Österreichischer Luftfahrtverband

Luftfahrt-Personenschutz: wird mit neuen Technologien verbessert
Operationell-technische Sicherheit ist größtenteils gegeben
 

Titelbild LFS 2010 kleiner„Die Luftfahrt ist die sicherste Art sich fortzubewegen“ meinte der Präsident des Österreichischen Luftfahrtverbandes, Mario Rehulka, zu Beginn des 9. Luftfahrt Symposiums „Das Neueste in Luftfahrt-Sicherheit“ in der RZB.

Fachleute behaupten, das Flugzeug wäre zehnmal sicherer als die Bahn und hundert Mal so sicher wie der PKW. Der deutsche Ausdruck „Sicherheit“ sei im Englischen unterteilt in operationell-technische Sicherheit (Safety) und Personen- und Objektschutz (Security). Im Flugzeug-, Triebwerksbau, in Technik und Operations sind bereits sehr hohe Ansprüche der Safety erreicht.Im Bereich der Security, normalerweise Aufgaben der Öffentlichen Sicherheit der Staaten, sind alle Organe durch aufkeimenden Terrorismus gefordert. Um die Sicherheit einerseits gewährleisten zu können, andererseits für die zukünftige Passagier-Explosion in den kommenden Jahren gewappnet zu sein, arbeitet der Fluglinienweltverband IATA mit den Sicherheitsbehörden weltweit an einem „Checkpoint of the Future“. Es geht darum, den Personenschutz zu verbessern, den Passagierfluss zu vereinfachen, gleichzeitig aber eine bessere Effizienz bei Sicherheitsüberprüfungen zu gewährleisten.

Rehulka ist überzeugt, dass der Luftverkehr wieder jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich 5 Prozent erreicht, und dies bedeute eine Verdoppelung des Luftverkehrs bis zum Jahr 2030. Die Luftverkehrsbranche werde weiterhin unter Kostendruck stehen, die Konsolidierung der Branche schreite voran. Die Luftverkehrsbranche zahle ihre Wegekosten selbst und entwickelt mit den Flugzeugherstellern moderne Flugzeuge, schonendere Triebwerke und alternative Treibstoffe zur Reduzierung der Emissionen. Bis 2050 sollen die Abgase um 50 Prozent weltweit vermindert werden.

Für mehr Effizienz in der Kooperation der Branchenteilnehmer beim Thema Security, die rasche Öffnung des SkyLink und den Bau einer dritten Piste am Flughafen Wien sprachen sich die Teilnehmer aus. Neue Entwicklungen bei Boeing 787 und Airbus 380, neue Scanner-Technologien und Sicherheitseinrichtungen, Personenschutz wurden im Luftfahrt Symposium 2010 behandelt. Internationale Sprecher der IATA (Montreal), der Smiths Detection-Group (London), von Airbus (Toulouse) und Boeing (Seattle) haben die neuesten Aspekte des Personen- und Objektschutzes, der technisch-operationellen Sicherheit, des Flugzeugbaues und der Zulieferungen, sowie die Modernität des Luftverkehrs behandelt.

Spezielle österreichische Details wurden durch das BMVIT, das Einsatzkommando COBRA, die Austrian Aeronautics Industries Group (AAI) beigetragen.

In seiner Begrüßung zeigte RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner die Verbundenheit seines Bankkonzerns zur Luftfahrt auf. Vize-Generalsekretär Ing. Mag. Peter Koren verwies auf den Zusammenhang zwischen Luftfahrt-Sicherheit und Sicherheit des Wirtschaftsstandortes: die Befragung von 150 Unternehmen ergab, dass Steuersicherheit an erster Stelle der Standortqualität stehe, gefolgt von Sparwillen und Investitionen in die Zukunft, und gleich danach die Verkehrsanbindung wichtig wäre.

Auch WKO-Berufsgruppenobemann Christian Domany betonte die Bedeutung des Luftverkehrs für Österreich, wobei die Sicherheit als primäres Ziel und gleich danach die internationalen Kooperationen im Vordergrund stünden.

