Luftfahrt International

Wachstumsmarkt AsienSchneller als andere Märkte erholt sich Asien von der internationalen Finanzkrise und deren Auswirkungen auf die Luftfahrt. Darüber hinaus hat Asien im vergangen Jahr Nordamerika als weltweit größten Luftverkehrsmarkt abgelöst. Und auch die beiden großen Hersteller Airbus und Boeing sehen in Asien einen bedeutenden Wachstumsmarkt der Zukunft.

647 Millionen Flugreisende konnten in Asien im Vorjahr gezählt werden. Auf Platz Zwei im weltweiten Ranking zurück gefallen ist Nordamerika mit 638 Millionen Passagieren. Bis 2013 rechnet die internationale Dachorganisation IATA mit weiteren 217 Millionen Flugreisenden. Auch die Fluglinien der Region erholen sich schneller von der Krise als in anderen Teilen der Welt. Während die Fluglinien im vergangenen Jahr weltweit 11 Milliarden Dollar an Verlusten einflogen, geht die IATA im laufenden Jahr von Verlusten in der Größenordnung von 5,6 Milliarden Dollar aus. In Asien akkumulierten sich die Verluste im Vorjahr auf 3,4 Milliarden Dollar, heuer sollen es nur mehr 700 Millionen Dollar werden. Größter Verlierer des vergangenen Jahres war die japanische Fluglinie JAL, die im Zuge einer geordneten Insolvenz neu aufgestellt werden soll. Als besonders stark wachsende Volkswirtschaft kommt China in dieser Rechnung eine besondere Bedeutung zu. Längst hat China Japan als größter asiatischer Luftverkehrsmarkt abgelöst. Während sich die Zahl von Verkehrsflugzeugen in Japan auf 540 summiert, zählt die Flotte Chinas bereits 1.400 Flugzeuge. Und das weitere Potenzial Chinas ist gewaltig. In einem entwickelten Markt wie den Vereinigten Staaten gibt es eine Kapazität von drei Flugzeugsitzen für jeden der rund 300 Millionen Einwohner. China zählt 1,3 Milliarden Einwohner, die Kapazität der Fluglinien liegt aber bei nur 0,3 Sitzen. Noch schlechter ist die Bilanz Indiens mit nur 0,1 Flugzeugsitzen für die 1,1 Milliarden Einwohner. Giovanni Bisignani, der Generaldirektor der IATA, ist sich sicher, dass sich der weltweite Flugverkehr verdreifachen wird, wenn die Menschen in Asien ähnlich oft fliegen werden wie die in den Vereinigten Staaten. Dazu wird es aber auch notwendig sein, die vergleichsweise stark reglementierten Märkte weiter zu liberalisieren. In den ASEAN-Staaten wurden bereits Ziele für eine weitere Liberalisierung bis zum Jahr 2015 definiert.

 

WACHSTUMSMARKT FÜR FLUGZEUGHERSTELLER

Naturgemäß ein begehrliches Auge auf die Wachstumsregion Asien haben die Flugzeughersteller geworfen. Sie sehen dort in den nächsten Jahres ein gewaltiges Absatzpotenzial für neue Flugzeuge. Allein Airbus schätzt den Bedarf neuer Flugzeuge über einen Zeitraum von 20 Jahren auf 8.000 Einheiten. Den Wert dieser Flugzeuge gibt Airbus mit der beinahe unglaublichen Summe von 1,2 Trillionen US Dollar an. Airbus geht dabei mit den Einschätzungen der IATA konform, dass der asiatische Markt in den kommenden Jahren stärker wachsen wird als in anderen Weltregionen. Während in Asien die Passagierzahlen um jährlich durchschnittlich 5,9 Prozent zulegen sollten, schätzt Airbus die Zuwachsraten weltweit auf jährlich 4,7 Prozent. Und was Airbus und Boeing besonders freut ist die Tatsache, dass in erster Linie Großraumflugzeuge benötigt werden, um dieses Wachstum auch bewältigen zu können. So geht Airbus von einem Bedarf von 880 Flugzeugen in der Größenordnung der A380/747 aus, während 2.570 Widebodies der A350/777-Klasse benötigt werden. Ergänzt werden diese Großraumflugzeuge, sogenannten Twin-Aisles, von 4.560 Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen. Die hohe Zahl von Großraumflugzeugen begründet Airbus mit den Bevölkerungszahlen in den großen Ballungszentren Asiens. Nicht nur im interkontinentalen Langstreckenverkehr, sondern auch im Verkehr zwischen diesen Ballungszentren werden diese Flugzeuge in Zukunft verstärkt eingesetzt werden, gibt sich Airbus in seiner Markteinschätzung sicher. Aber auch im Kurz- und Mittelstreckenverkehr sieht Airbus durch das Wachstum von asiatischen Billigfluglinien neue Dynamik. Bereits heute ist Asien ein Schlüsselmarkt des europäischen Flugzeugherstellers. Ein Viertel aller bisherigen Bestellungen kamen von asiatischen Fluglinien. 1.430 Airbus-Flugzeuge sind bei 66 Fluglinien in der Region im Einsatz. Weitere 1.120 Bestellungen von asiatischen Kunden befinden sich in den Auftragsbüchern, ein Anteil von 32 Prozent am vorhandenen Auftragspolster.

Christian Pöchhacker (200210)