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Was zunächst unwahrscheinlich schien, könnte bald Realität werden

Das umweltfreundliche Kerosienwerk kleinerBislang galt Kerosin als fossiler, daher als nicht erneuerbarer Rohstoff. Bereits seit langer Zeit forschen die Airlines und auch die beiden größten Flugzeughersteller der Welt, Airbus und Boeing, auf dem Gebiet der alternativen Treibstoffe. Erst am 01. Februar 2008 flog ein Airbus A380 mit so genanntem GTL – Kraftstoff (Gas to Liquid) von Flinton (England) nach Toulouse. Zahlreiche Airlines wie Virgin Atlantic aus Großbritannien, Air New Zealand aus Neuseeland oder auch Qatar Airways aus dem arabischen Emirat Katar starteten aufgrund der stark ansteigenden Ölpreise bereits Testversuche mit alternativen Treibstoffen. Dabei setzten alle drei Airlines jedoch auf unterschiedliche Technologien.

 Brachte Virgin Atlantic auf ihrem Testflug am 24. Februar 2008 von London Heathrow nach Amsterdam ein Treibstoffgemisch, das sich zu 80% aus herkömmlichem Kerosin und zu 20% aus Biosprit, welcher sich unter anderem aus Kokosöl zusammensetzt, zum Einsatz, verwendete Air New Zealand bei ihrem Flug am 30. Dezember 2008 anstatt von Kokosöl die Nahrungsmittelpflanze Jatropha als Biokraftstoff. „Während des Testfluges ergaben sich erstaunliche Ergebnisse, so dass es unser Ziel ist, wenn nicht die ganze, dann aber einen Teil unserer Inlandsflotte mit Biokraftstoffen zu betreiben“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer von Air New Zealand, Norm Thompson.

 So testete Qatar Airways auf ihrem Flug am 12. Oktober 2008 von London Gatwick nach Doha (Qatar) ein von Shell entwickeltes Kraftstoffgemisch, welches sich zu 50% aus synthetischem GTL – Kerosin (Gast to Liquid) und zu 50% aus herkömmlichem Kerosin auf Mineralölbasis zusammensetzt. Ab dem Jahr 2012 will Katar im Rahmen des Projekts Pearl GTL jährlich rund 1 Mio. Tonnen GTL Kerosin herstellen. „Diese Menge reicht im Gemisch mit konventionellem Kerosin in etwa aus, ein Verkehrsflugzeug für eine halbe Milliarde Flugkilometer mit Treibstoff zu versorgen“, erklärte Qatar Airways Vorstandschef Akbar Al Baker bei einer Pressekonferenz in Qatar.

 Das Problem, welches sich jedoch bei allen Testversuchen zeigte war, dass herkömmliches Kerosin einem Großteil der Gemische zugefügt werden muss. Zwar wurden die CO2 Emissionen deutlich reduziert, Ziel ist es allerdings, einen Treibstoff zu finden, der vollständig aus recyclebaren Substanzen hergestellt werden kann.

 Seit geraumer Zeit unternimmt British Airways gemeinsam mit der Solena Group Versuche, ein umweltfreundliches Kerosinwerk zu entwickeln. Bei einer Pressekonferenz am 16. Februar 2010 erklärte sich das internationale Unternehmen ARCADIS einverstanden, die Projektleitung für den Bau eines umweltfreundlichen Kerosinwerkes zu übernehmen.

 Derzeit sucht man in London nach dem geeigneten Standort, der über gute Transportverbindungen und eine ständige Versorgung mit Rohstoffen verfügen muss.

 Boris Johnson, der Bürgermeister von London, war sichtlich begeistert von dem Projekt und erklärte: “Ich begrüße diese fantastische neue Anlage hier in London, die kohlenstoffarmen Treibstoff produzieren wird. Die City Hall hat bis heute mit British Airways und Solena zusammengearbeitet, um dieses Projekt voranzutreiben, das uns dabei hilft, das enorme Potenzial freizulegen und somit sauberere, weniger belastende Energie aus Abfall produzieren zu können, der sonst für die Deponie bestimmt wäre.”

 Das Flugbenzin wird durch Plasmavergasung von Biomasse in BioSynGas verwandelt, das anschließend von Fischer Tropsch in Biokerosin umgewandelt wird. Die Anlage kann alle Arten von Biomasse und kohlenstoffhaltigen Reststoffen verarbeiten, die hauptsächlich aus Sondermüllanlagen vor Ort stammen. Außer umweltfreundlicher Schlacke, die als Bauzuschlagstoff verwendet werden kann, fallen bei diesem Verfahren keine Abfallstoffe an. Nach Fertigstellung wird die Anlage jährlich 500.000 Tonnen an Material auf Kohlenstoffbasis in 16 Millionen Gallonen Kerosin verwandeln. Dieser Prozess bietet Treibhausgas-Einsparungen von bis zu 95% im Vergleich zu Kerosin, das aus fossilen Brennstoffen abgeleitet wird. Dadurch reduzieren sich die jährlichen Kohlenstoffemissionen potenziell um 145.000 Tonnen – eine Menge, die 48.000 aus dem Verkehr gezogenen Autos entspricht. Die Anlage wird mehr als das Doppelte an Kerosin produzieren, das benötigt würde, um alle British Airways Flüge vom London City Airport anzutreiben. Die erste Lieferung ist für 2014 vorgesehen.

 “ARCADIS kann eine großartige Bilanz vorweisen, was die Bereitstellung groß angelegter, komplexer Bauprojekte und seine Leidenschaft für Nachhaltigkeit und Engagement für die Umwelt betrifft. Es ist nur logisch, dass wir uns für ein solches Projekt jemanden wie ARCADIS als Partner aussuchen, und wir freuen uns schon darauf, noch weiter auf diese bereits erfolgreiche Partnerschaft aufzubauen”, erklärte Jim Davis, British Airways.

 ARCADIS ist ein führender internationaler Anbieter von Beratungs-, Projektmanagement- und Ingenieur-Dienstleistungen. Derzeit umfasst der Mitarbeiterstand des Unternehmens 15 000, die einen Jahresumsatz von rund 2 Mrd. US Dollar erwirtschaften.

 

(Ausgabe 04/2010)