ÖLFV Premium Partner | Austrian Airlines

AUA und Lufthansa legen BilanzErwartungsgemäß tiefrot präsentiert sich die Bilanz der heimischen AUA. Dem gegenüber konnte die Mutter Lufthansa einen operativen Gewinn in der Höhe von 130 Mio. Euro erzielen. Sowohl AUA als auch Lufthansa erwarten trotz vieler Unsicherheitsfaktoren im laufenden Jahr eine Verbesserung der Geschäftsergebnisse.

Als alles andere als befriedigend bezeichnen die AUA-Vorstände Andreas Bierwirth und Peter Malanik das Ergebnis des Vorjahres. Die in der zweiten Jahreshälfte 2009 gesetzten Maßnahmen, so die Vorstände, beginnen zu greifen. Dennoch gilt es das begonnene Sanierungsprogramm 2010 weiter konsequent umzusetzen. Dazu zählt der weitere Abbau von Mitarbeitern ebenso wie eine Restrukturierung der Organisation. Erst kürzlich wurde eine tiefgreifende Reorganisation des Bereichs Technik bekannt gegeben. Unter dem Namen „Austrian Next Generation“ setzt das Unternehmen ein Konzept um, das eine umfassende Neuausrichtung zum Ziel hat. Zum einen setzt die AUA auf eine neue Marktstrategie im Europaverkehr. Als Qualitätsairline plant die Airline in Bereichen die Qualität weiter zu steigern, wo es relevant ist. So werden auf wichtigen Strecken mit hohem Passagiervolumen die Zahl der Flüge erhöht und größere Flugzeuge eingesetzt. Andererseits werden die Kosten massiv gesenkt um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Bis Ende 2010 soll der Personalstand auf rund 6.000 Vollzeitstellen sinken. Darüber hinaus werden gemeinsam mit dem Betriebsrat vereinbarte Maßnahmen umgesetzt und es wird weiterhin über eine Reform der Kollektivvertragsregelungen verhandelt. Als dritte Säule dient die Zusammenarbeit mit der neuen Mutter Lufthansa. Sukzessive werden immer mehr Synergiepotenziale genutzt. So werden die Vertriebseinheiten zusammen gelegt und gemeinsame Slaes Tools genutzt. Ein ähnliches Konzept wird bereits im Bereich Ground Operations umgesetzt. Und im Einkauf kann die AUA die Marktstärke der Lufthansa nutzen. Erklärtes Ziel ist es, im laufenden Jahr einen positiven Cash Flow zu erzielen. 2011 soll dann wieder ein positives operatives Ergebnis (EBIT) in der Bilanz ausgewiesen werden. Nur so wird es, nicht zuletzt auf Grund der Fusionsauflagen, möglich sein, über das Jahr 2011 hinaus weiter wachsen zu können.

 

DIE BILANZEN IM DETAIL

Mit einer rückläufigen Erlösentwicklung hatten sowohl die AUA als auch die Lufthansa im vergangenen Jahr zu kämpfen. Nicht zuletzt eine sehr schwache Nachfrage führte dazu, dass bei der AUA die Umsatzerlöse um 20,3 Prozent auf 1.963,4 Mio. Euro sanken. Die gesamte Betriebsleistung verringerte sich um 18,6 Prozent auf 2.060,1 Mio. Euro. Im Lufthansa Konzern verringerte sich der Umsatz um 10,3 Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. Demgegenüber konnte die AUA ihren Betriebsaufwand um 17,2 Prozent oder fast 500 Mio. Euro reduzieren. Im Lufthansa Konzern sanken die Aufwendungen um 3,6 Prozent auf 24,8 Milliarden Euro. Profitieren konnten die Fluglinien im Vorjahr von einem stark gesunkenen Treibstoffpreis, der aber von rückläufigen Passagierzahlen besonders im Premiumbereich mehr als wettgemacht wurde. Während die Lufthansa einen operativen Gewinn (EBIT) von 130 Mio. Euro ausweisen konnte (minus 1,2 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr), präsentiert sich die Bilanz der AUA mit einem EBIT von minus 293,9 Mio. Euro (2008: minus 312,1 Mio. Euro) tiefrot. Das Ergebnis der AUA beinhaltet allerdings auch erhebliche Sondereffekte. Größte Posten sind 78,8 Mio. Euro Abwertung für Flugzeuge und 145,1 Mio Euro Vorsorge für Restrukturierungskosten. Bereinigt man das EBIT um die Summe der Sondereffekte, dann ergibt sich das bereinigte EBIT, das Auskunft über die operative Ertragskraft des Unternehmens im engeren Sinn gibt. Dieses betrug minus 93,8 Mio. Euro (2008: minus 35,2 Mio. Euro) für das Gesamtjahr 2009. Spürbar besser verlief dabei das zweite Halbjahr 2009, das mit einem EBIT von minus 5,4 Mio. Euro ein deutlich besseres Ergebnis lieferte als die erste Jahreshälfte mit minus 88,4 Mio. Euro. Inklusive einem negativen Finanzergebnis von 45 Mio. Euro und dem Ergebnis aus zur Veräußerung bestimmten Geschäftsbereichen (10,6 Mio. Euro) betrug das Ergebnis nach Steuern somit minus 325,9 Mio. Euro nach 429,5 Mio. Euro im Jahr 2008.

Obwohl es der Lufthansa Konzern geschafft hat, in einem sehr herausfordernden Umfeld einen operativen Gewinn zu erwirtschaften, zeigt sich Lufthansa Vorstand Wolfgang Mayrhuber mit den Zahlen zwar nicht zufrieden, hält sie aber angesichts der schwierigen Bedingungen dennoch für bemerkenswert. Im Bereich „Passage Airline Gruppe“, das neben dem Passagebereich der Lufthansa auch Germanwings, Swiss, die britische bmi und die AUA umfasst, wurde ein operativer Gewinn mit einem Minus von acht Mio. Euro nur knapp verfehlt. Um der negative Entwicklung im Kerngeschäft entgegen zu wirken, haben alle Konzerngesellschaften Ergebnissicherungsmaßnahmen ergriffen. Ziel ist eine nachhaltige Ergebnisverbesserung von einer Milliarde Euro bis zum Ende des Jahres 2011. Betrachtet man die Ergebnisse der einzelnen Airlinegesellschaften im Bereich Passage genauer, dann fällt auf, dass auch die Lufthansa in diesem Geschäftsfeld im Vorjahr ein negatives Ergebnis in der Größenordnung von 107 Mio. Euro eingeflogen hat. Die britische bmi trug mit einem Verlust von 78 Mio. Euro zu diesem Ergebnis bei. Bei der AUA summierten sich die Verluste zwischen Übernahmestichtag und Jahresende auf 31 Mio. Euro. Einzig Swiss und Germanwings erzielten positive Ergebnisbeiträge. Bei der Swiss lag der operative Gewinn bei 93 Mio. Euro, während die Low Cost Tochter Germanwings einen Gewinn von 24 Mio. Euro einflog.

Christian Pöchhacker (170310)