In Vertretung von Frau Bundesministerin Doris Bures unterstrich Kabinettchef Dr. August Reschreiter die Bedeutung der Luftfahrt für den Wirtschaftsstandort Österreich. Die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung und Absicherung diesen bedeutenden Wirtschaftsfaktors werden geschaffen durch eine unterstützte zügige Etablierung der Functional Air Blocks im Single European Sky und durch die Umsetzung der EU-Richtlinie für Flughafen-Entgelte bis März 2011 unter Bedachtnahme auf die relevanten Stakeholder. Auch ist zu hoffen, dass die in Kürze in Montreal stattfindende ICAO-Vollversammlung Fortschritte bringen wird, bei der Vielzahl der zu behandelten Themen sei hier vor allem das Thema Globale Etablierung des Emissionshandels angesprochen. Neben dem Take-off-Forschungsprogramm arbeite das Ministerium an der Road Map, dem strategischen Regierungsprogramm für die Luftfahrt bis 2020 zur wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Optimierung des Wirtschaftsstandortes Österreich; es soll Ende des Jahres vorgestellt werden. In den internationalen Gremien unterstütze das BMVIT die österreichischen Luftverkehrsunternehmen und koordiniere mit anderen Ministerien die Luftverkehrsbelange, auch in punkto Sicherheit. In Bezug auf Security sind rasch ungeklärte Fragen in Bezug auf die Wahrnehmung von Kompetenzen zu klären.

„Es macht wieder Spaß über Luftverkehr zu sprechen“ meinte Alan Pardoe in seinem Statement. Airbus geht von einem Wachstum von 4,7 % pro Jahr aus, was zu einer Verdoppelung des Luftverkehrs in den nächsten 20 Jahren führen wird. „Um der steigenden Nachfrage, der angestrebten Profitabilität der Fluglinien und der Reduktion der ökologischen Auswirkungen zu entsprechen, wird Airbus neue Technologien und Produkte auf den Markt bringen“ sagte Alan Pardoe, Director Marketing Communications aus Toulouse. Sie werden geringeren Treibstoffverbrauch, damit weniger Emissionen, größere operationelle Synergien zwischen den Airbus-Produkten, mehr Betriebsdateninformationen, alternative Treibstoffbeimengungen und zunehmende Erträge für die Airlines bringen. Der A 350 XWB wird aus 53 % Verbundwerkstoffteilen gebaut und neue Triebwerke haben. 36 Großraumflugzeuge A 380 fliegen jetzt bereits zu 20 Destinationen. Und sie verbrauchen nur mehr 3 Liter Treibstoff pro 100 Sitzkilometer.

„Boeings Beitrag zur Sicherheit liegt im Flugzeugdesign, im Testen und der genauen Beobachtung und Überwachung der Prozesse“, informierte Drew C. Margill, Marketing Director aus Seattle. Der Flugzeugmarkt wird weiter in den nächsten 20 Jahren wachsen; die Passagierzahlen werden nach Boeing-Schätzungen pro Jahr um 5,3 % zunehmen, die Flugzeuganzahl von derzeit 19.000 Flugzeugen auf 36.300 im Jahr 2030 zunehmen. Im Wettbewerb werden die Fluglinien auf Flexibilität in neuen Routen, bei der Finanzierung und auf Flottenvereinheitlichung setzen. Die Profitabilität wird ebenso wie die forcierte Umweltorientierung im Vordergrund stehen. Next Generation-Flugzeuge wie Boeing 737, der Jumbo B 747-8 und vor allem der B 787 Dreamliner werden zu Betriebskosten- und Emissionssenkungen von 20 % beitragen.

Der Erzeuger von Detektoren sieht in den kommenden Jahren höheren Aufwand für Fluglinien und Flughäfen bei Sicherheitsaufwendungen und –vorschriften. „Durchleuchtungsprozesse und Checkpoints müssen durch Zufälligkeit, Unvorhersehbarkeit und zur Abschreckung konstruiert sein“ sagte Magnus Ovilius, Vice President Government Relations der Smiths Group. Auf geringster Fläche sollen verborgene Geräte, Stoffe, Flüssigkeiten, Material erkannt, entdeckt oder aufgedeckt werden. Denn Terroristen werden immer versuchen, Schutzeinrichtungen zu umgehen. Dabei kommen verschiedenartigste Technologien zur Anwendung. Die Smiths Detection Group produziert zugelassene Technologieprodukte zur Gefahren-Detektion und Identifizierung chemischer, biologischer, radiologischer, gefährlicher bzw. illegaler Objekte und sind Marktführer im Bereich Transportsicherheit. Sie sind auch Produzenten des Ganzkörper-Sicherheits-Scanners mittels neuester Millimeterwellen und neuerdings auch von tragbaren Flüssigkeits-Scannern. Viel hält Ovilius auch von Videoüberwachungsanlagen (CCTV-Closed Circuit TV).

