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Die Luftafhrt im Jahr 2010Das Jahr 2009 ist Vergangenheit. Trotzdem wird von diesem Jahr noch viel die Rede sein. Immerhin handelte es sich dabei um ein Jahr, dass den internationalen Fluglinien noch nie dagewesene Verluste bescherte. Und auch das neue Jahr wird von einer weiteren Konsolidierung geprägt sein.

Aus österreichischer Sicht bedeutendstes Ereignis im Jahr 2009 war der Verkauf des Flag Carriers Austrian Airlines an die Lufthansa. Geprägt war das Verkehrsergebnis auch hierzulande von einem sehr schwachen wirtschaftlichen Umfeld. Dem entsprechend verringerte sich die Zahl der Passagiere im Vergleich zum Gesamtjahr 2008 um 10,2 Prozent. Insgesamt wurden zwischen Jänner und Dezember 9,9 Millionen Passagiere befördert. Dank rechtzeitig eingeleiteter Steuerungsmaßnahmen lag die Auslastungsquote nur um 0,9 Prozent unter Vorjahresniveau. Ermutigende Zeichen sieht das AUA-Management im Verkehrsergebnis des Dezembers. Mit 703.300 Passagieren hat die Airline um 1,7 Prozent mehr befördert als im Dezember 2008. Dennoch bleiben die Erträge stark unter Druck, wie die beiden Vorstände Andreas Bierwirth und Peter Malanik betonen. Für die Airline wird die Entwicklung des Jahres 2010 von entscheidender Bedeutung sein. Denn schon 2011 muss die AUA ein positives Ergebnis (EBIT) erwirtschaften um den eingeschlagenen Kurs weiter halten zu können. Gelingt dies nicht, muss die Airline Kapazitäten vom Markt nehmen. Ganz konkret spricht Vorstandsdirektor Malanik in diesem Zusammenhang von einer Reduzierung der Langstreckenflüge (s. Interview FLUG MAGAZIN 11/2009). Das Management gibt sich allerdings zuversichtlich, die Herausforderungen meistern und die Airline auf einen nachhaltigen Erfolgskurs bringen zu können. Demgegenüber bilanziert NIKI mit einem soliden Verkehrswachstum. Mit beachtlichen 28,6 Prozent Passagierzuwachs geht 2009 als besonderes Wachstumsjahr in die noch kurze Unternehmensgeschichte ein. 2,6 Millionen Passagiere konnte die Airline im abgelaufenen Jahr befördern. Nicht zuletzt durch die Aufnahme neuer Destinationen in den Flugplan rechnet die Airline im Jahr 2010 mit weiterem Wachstum.

