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Drehscheiben der WirtschaftAuch wenn der internationale Luftverkehr zur Zeit in der Krise steckt, werden sich die Wachstumszahlen erholen und die Branche wieder zu ihrem gewohnten Wachstumskurs zurückfinden. Die wesentlichen Treiber dieses Wachstums sind Fluglinien und Flughäfen.

ÖIAG Vorstandsdirektor Dr. Peter Michaelis bringt die Fusion zwischen Lufthansa und Austrian Airlines auf den Punkt, wenn er meint, dass eine starke AUA von eminenter Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Österreich hat. Nicht umsonst haben zahlreiche internationale Unternehmen ihr Osteuropaheadquarter in Wien. Ein wesentlicher Faktor für diese Entscheidung war das umfangreiche Osteuropanetzwerk der AUA. Dem entsprechend ist die Luftverkehrsdrehscheibe Wien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Pro einer Million Passagiere werden rund 1.000 Arbeitsplätze am Flughafen neu geschaffen. Alleine die Flughafen Wien Gruppe beschäftigt rund 3.800 Mitarbeiter. Am Standort arbeiten insgesamt 16.000 Menschen in 230 Unternehmen und erwirtschaften einen Umsatz von drei Milliarden Euro. Mit diesen 16.000 Beschäftigten ist der Standort Flughafen Wien der größte Arbeitgeber in Ostösterreich. Dazu kommen noch einmal 52.500 Jobs und ein Umsatz von 6,3 Milliarden Euro in Österreich, die direkt mit dem Flughafen in Zusammenhang stehen. Zusammen erwirtschaften diese 68.500 Beschäftigten eine Wertschöpfung im Ausmaß von 4,8 Milliarden Euro. Das sind etwas über zwei Prozent der gesamten in Österreich generierten Bruttowertschöpfung. Jeder Euro Umsatz, der am Standort Flughafen erwirtschaftet wird, bewirkt 0,40 Euro Wertschöpfung am Standort und liefert einen Gesamtbeitrag von 1,6 Euro zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt (BIP). Darüber hinaus kann sich der Finanzminister über ein Steueraufkommen von knapp einer Milliarde Euro pro Jahr freuen. Außerdem werden Importströme von etwa 1,7 Milliarden Euro ausgelöst.

 

Skylink als wichtiger Wettbewerbsfaktor

Trotz aller Probleme bleibt das Terminal Skylink eines der wichtigsten Zukunftsprojekte des Flughafens. Gemeinsam mit Frankfurt, München und Zürich eingebunden in das Lufthansa-Multihubsystem, bleibt Wien ein wichtiger Knotenpunkt für Umsteiger. Auch wenn Transferverkehr und Passagierzahlen nicht zuletzt krisenbedingt gesunken sind, wird die AUA von der starken Mutter Lufthansa profitieren können. Das Beispiel der SWISS zeigt, dass selbst in Zeiten der Krisen das Angebot weiter ausgebaut wird, nicht zuletzt auch im Langstreckenbereich, was sich positiv auf die Zahl der Transferpassagiere auswirkt. Während der Flughafen Wien im Transfersegment im Jahr 2009 einen Rückgang um 8,2 Prozent auf rd. 5,5 Mio. Passagieren verzeichnen musste, stieg die Zahl der Umsteiger in Zürich um 3,2 % und erreichte damit eine Anzahl von 8 Mio. Flugreisenden. Rund 90 Prozent des Umsteigerverkehrs in Zürich wird von der Swiss abgewickelt. Dem entsprechend weist Zürich einen Transferanteil von 36,6 % auf, während Wien nur mehr auf 30 % kommt. Die Zahlen sind auch insofern vergleichbar, als dass faktisch beinahe ausschließlich nur die jeweiligen Home Carrier Umsteigeverkehr generieren. In der Schweiz brachte der Einstieg der Lufthansa eine Initialzündung für die, aus den Resten der Swissair hervor gegangenen SWISS. Auch in Österreich sieht AUA-Vorstandsdirektor Dr. Peter Malanik durch den Einstieg der Lufthansa neue Chancen auf Wachstum mit einem größeren und abgesicherten Netzwerk. Zu einem, auch von Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Mayrhuber anerkannt hervorragenden Airlineprodukt, gehört ein effizienter und attraktiver Flughafen. Mit der Inbetriebnahme des neuen Terminals wird der Flughafen über eine Kapazität von 28 Millionen Passagieren verfügen. Als wichtigstes Kriterium bleibt die Mindestumsteigezeit von nur 25 Minuten. Ein weltweiter Spitzenwert und wichtiger Wettbewerbsvorteil. Denn auch in Zukunft werden die Hauptzielmärkte der AUA und des Flughafens in Zentral- und Osteuropa liegen. Nicht zuletzt der Einstieg der Lufthansa, präzisiert AUA-Vorstandsdirektor Dr. Andreas Bierwirth, sichert das bestehende bereits sehr dichte Osteuropanetzwerk der Airline in der bestehenden Breite. Vorstandsdirektor Malanik gibt sich optimistisch, dieses Netzwerk in Zukunft noch enger knüpfen zu können.