Der IATA Senior Vice President für Safety, Operations & Infrastructure aus Montreal, Ing. Günther Matschnigg, sprach über „Die weltweite Sicherheit im Luftverkehr und die vorgesehenen Erleichterungen der Verfahren“. Die operationell-technische Sicherheit (Safety) wäre weltweit größtenteils gegeben, das Flugzeug ist ein sicheres Verkehrsmittel. Die Security-Strategie (Personen- und Objektschutz) der IATA ist auf 5 Säulen aufgebaut: gefährdungsbedingte Vorgehensweise, Formung von Regulierungen, enge Koordination, Innovationen und neue Technologien, Kosteneffizienz. Die 230 IATA-Fluglinien befördern 93 % des Linienflugverkehrs und wenden jährlich 5,9 Milliarden US-Dollar für Personenschutz auf. Hier wird weltweit mit allen Behörden und Regierungen zusammengearbeitet um den Passagierfluss zu vereinfachen, die Sicherheitsüberprüfungen allerdings zu verbessern. Intensiver Austausch der wichtigsten Daten und deren Koordination steht im Vordergrund, One Stop-Security (nur einmaliges Kontrollieren von Transfer-Passagieren) und mit einer neuen Checkpoint-Gestaltung für die Zukunft soll beides erreicht werden; dabei helfen neue Technologien und die Koordination mit Regierungen.

Unter dem Titel „Wie sicher ist ein Flughafen?“ gab Franz Spitzer, Bereichsleiter Sicherheit der Flughafen Wien AG einen Überblick über die Sicherheits-einrichtungen am Flughafen Wien. Zur Sicherheit gehören Tätigkeiten wie Transitkontrolle, Passagier-Profilierung, Bordkarten-, Sicherheits-, Gepäck- und Luftfahrzeugkontrollen. Darüber hinaus werden Mitarbeiter, Lieferanten, Fracht, Post, die Parkplätze und natürlich die Airside mit Streifen überwacht. 920 Mitarbeiter der Sicherheitszentrale VIAS und 350 Polizisten sind im Einsatz. 9,3 Millionen Passagiere, 21,3 Millionen Handgepäckstücke und 11,4 Millionen Check-in Gepäckstücke werden pro Jahr überprüft, und rund 25.000 Gegenstände zurück gewiesen.

Oberst Walter Weninger vom Einsatzkommando COBRA des Innenministeriums berichtete, was die Anti-Terroreinheit für den Personenschutz, bei sicherheitspolizeilichen Einsätzen mit höherem Gefährdungsgrad und als Air Marshals leisten. An Bord der Austrian Airlines sind sie seit 1981 im Einsatz und haben bisher 70.000 Flüge begleitet. In internationalen Gremien erfolgt die Zusammenarbeit mit anderen Ländern.

 „Der Luftverkehr ist der einzige Verkehrsträger, der weltweit mit einem sehr dichten, aber einheitlichen Regelwerk verbunden ist“ begann Gruppenleiter Luft des BMVIT, Ing. Mag. Manfred Bialonczyk seine Ausführungen über die Safety-Tätigkeiten des Ministeriums und der Obersten Zivilluftfahrtbehörde. In der Chicago Convention (1949 ratifiziert) ist die Förderung der Flugsicherheit der internationalen Luftfahrt verankert. Die Safety-Gefahren, die von Flugzeugen bzw. vom Flugbetrieb selbst ausgehen, werden genauest kontrolliert. Genehmigungen, Qualitätskontrollen, Inspektionen, Erhebungen nach eigenen und Vorgaben internationaler Organisationen (ICAO, EU, EASA, ECAC) werden in Gesetzen umgesetzt und angewendet. Für einzelne Sicherheitsangelegenheiten sind die OZB und Landeshauptleute und Bezirksbehörden erste Instanz, Austro Control, der Österr. AeroClub als beliehene Unternehmen.

 29 Industrieunternehmen sind in der Interessensgruppe “Austrian Aeronautical Industries“ (AAI) zusammengefasst, die mit Flugzeug-, Triebwerksherstellern und andere Flugzeugzulieferern zusammenarbeiten. Alle Firmen für den Flugzeugbau und die Ausstattung „zeichnen sich durch Kompetenz, Qualität und Zuverlässigkeit aus“ wie der Geschäftsführer der Diamond Aircraft Industries und Vizepräsident AAI, Michael Feinig betont. Verbundwerkstoffe, bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge, Metalle und Metallverarbeitungen, Luftfahrttechnik, Beratung und Forschung, Luftfahrtelektronik, Kommunikation und Informationssysteme, Wartungsleistungen, Einrichtungen und Ausrüstungen von Flugzeugen, Flugzeugbau-Technologien, Test- und Bodengeräte gehören zu der vielfältigsten Palette der Firmenprodukte und Leistungen. Beispiele für sicherheitskritische Bauteile sind Triebwerksaufhängungen, Turbinenscheiben, Schubumkehrgehäuse und –türen, Tragflächenteile oder Rotorwellen. Bei einem Exportanteil von nahezu 100 % setzen diese Unternehmen über 700 Millionen Euro um und beschäftigen mehr als 4.000 Mitarbeiter. Diamond Aircraft hat während des isländischen Vulkanausbruchs im Frühjahr 2010 Flugzeuge zur Erfassung von Verschmutzungspartikel-Daten ausgerüstet, um die Gefahren von Vulkanaschewolken für die Flugsicherheit auszuwerten. Das Unternehmen selbst ist ein internationaler, weltweit operierender Hersteller von Glas- und Crbonfaser- Composite-Flugzeugen mit Standort Wiener Neustadt.

