Zu Gast bei AirbusAm 12. Juni war es endlich soweit. Nach monatelanger Vorbereitung konnte der Österreichische Luftfahrtverband zu einer Fachexkursion nach Hamburg abheben. Auf dem Programm stand ein Besuch des Airbus-Werkes in Finkenwerder, unter anderem Geburtsstätte des Mega-Airbus A380.

Auf Grund der strengen Vorschriften hatten nur 20 Teilnehmer Gelegenheit sich vor Ort ein Bild des europäischen Flugzeugbauers zu verschaffen. Diese erwartete allerdings ein Fachprogramm vom feinsten. Nach einer Einführung in die Welt von Airbus folgte eine überaus kompetente Werksführung durch Herrn Eberhart. Finkenwerder beherbergt auch eine Ausrüstungs- und Endmontagelinie für die Standardrumpffamilie A320. Diese Familie umfasst vom kleinsten Benjamin der Familin, dem A318 über den A319, A320 bis hin zum A321 unterschiedlich lange Varianten mit einer Kapazität zwischen 120 und 220 Passagieren. Der A320 bildet somit auch das wirtschaftliche Rückgrat von Airbus. Und so konnten auf der Endmontagelinie bereits Produktionsnummer 4004 bei der Ausrüstung des Rumpfes besichtigt werden. In Finkenwerder werden auch die Flugzeuge der A320-Familie an die Kunden übergeben. Aktuell werden von Airbus monatlich 34 Standardrumpfflugzeuge ausgeliefert. Allein in Hamburg wird alle zwei Tage ein Flugzeug seinem Kunden übergeben. Neben Hamburg verfügt der europäische Flugzeugbauer noch über eine Endmontagelinie im französischen Toulouse sowie neuerdings auch in China, wo schon demnächst der erste A320 für eine chinesische Airline die Endmontagelinie verlassen wird. Das chinesische Werk ist im Übrigen, wie Airbus-Mitarbeiter Eberhart betont, eine genaue Kopie der A320 Montagelinie in Deutschland. Insgesamt wurde im vergangenen Jahr eine Rekordzahl von 483 Flugzeugen an Kunden rund um den Globus ausgeliefert. Und auch für das laufende Jahr zeigt sich das Unternehmen zuversichtlich, trotz Wirtschaftskrise eine ähnlich hohe Zahl ausliefern zu können. Immerhin sind die Auftragsbücher prall gefüllt. Rund 3.700 Bestellungen warten noch auf ihre Erledigung. Damit sind die Produktionskapazitäten für die nächsten sechs bis sieben Jahre voll ausgelastet. Und auch wenn sich die Luftfahrtbranche zur Zeit mit wirtschaftlichen Problemen konfrontiert sieht, erwartet Airbus in den nächsten Jahren eine Rückkehr auch den Wachstumspfad mit durchschnittlichen jährlichen Zuwachsraten von fünf Prozent, wie der Pressechef von Airbus-Deutschland, Thore Prang, in seiner Präsentation hervor hebt.