 

Erste Hoffnungsschimmer

Noch ist es für ein Aufatmen zu früh. Doch wie in anderen Wirtschaftsbereichen zeigen sich in der Luftfahrt erste Zeichen einer langsamen Entspannung. Wolfgang Mayrhuber sieht eine Stabilisierung der Einheitserträge (Yields), wenn auch auf niedrigem Niveau. Besonders der für Airlines lukrative Premiumverkehr in der First- und Business-Class war von der Krise besonders betroffen. Um nicht weniger als 23,6 Prozent hat sich der Premiumverkehr im Mai zum Vergleichsmonat des Vorjahres verringert. Seit nunmehr 12 Monaten, so das ernüchternde Ergebnis der IATA-Studie, habe sich der Premiumverkehr Monat für Monat verringert. Nach einem Rückfall um 19,2 Prozent im ersten Quartal des Vorjahres und einem Rückgang um 22 Prozent im April, nunmehr das mehr als ernüchternde Ergebnis für den Mai. Besonders betroffen von diesem Einbruch ist Asien, wo ein Rückgang von 31,6 % verzeichnet wurde. Auf den internationalen Strecken zwischen Asien und Europa summiert sich der Rückgang auf 26,3 Prozent. Darüber hinaus beginnt sich auch der zunehmende Preiskampf um die Passagiere der First- und Business-Class negativ auf die Erträge auszuwirken. Denn abgesehen von weniger Passagieren in den vorderen Abteilen der Flugzeuge, bricht den Airlines auch der Umsatz weg. Zwischen 40 und 45 Prozent, so die Schätzungen der IATA, haben sich die Umsätze für die Airlines im Premiumbereich verringert. Immerhin werden in diesem Geschäftssegment 30 Prozent der Umsätze generiert, obwohl nur rund 10 Prozent der Passagier in der First- oder Business-Class fliegen. Ernüchternde Zahlen, die sich in den Quartalberichten der Fluglinien widerspiegeln. Auch die jüngsten Hoffnungssignale werden die Airlinebilanzen für dieses Jahr nicht mehr retten können. Und so wird die Krise auch zu einer weitgehenden Neuordnung des Wettbewerbumfeldes führen. So hat sich erst kürzlich Air France/KLM aus dem Privatisierungsverfahren des Allianzpartners CSA zurück gezogen, während die ungarische MALEV rückverstaatlicht wurde. Sky Europa ist erwartungsgemäß der finanzielle Atem endgültig ausgegangen. Selbst die erfolgreiche Lufthansa hat sich ein Sparprogramm auferlegt. Das erklärte Ziel ist es, gestärkt aus der Krise hervor zu gehen. Die neue Mutter der AUA ist aber eine der wenigen Fluglinien weltweit, die weiter in den Ausbau des Netzwerkes investiert. Darüber hinaus ortet Lufthansa Vorstandsdirektor Wolfgang Mayrhuber seitens der Aufsichtsbehörden in Brüssel die Bereitschaft, den Luftverkehrsstandort Europa zu stärken. Ein Problem zu dem laut Mayrhuber die hohe Fragmentierung des europäischen Marktes gehört. Eine Konsolidierung, die nicht zuletzt durch die Übernahme der AUA durch die Lufthansa einen großen Schritt nach vorne gemacht hat.

Christian Pöchhacker (170310)