Aviation International

Hamburg Aviation Conference 2010„Die Wirtschaftskrise hat uns hart getroffen!“ Diese sechs Worte beschreiben den Tenor der 13. Hamburg Aviation Conference, die auch heuer wieder die wichtigsten Luftfahrtexperten der Welt zusammenbrachte um das Thema „„Strategy and Innovation in Aviation: Beyond the Current Crisis“ zu diskutieren, wohl am besten.

Das Wetter passte sich den Umständen der Branche an, es schneite und der Wind blies den Teilnehmern eiskalt ins Gesicht. Die Zukunft stellt die Branche vor große Herausforderungen und der Druck auf einzelne Carrier – Modelle wird immer größer.

Die Perspektive stimmt nicht gerade fröhlich, eine Erholung wird prognostiziert, jedoch nur kurzfristig und diese scheint eher in den so genannten Boom - Märkten von statten zu gehen. Zu welchen Europa und Nordamerika zweifelsohne schon lange nicht mehr gehören. Längst zählen Asien und der arabische Raum zu den boomenden Märkten, denn wenn man die einzelnen Graphen genauer betrachtet, ist in den letzten Jahren sämtliches Money in diesen Märkten verdient worden - zu groß ist der Kostendruck in Europa und Nordamerika, wo sich bereits zahlreiche Low - Cost - Carrier etablieren konnten, geworden.

Brian Pearce, Referent der IATA, konnte in seiner Präsentation bereits positive Signale erkennen. Die Nachfrage sowohl in der Passage als auch in der Fracht, welche sehr stark an den weltweiten Warenverkehr gekoppelt ist, scheint auf die nächsten zwölf Monate gesehen zu steigen, jedoch entwickeln sich auch hier die Märkte unterschiedlich. Der Unterschied zwischen Europa, Asien und Nordamerika ist hier deutlich zu erkennen, man erkennt, dass die ganze Airline - Branche extrem zyklisch aufgestellt ist. Die deutlich sichtbare Erholung bei den Passagierzahlen fand im Volumen mehr im Economy - Bereich als im Premium - Bereich statt. Die Fluglinien haben ihre gewohnte Auslastung wieder erreicht, in dem man die enorme Überkapazität, welche in den letzten Jahren am Markt entstanden war, mit Kapazitätskürzungen in dem Griff bekam. „Das größte Problem der Branche ist die enorme Verschuldung der Airlines. Hintergrund ist das Problem der Wertschöpfungskette. Während Hersteller, Maintenance oder Reisebüros über die Ausgabenseite der Airlines einen Ertrag erwirtschaften, verlieren Airlines aufgrund der tendenziell stagnierenden Einnahmenseite so viel Geld.“, so Pearce.

Prof. David Gillen, Referent der Transport - Universität aus Vancouver/Kanada, untersuchte in seinem Beitrag die Faktorengruppe mit Einfluss auf den Luftverkehr. Zu den traditionellen wirtschaftlichen Variablen seien neue Wirtschaftsszenarien als auch neue Faktoren, wie zum Beispiel der Emissionshandel, welche bisher nicht erkannt wurden dazugekommen. Laut David Gillen wird das zukünftige starke Wachstum eher nur in den Schwellenländern wie Brasilien und Südostasien stattfinden können, sollten die restlichen Staaten den wesentlichen Trend der Verkehrsabkommen nicht beachten und weiter umsetzen. (Anmerkung der Redaktion: Das Openskies Agreement ist eine internationale Vereinbarung für die gegenseitige marktwirtschaftliche Liberalisierung des jeweiligen zivilen Luftfahrtsektor, der durch zivile Fluggesellschaften verkörpert wird. Dieses Agreement soll Fluggesellschaften ermöglichen, uneingeschränkt alle US – Flughäfen Zu einer ähnlichen Einschätzung kam Prof Dr. Borislav Bjelic, der die Finanzierung von Aviation Investments erörterte. Der zukünftige Airline - Markt wird von drei wesentlichen Rahmenbedingungen beeinflusst werden. Während neue Anbieter eher unwahrscheinlich sind, gewinnen Airlines Zusammenschlüsse, Konsolidierungen sowie Restrukturierungen zusehends an Bedeutung und zeigen einen deutlich positiven Trend für die Zukunft.

Den Abschluss bildeten Dr. Peter Forsyth von der Monash University, Australia sowie Dr. Nicole Adler von der Hebrew University of Jerusalem. Hier kam man zu der Erkenntnis, dass die Luftverkehrsbranche die Talsohle durchschritten hat, allerdings wird das Wachstum deutlich schwächer ausfallen als bisher. Die Erträge sind aufgrund der starken Veränderung des Buchungsverhaltens weiter niedrig und unter Druck. Erst bei steigender Nachfrage und steigenden Erlösen ist es sinnvoll, die tatsächlich vorhandene Kapazität und die Inbetriebnahme vorhandener Flugzeuge, welche in den letzten Monaten geparkt wurden, zu aktivieren und diese wieder in den Flugplan einzusetzen. Als Grundlage diverser Annahmen und Erkenntnisse ist ein konstantes Wachstum sowie eine Erholung der Weltwirtschaft als auch die wiederkommende positive Wahrnehmung des Luftverkehrsmarktes vorauszusetzen.

Zu diesem Ergebnis kamen über 230 Wissenschaftler und Führungskräfte der Luftverkehrswirtschaft aus 20 Ländern auf der Hamburg Aviation Conference 2010.