DIE WIEGE DES A380

War schon die Geburt eines A320 vom Zusammenfügen der ersten Rumpfschalen bis hin zum fertigen Flugzeug ein beeindruckendes Erlebnis, so erreichte die Fachexkursion mit der exklusiven Besichtigung des Mega-Airbus A380 den Höhepunkt. Dank Zustimmung des Kunden Emirates konnte ein A380 noch im Rohzustand vor Einbau der Kabineneinrichtung von Innen besichtigt werden. Kein normaler Passagier kann sich vorstellen, was sich hinter der Kabinenverkleidung, dem Boden und der Decke alles an Kabelsträngen, Hydraulikleitungen und Luftversorgungseinrichtungen verbirgt. Allein die Kabel erreichen eine Gesamtlänge von unvorstellbaren 500 Kilometern. Erst wenn man unmittelbar vor dem Flugzeug steht, erschließen sich die gewaltigen Dimensionen, dieses für bis zu 800 Passagiere ausgelegten Riesen. Der mit 72,3 Meter lange Rumpf wird nur noch durch die 79,8 Meter messenden Tragflächen überboten. Die Tanks in den Tragflächen und ein Trimmtank im Leitwerk fassen insgesamt 324.000 Liter Kerosin. Das Leitwerk erhebt sich bis in eine Höhe von 24,10 Metern. Der A380 ist ein Flugzeug der Superlative, das seinen Entwicklern auch einiges an Kopfzerbrechen beschert hat. So hinkt Airbus beispielsweise bei den Auslieferungen noch immer hinter den ursprünglichen Planungen her. Ambitioniertes Ziel war ursprünglich eine Auslieferung von 45 Mega-Jets im Jahr. Für heuer rechnet Airbus mit 14 Auslieferungen, darunter die ersten zwei Flugzeuge für Air France. 12 A380 wurden 2008 übergeben. Insgesamt konnten sich aber schon mehr als eine Million Passagiere von den Vorzügen des jüngsten und größten Airbus-Sprosses überzeugen. Wobei die zum Teil euphorischen Rückmeldungen von Aussagen wie „eine extrem leise Kabine“ bis hin zu „tollem Raumgefühl“ reichen. Mit seinen zwei durchgehenden Decks bietet der A380 seinen Airlinebetreibern völlig neue Möglichkeiten. Die Sitzplatzkonfigurationen präsentieren sich entsprechend unterschiedlich. Zwischen 500 und 550 Passagiere finden in den Auslegungen von Singapore Airlines, Emirates und Qantas Platz. Sie haben ihre Flugzeuge mit drei Klassen ausgestattet. Emirates bietet seinen Business-Class Passagieren im hinteren Bereich des Oberdecks beispielsweise eine eigene Bar an. Passagiere der First-Class können sich erstmals in der Geschichte der Luftfahrt an Bord eines Flugzeugs eine erfrischende Dusche gönnen. Weniger komfortabel wird es an Bord der beiden von der französischen Fluglinie Air Austral georderten A380 zugehen. In einer ausschließlichen Economy-Auslegung bietet das Flugzeug Platz für 800 Passagiere. Niemals zuvor, war ein Flugzeug für derart viele Flugreisende ausgelegt. Bereits 200 Bestellungen für den A380 stehen in den Auftragsbüchern von Airbus. Mit großem Abstand bedeutendster Kunden für den Mega-Airbus ist der Flag Carrier des kleinen Golfemirates Dubai. Allein Emirates hat 58 A380 fest bestellt. Die australische Qantas belegt im Bestellranking mit 20 Flugzeugen Platz Zwei, gefolgt von Singapore Airlines mit einem Auftrag über 19 A380. In Europa haben Lufthansa (15), Air France (12) und British Aitrways (12) und Air Austral (2) den Mega-Airbus bestellt. Als erste europäische Fluglinie wird Air France noch in diesem Jahre ihre ersten beiden A380 erhalten.

NEUE UMWELTSTANDARDS

Der A380 setzt aber auch neue Umweltstandards. So verbraucht das Flugzeug um 15 Prozent weniger Treibstoff als die Vorgeneration. In seiner Maximalauslegung für 800 Passagiere wird der Verbrauch weniger als ein Liter pro Flugsessel betragen. Erreicht werden konnte dieses Ziel durch den Einsatz neuer Materialien wie Glare und Kohlefaser. Diese Materialen bringen wesentlich weniger Gewicht auf die Waage, als das bisher im Flugzeugbau gebräuchliche Aluminium. In einer typischen Drei-Klassen Auslegung liegt der Verbrauch bei immer noch respektablen 2,8 Litern pro Passagier. Darüber hinaus ist das Flugzeug wesentlich leiser als sein engster Mitbewerber, die Boeing 747. Dank des höheren Sitzplatzangebots, so das Kalkül der Airbus und Airline-Manager, sollte auch das Wachstum der Flüge etwas eingebremst werden. Gerade in überfüllten Airports wie London-Heathrow kommt die höhere Kapazität des A380 voll zum Tragen. Heathrow verfügt kaum mehr über Wachstumsreserven und so kann die steigende Nachfrage nach Flugreisen nur mit größerem Fluggerät befriedigt werden. Für die Zukunft hat sich Airbus noch ambitioniertere Ziele gesetzt, wie Airbus-Sprecher Thore Prang vor dem Österreichischen Luftfahrtverband betonte. Ziel sei es, bis 2020 eine Reduzierung des Treibstoffverbrauches und des Kohlendioxidausstoßes um 50 Prozent zu erreichen. Dem neuen Langstreckenflugzeug A350 XWB wird dabei eine entscheidende Rolle zukommen. Noch stärker als beim A380 setzt Airbus bei diesem Flugzeug auf den Einsatz neuer Werkstoffe. Eine innovative Triebwerkstechnologie besorgt den Rest. Immerhin 478 Bestellungen habe man bereits für dieses Flugzeug, das in unterschiedlichen Varianten Platz für bis zu 300 Passagiere bieten wird.

Leider wenig zu sehen bekommen wird man vom Mega-Airbus A380 in Österreich. Am neuen Skylink-Terminal wird zwar ein Gate für das Riesenflugzeug vorbereitet, doch ist nicht abzusehen wann der erste A380 auf österreichischem Boden landen wird. Als Langstreckenflugzeug konzipiert, wird das Flugzeug von seinen Erstkunden auch entsprechend eingesetzt. So kommt man bei Emirates auf immer mehr Strecken in den Genuss eines Fluges mit dem leisen und komfortablen Riesenjet. Ein Beispiel wäre ein Flug von London-Heathrow nach Dubai und dann einer Weiterflug nach Bangkok. Singapore Airlines setzt den A380 schon durchgängig von London nach Singapur und weiter nach Australien ein, ebenso wie die Qantas.

Christian Pöchhacker (130609)