Aviation International

07 2009 Chancen und RisikenNicht nur in Österreich sieht sich die Luftfahrtbranche mit großen Risiken konfrontiert. Die gegenwärtige Wirtschaftkrise beschleunigt die schon längst überfällige Konsolidierung der europäischen Airlineszene. Es ist bereits absehbar, dass nur mehr drei große Fluglinien den europäischen Markt beherrschen werden. Daneben haben es die Billigfluglinien geschafft, sich eine eigene Nische zu schaffen. Aber auch in diesem Bereich wird es zu einer Konsolidierung kommen.

In der gegenwärtigen Krise sind es vor allem die traditionellen Netzwerkcarrier die den rauen Wind der Krise zu spüren bekommen. Und hier ist es in erster Linie das Wegbrechen des Premiumverkehrs, der den Unternehmen zunehmend Sorgen bereitet. Es sind die Geschäftsreisenden, die für das finanzielle Wohlergehen einer Airline ein entscheidender Faktor sind. Ein Bereich, in dem die IATA große Probleme ortet. Um nicht weniger als 23,6 Prozent hat sich der Premiumverkehr im Mai zum Vergleichsmonat des Vorjahres verringert. Seit nunmehr 12 Monaten, so das ernüchternde Ergebnis der IATA-Studie, habe sich der Premiumverkehr Monat für Monat verringert. Nach einem Rückfall um 19,2 Prozent im ersten Quartal des laufenden Jahres und einem Rückgang um 22 Prozent im April, nunmehr das mehr als ernüchternde Ergebnis für den Mai. Besonders betroffen von diesem Einbruch ist Asien, wo ein Rückgang von 31,6 % verzeichnet wurde. Auf den internationalen Strecken zwischen Asien und Europa summiert sich der Rückgang auf 26,3 Prozent. Darüber hinaus beginnt sich auch der zunehmende Preiskampf um die Passagiere der First- und Business-Class negativ auf die Erträge auszuwirken. Denn abgesehen von weniger Passagieren in den vorderen Abteilen der Flugzeuge, bricht den Airlines auch der Umsatz weg. Zwischen 40 und 45 Prozent, so die Schätzungen der IATA, haben sich die Umsätze für die Airlines im Premiumbereich verringert. Immerhin werden in diesem Geschäftssegment 30 Prozent der Umsätze generiert, obwohl nur rund 10 Prozent der Passagier in der First- oder Business-Class fliegen. Ernüchternde Zahlen, die sich in den Quartalberichten der Fluglinien widerspiegeln.

AIRLINES VERORDNEN SICH SPARKURS

Und so ist nicht nur der nationale Flag Carrier AUA in eine beträchtliche Schieflage geraten. Auch die Blue Chips der Branche, wie eine Lufthansa oder British Airways, befinden sich in turbulentem finanziellen Fahrwasser. Angesichts des massiven Einbruchs im Geschäftsreiseverkehr denkt British Airways bereits über eine Verkleinerung der Business Class nach. CEO Willie Walsh hat Pläne bestätigt, bei einer weiter anhaltenden Schwäche des Marktes, die 70 Premiumplätze an Bord der Boeing 747 auf bestimmten Strecken von 70 auf 52 reduzieren zu wollen. Darüber hinaus könnte in Zukunft auf allen Flügen ab Gatwick die Business-Klasse komplett gestrichen werden. British Airways CEO Walsh ortet über die gegenwärtige Krise hinaus eine nachhaltige strukturelle Veränderung der Branche. Walsh sieht für die Zukunft eine Veränderung des Nachfrageverhaltens. Unternehmen, so seine Schlussfolgerungen, werden nicht mehr bereits sein, beträchtliche Summen für Reisen auszugeben. Er geht vielmehr davon aus, dass die Preise im Business-Segment weiterhin unter Druck bleiben und darüber hinaus immer mehr Geschäftsreisende in die Economy-Klasse abwandern werden.

Ein Trend, den die IATA mit ihren Markterhebungen belegt. Denn während die Passagierzahlen im Premiumbereich dramatisch einbrechen, gehen die Rückgänge in der Economy-Klasse bei weitem nicht so tief. Um 7,6 Prozent haben sich weltweit die Zahlen im Mai auf Jahresbasis verringert. Zwischen Europa und dem Mittleren Osten haben sich die Zahlen nicht zuletzt dank einer starken Marktpräsenz von Fluglinien wie Emirates, Qatar Airways und Etihad sogar erhöht. Und es sind auch diese Fluglinien, die nicht zuletzt dank finanziell potenter Eigentümer, bereits heute sehr gut für die Zukunft aufgestellt scheinen. Auch wenn eine Emirates, wie kürzlich von CEO Tim Clark angekündigt, bereits über eine Aufschiebung von Flugzeugauslieferungen nachzudenken beginnt. Demgegenüber setzen die europäischen Fluglinien bereits den Rotstift an. Selbst der notorisch widerspenstige Betriebsrat Bord der heimischen AUA hat in Rekordzeit einem Sparpaket zugestimmt, dass durch Einsparungen beim Personalaufwand zwischen 2010 und 2015 150 Millionen Euro Ergebnisverbesserung generieren soll. Aber auch Lufthansa und British Airways verlangen von ihren Mitarbeitern harte Einschnitte. „Climb 2011“ nennt die Lufthansa ihr Sparprogramm. Ein Programm, das unter anderem vorsieht, ein Fünftel der Stellen in der Verwaltung der Passagiersparte zu streichen. Und auch der Auslieferungsplan für die knapp 160 bestellten Maschinen soll überdacht werden. CEO Wolfgang Mayrhuber sieht in der aktuellen Wirtschaftskrise nicht einmal die Ursache für die gegenwärtig schwierige Situation. Die Krise mache nur schonungslos deutlich, wo die Schwächen der Lufthansa im Wettbewerb liegen. Trotzdem bleibt die Lufthansa eine der wenigen Fluglinien weltweit, die auch in Zukunft eine bedeutende Rolle in der Luftverkehrsbrache spielen werden. Eine Tatsache, die immer mehr europäische Fluglinien sehen und sich unter die Fittiche des Kranichs flüchten wollen. Swiss, Brussels Airlines und die britische bmi haben bereits einen sicheren Platz im Kranichnest gefunden. Die polnische LOT und die skandinavische SAS möchten es der AUA gleichtun und werben um das Interesse des potenten Bräutigams Lufthansa. Und so bringt auch die schmerzliche Krise wiederum Chancen, die für eine nachhaltige Veränderung der europäischen Luftverkehrslandschaft sorgen werden.

Christian Pöchhacker (180709)