ZAHLREICHE AUSLIEFERUNGEN, WENIG BESTELLUNGEN

Noch immer auf beruhigenden Auftragspolstern ausruhen können sich die beiden großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing. Aber während die Hersteller Flugzeuge im Rekordtempo ausliefern, brechen die Bestellungen für neue Flugzeuge ein. So lieferte allein Airbus im vergangenen Jahr 498 neue Flugzeuge aus – ein neuer Rekord für das europäische Unternehmen. Dank guter Dezemberergebnisse können sich auch die Auftragseingänge sehen lassen. Allein 85 Bestellungen verbuchte Airbus im letzten Monat des Jahres. Darunter auch 16 neue A330 Langstreckenflugzeuge für China Eastern, sechs A330 für die britische Virgin Atlantic und zwei A330 für die Finnair. Insgesamt füllten sich die Airbusauftragsbücher 2009 mit 310 Bestellungen. 2008 waren es noch 777 Bestellungen gewesen. Ein ähnliches Bild zeigt die Entwicklung des amerikanischen Mitbewerbers Boeing. Dort wirken sich Stornierungen für 59 Dreamliner negativ auf die Gesamtbilanz aus. So bleiben unter dem Strich nur 142 Neubestellungen übrig. Ohne Stornierungen hat Boeing 263 Aufträge für Neuflugzeuge verbuchen können. Dennoch können sich die beiden Hersteller über einen satten Auftragspolster von rund 7.000 neuen Verkehrsflugzeugen freuen. Die Auslastung der Werke ist für die nächsten Jahre gesichert. Dennoch warten sowohl auf Boeing als auch auf Airbus große Herausforderungen. Experten erwarten, dass die Produktionszahlen sinken werden. Darüber hinaus müssen die beiden Hersteller ihre jeweiligen Schlüsselprogramme in die Gewinnzone bringen. Airbus kämpft noch immer mit Produktionsproblemen beim A380. Die Auslieferungszahlen mussten auch 2009 nach unten korrigiert werden. Gleichzeitig laufen die Entwicklungsarbeiten für den Dreamliner-Konkurrenten A350XWB auf Hochtouren. Der Erstflug ist für 2012 geplant. Erste Auslieferungen sollen im darauf folgenden Jahr erfolgen. Nach wiederholten Problemen endlich in die Luft gebracht hat Boeing den 787 Dreamliner. Am 15. Dezember hob das Flugzeug erstmals in Seattle ab. Der Dreamliner ist ein Schlüsselprogramm für die Zukunft des Unternehmens. Rund 800 Bestellungen liegen für das weitgehend aus Verbundstoff gefertigte Flugzeug vor. Die Entwicklung erwies sich aber als anspruchsvoller als geplant. Mehr als zwei Jahre ist das Programm im Verzug. Boeing musste bereits Rückstellungen in Milliardenhöhe vornehmen. Umso wichtiger ist es für das Unternehmen, das Erprobungsprogramm 2010 ohne große Unterbrechungen zu Ende zu bringen und mit den Erstauslieferungen an die japanische ANA zu beginnen. Ein weiterer wichtiger Meilenstein steht mit dem Erstflug der neuen Jumbo-Version 747-8 an. Neben Frachtairlines haben sich mit Lufthansa und Korean Air erst zwei Kunden für die Passagierversion der neuen Jumbovariante entschieden.

STEIGENDE NACHFRAGE ABER HOHE VERLUSTE

Dass auch 2010 ein schwieriges Jahr für die Fluglinien werden wird, prognostiziert Giovanni Bisignani vom Dachverband IATA. Immerhin sollten sich die Verluste im Vergleich zu 2009 halbieren. Im vergangenen Jahre haben Fluglinien weltweit Verluste in der Größenordnung von 11 Milliarden US Dollar eingeflogen. Für 2010 erwartet die IATA Verluste in der Höhe von 5,6 Milliarden US Dollar. Zwei Problemfaktoren ortet Bisignani in diesem Zusammenhang. Zum einen steigen die Treibstoffkosten wieder, zum anderen bleiben die Einheitserträge (Yield) im Keller. So sind die durchschnittlichen Ticketpreise 2009 um 12 Prozent gefallen. Besonders die Premiumkunden in der Business Class sind im Vorjahr ausgeblieben. Trotzdem findet der IATA-Generaldirektor auch beruhigende Worte wenn er meint, dass das Schlimmste überstanden sei. Die Passagierzahlen sollten sich nach einem Rückgang von 4,1 Prozent im Jahr 2009 wieder um 4,5 Prozent erhöhen. Europäische Fluglinien sieht Bisignani im internationalen Vergleich 2010 auf der Verliererseite. Er sieht die Branche mit 2,5 Millionen US Dollar in der Verlustzone, während er für nordamerikanische Fluglinien einen Verlust von 2 Milliarden Dollar vorher sagt. Die einzig profitable Weltregion sieht Bisignani in Lateinamerika, wo die Airlines wie bereits schon 2009 wieder einen Gewinn, und zwar in der Größenordnung von 100 Millionen Dollar, einfliegen sollten.

 

Christian Pöchhacker (140110)