„Frequentis startete bereits 1955 mit dem ATM Voice Communication System“ stellte Dipl. Ing. Gabriele Schedl, Director of Safety Management der Frequentis AG eingangs fest. Die unterschiedlichen Kommunikationssysteme und Software-Risiken führen in der Entwicklung zu standardisierten, globalen Systemen, die einer gründlichen Aus- und Weiterbildung bedürfen. Dazu sind Kommunikations- und Informationsweglösungen auf weltweiter Basis notwendig. Frequentis ist weltweit an der Gestaltung der Systeme und Ausrüstung führend beteiligt. „Sicherheit ist mehr, und bedeutet nicht nur Technik und Technologie, sondern hauptsächlich Schulung und Ausbildung“ meinte Schedl und unterstrich die bestehenden Trainingsakademien.

Für den Rundum-Schutz bei Reisen sprechen viele persönliche Gründe: Storno, Erkrankung, Gepäckverlust, Bergung, Rückholung, Flug verpasst… Der Versicherungsschutz ermöglicht, laut Vorstandsvorsitzendem Dr. Martin Sturzlbaum von der Europäischen Reiseversicherung, die Reiseplanung und die Reise selbst ohne erheblichen Zusatzaufwand abgesichert vorzunehmen. Anhand von Beispielen zeigte er Vorsorge- und Einsparungsmodelle.

Die Vorstandsmitglieder Mag. Herbert Kaufmann (Flughafen Wien AG), Dr. Heinz Sommerbauer Austro Control), Ing. Günther Matschnigg (IATA), Michael Feinig (AAI-Diamond Aircraft Industries), Martin Hehemann (Austrian Airlines AG) und Dr. Martin Sturzlbaum (Europäischen Versicherung AG) standen Rudolf Nagiller in einem Club Talk Rede und Antwort.

Beim Vulkanausbruch und dem Aschewolken-Fiasko im April 2010 brach der Flugverkehr in manchen Ländern 6 Tage zusammen. Diamond Aircraft Industrie hat in zwei Tagen ein Flugzeug ausgerüstet und ist dann mit Messgeräten europäische Länder überflogen; in manchen Ländern wäre die Aschenkonsistenz nur ein Zehntel der durch wissenschaftliche Stationen bekanntgegebenen Werte zu messen gewesen. Fliegen solle ein positives Erlebnis bleiben und Sicherheitsmassnahmen müssten sinnvoll bleiben. Bei Reseversicherungen wäre darauf zu achten, ob Naturkatstrophen als Versicherungsgrund inkludiert seien.

Ganzkörper-Security-Scanner erschreckten niemanden, da die verdeckten Ansichten von Sicherheitsbeamten in komplett getrennten Räumen beobachtet würden; positiv beurteilt werden getrennte Sicherheitsstrassen für kontrollierte Oftflieger (Fast Lanes), normale Passagiere und sensitive Personengruppen.

Die Austro Control unterlaufe bis 2012 grundsätzlichen Erneuerungen in Sicherheit, Kosten und Effizienz; paneuropäische Ziele sowie Zielkostensystem (statt Vollkostensystem) stehen bis 2012 im Vordergrund. Dies bedeute einen Paradigmenwechsel. Ebenso werden dann die funktionalen Luftraumblöcke (FAB) eingerichtet sein.

Lufthansa als neuer Eigentümer der Austrian Airlines bedeute ein Glück für das Unternehmen, da der Zugriff auf die Vertriebskraft Lufthansa und die Verkaufsführung der AUA in 12 Ländern die Ergebnisse verbessere; bis 2011 wird ein operativ ausgeglichenes Ergebnis erwartet.

Der SkyLink befinde sich durch neues Vorstandsmitglied, neue Projektleitung und neue Prozesse auf bestem Weg bis zum 1. Halbjahr 2012 eröffnet zu werden; dabei werde der modernste Umsteigeterminal gebaut, wo alle Umsteigemöglichkeiten in einem Bau mit 3 Ebenen absolviert werden könne; normalerweise waren bisher zwei getrennte Terminals notwendig.

 Die Entwicklung der 29 AAI-Industrieunternehmen war auch in Krisenzeiten beständig, da die Unternehmen an Flugzeughersteller mit neuen Flugzeugentwicklungen (B 787 und A 350) zuliefern.

Mario Rehulka, Österreichischer Luftfahrtverband

23. September 2010