,3 % über dem Vorjahresniveau von 2.152,1 Mio. Euro.

Im Rahmen ihrer Focus East-Strategie hat die AUA auch im Geschäftsjahr 2008 ihre Marktpräsenz weiter ausgebaut. Mit Sotchi, Baia Mare und Erbil, Jeddah und Ryadh wurden neue Strecken in den Flugplan aufgenommen. Ebenso erfolgte die Aufnahme der ersten Flüge mit dem sogenannten „Premium Service“ – einem qualitativ hochwertigen Langstreckenprodukt auf der Mittelstrecke mit speziellem Fokus auf Service und Qualität und eigens dafür umgebauten Airbus A320 Flugzeugen. Angeboten wird das Premium Service auf den Flügen nach Damaskus, Astana, Teheran, Kairo, Dubai, Erbil sowie Riyadh und Jeddah. Das raue Konjunktur- und Branchenumfeld brachte aber auch erste Streckenanpassungen notwendig. So wurden die Flüge nach London City ab August 2008 aus dem Programm genommen, für die Wintersaison 2008/09 wurden vornehmlich in Westeuropa einzelne Frequenzen reduziert. Das Angebot nach Tirana, Eriwan und Tiflis wurde angepasst, Riga wurde im Oktober aus dem Flugprogramm genommen, Chicago wird seit Beginn des Winterflugplanes nicht mehr angeflogen, die Flüge nach New York und Washington wurde ab Jänner 2009 reduziert. Bedingt durch die politische Situation Anfang des Geschäftsjahres war die AUA darüber hinaus gezwungen, ihre Flugverbindungen nach Colombo einzustellen. Trotz dieser Maßnahmen blieb die Passagierzahl mit 10,7 Mio. beförderten Fluggästen im Jahr 2008 weitgehend stabil. Rückgängen im Langstreckenbereich infolge der Redimensionierung standen Zuwächse im strategisch wichtigen Kurz- und Mittelstreckensegment gegenüber.

Christian Pöchhacker (140309)