Studie kleinerWenn es keine Netzwerk-Fluglinie wie die AUA gäbe kostet es die österreichischen Volkswirtschaft 1,2 Milliarden Euro

Wenn die AUA ihre Netzwerkfunktion über die Drehscheibe Wien aufgäbe, könnte sie durch andere Fluglinien ersetzt werden? Könnten Billigfluglinien die Verbindungen ersetzen?

 

Rund 60 Prozent der Austrian Airlines Fluggäste und 30 Prozent der Passagiere des Flughafens Wien sind Transferpassagiere, die am Drehkreuz Wien zwischen West und Ost umsteigen. Würde diese Funktion der AUA als Netzwerk-Fluglinie entfallen, gingen dem Wirtschafts- und Industriestandort Österreich 1,2 Milliarden Euro an Produktionskraft verloren.

In der Studie des Österreichischen Luftfahrtverbandes und des Industriewissenschaftlichen Institutes (IWI) wird nachgewiesen, dass der Wertschöpfungsverlust 452 Millionen Euro betragen würde und 7.650 Arbeitsplätze verloren gingen. Netzwerkfluglinien betreiben Netze mit zentralen Drehkreuzen, großer geographischer Abdeckung und abgestimmten Anschlussflügen. Billigfluglinien konzentrieren sich im Geschäftsmodell auf die Personenbeförderung zwischen zwei aufkommensstarken Punkten (Point-to-Point-Verkehr), meist ohne optimierte Anschlussverbindungen.

„Die AUA als Netzwerk Carrier bedient nicht nur den Lokalverkehr zwischen Österreich und den Nachbarländern sondern schöpft zusätzliche Passagiere und Fracht aus dem Umsteigeverkehr über ihr Drehkreuz Wien“, führte Luftfahrtverband Präsident Mario Rehulka aus. Da die Nachfrage zu vielen Sekundär-Zielorten (z.B. in Osteuropa und Nahost) durch lokale Fluggäste aufkommensschwach bzw. nicht ausreichend ist, bündelt sie auf diesen Routen Transferpassagiere, die sie durch Anschlussflüge (z.B. aus Westeuropa) zubringt.

Dr. Herwig W. Schneider (IWI); „Würde sich eine Fluglinie wie die Austrian Airlines nur mehr auf den reinen Lokalverkehr beschränken, wären Routen mit einem hohen Transferanteil gefährdet; dabei fielen insgesamt 49 von 109 Flugstrecken, insgesamt also 45 % der Routen weg. Viele dieser Verbindungen - hauptsächlich nach Zentral-, Osteuropa, Nahost und Zentralasien - weisen Transfer-Passagieranteile von mehr als 70 Prozent aus; nach manchen Destinationen ist der Lokalanteil unter 30 Prozent. In so einer Situation müssten Flüge (von 144.000) auf 100.000 pro Jahr reduziert, die Flotte um 31 Flugzeuge (von 93 auf 62) verringert werden. Die Passagierzahl ginge um 2,2 Millionen zurück“.

Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen eines solchen Szenarios wären nicht nur für die Fluglinie und den Flughafen Wien, sondern für den gesamten österreichischen Wirtschaftsstandort fatal: betroffen wären dabei alle Betriebe und Branchen der Dienstleistung, im Verkehr, Transport, Luftfahrtleistungen, Bau, Beherbergung, Gaststätten, Grundstück-, Wohnungswesen, Vermietung, Kreditinstitute und Nachrichtenübermittlung. Festgestellt wird vom IWI in der Studie, dass durch die aggregierten Umsatzeinbußen der volkswirtschaftliche Produktionsrückgang (direkt, indirekt und induziert) 1,2 Milliarden Euro, der Verlust an Wertschöpfung 452 Millionen Euro betragen würde. 7.650 Arbeitsplätze wären dadurch gefährdet. Die Studie ermittelt auch starke Rückgänge für den Incoming-Tourismus: 420.000 Besucher bzw. 740.000 Besuchertage wären verloren und dadurch auch 111 Mio. Euro an Inlandsnachfrage.

Mag. Norbert Draskovits (BCD-Travel) unterstreicht, dass ein solches Szenario durch den Wegfall von vielen Flugverbindungen eine maßgebliche Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit von Wien und Österreich wäre und dadurch Auswirkungen auf die Attraktivität von Wien als Osteuropa- Firmenhauptsitz, auf die Betriebsansiedlungsdynamik und die Vernetzungs- und Markterschließungsmöglichkeiten hätte.

 

Weitere Informationen sowie die gesamte Studie im Detail erhalten Sie auf Anfrage im ÖLFV Büro.

 

(Ausgabe 01/2011)