Das 10. Luftfahrt Symposium des ÖLFV stand heuer ganz im Zeichen der Allianzen. Der Präsident des Verbandes, Mario Rehulka, konnte wieder zahlreiche Experten aus dem In- und Ausland im Form der Raiffeisen Zentralbank in Wien begrüßen.

 

LFS 2011 Gruppe kleinerKaum eine Branche ist so stark vom internationalen Wettbewerb geprägt wie die Luftfahrt. Belastungen wie die Flugabgabe sowie die Einbeziehung des europäischen Flugverkehrs in den Emissionshandel zogen sich wie ein roter Faden durch das diesjährige Symposium.

Anliegen, die auch Keynote Speaker Stefan H. Lauer, Vorstandsmitglied der Lufthansa und Aufsichtsrats-vorsitzender der AUA, in seinen Ausführungen nachdrücklich vertrat. Er ging sogar so weit, dass externe Krisen wie das Erdbeben in Japan oder die politischen Umbrüche in Nordafrika keine so großen Heraus-forderungen für Fluglinien darstellen wie andere Problemfelder: „Diese Krisen stärken unser Immunsystem“, meinte dazu Lauer. Die Lufthansa hat für solche Situationen gut vorgesorgt und kann durch einen geringen Leasinganteil flexibel auf Nachfrage-schwankungen reagieren. Kopfzerbrechen bereitet der Airline vielmehr das regulative Umfeld. Mit einem Blick auf die Fluglinien der Golfregion spricht Lauer von einem wettbewerbs-verzerrten Umfeld. Während in Europa und Nordamerika der Luftverkehr weitgehend liberalisiert ist, findet man im Mittleren Osten, aber auch in Asien nach wie vor viele Staatscarrier. Dem Staat gehört aber nicht nur die Fluglinie selbst, sondern auch der Flughafen, Flugsicherung, die Handlinggesellschaft am Flughafen und die Infrastruktur. Dementsprechend günstig sei die Kostenbasis dieser Fluglinien. Lauer sieht im Wettbewerb mit den Fluglinien dieser Region dramatische Herausforderungen. Lauer geht sogar so weit, von einer „Umsortierung des Weltluft-verkehrs“ zu sprechen. Für Lauer ist es nicht fair, dass diese Gesellschaften den größtmöglichen Marktzugang fordern und sich gleichzeitig unter einem staatlichen Schutz-schirm befinden. Ein seit acht Jahren von Emirates angekündigter Börsengang wäre laut Lauer ein erster Schritt in Richtung mehr Transparenz. Die Lufthansa selbst sieht Lauer als einen Verfechter des fairen Wettbewerbs. Die europäischen Regierungen müssten sich aber die Frage stellen, ob sie weiterhin Luftverkehr organisieren wollen oder dabei zusehen wie sich die Verkehrsströme Richtung Asien und Australien zunehmend über den Mittleren Osten verlagern.

Risiko für die europäische Luftfahrt Lauer sieht bei einem derartigen Szenario nicht nur die Lufthansa als Verlierer. Dramatisch verlieren könnte auch die AUA. Die Drehscheibenfunktion des Wiener Flughafens würde dadurch in Frage gestellt. Werden Langstreckendestinationen eingestellt, sieht Lauer als Folgewirkung einen Rückgang von bis zu 40 Prozent im Osteuropaverkehr.

AUA-Vorstandsdirektor Peter Malanik spricht im Rahmen des Club Talks ebenfalls von fatalen Auswirkungen für den Wirtschaftsstandort Wien sollte ein derartiges Szenario eintreten. Immerhin befinde sich die Drehscheibe Wien in Hinblick auf den Asienverkehr in einer idealen geografischen Position. Im Namen der Lufthansa bekennt sich Lauer zum wiederholten Male zur neuen Tochter AUA und dem Drehkreuz Wien. Während in Frankfurt kaum weiteres Wachstumspotential vorhanden ist, nutzt die Lufthansa auf ihren anderen Drehkreuzen den vorhandenen Spielraum. Entscheidend für Wien wird die dritte Piste sein, zur der sich auch Friedrich Lehr als Vertreter des Flughafens bekennt.

Die Zukunft der Allianzen Vor 15 Jahren wurde mit der Star Alliance der erste weltweite Airlineverbund aus der Taufe gehoben. Sowohl Christian Klick von der Star Alliance als auch Michael Blunt von oneworld hoben die vielen positiven Aspekte einer Allianz hervor. Oneworld, in Österreich bisher nur durch British Airways, Iberia und Finnair vertreten, erhält mit Air Berlin und Niki im nächsten Jahr eine lokale Verstärkung. Und so sieht auch Niki-Geschäftsführer Otmar Lenz im Beitritt zur oneworld-Allianz zahlreiche positive Aspekte. Allerdings, so schränkt er ein, werde es auch negative Auswirkungen auf die Entscheidungs-geschwindigkeit geben.

Unterschiedlich wird von den Teilnehmern die Zukunft der Allianzen bewertet. Allianzen dominieren heute rund drei Viertel des weltweiten Luftverkehrs. Während die einen meinen, Allianzen werden weiterhin durch den Beitritt neuer Mitglieder wachsen, sehen Lauer und Malanik in Zukunft einen Trend hin zu einer verstärkten Konsolidierung innerhalb der Luftfahrtbranche. Derzeit seien die nationalen Eigentums-regeln aber noch ein großes Hindernis, dass es einer globalisierten Branche wie der Luftfahrt zu beseitigen gelte.

Abgerundet wurde das Symposium mit einer Markteinschätzung der beiden großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing. Nicht zuletzt auf Grund der anhaltend großen Nachfrage nach Flugreisen, werde sich die Nachfrage nach neuen, effizienteren und umweltschonenderen Flugzeugen in den nächsten zwei Jahrzehnten massiv erhöhen. So rechnet Boeing mit einem zusätzlichen Bedarf von 20.000 Flugzeugen. Ein teilweiser Ersatz der derzeit im Einsatz befindlichen rund 19.000 Verkehrsflugzeuge nicht eingerechnet.

Und so bleibt die Luftfahrt auch auf absehbare Zeit eine Wachstumsbranche mit 5,1 Prozent pro Jahr, in der es zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen gibt, da sich das Volumen bis 2030 verdoppeln wird.

C.Pöchhacker

 

(Ausgabe 09/2011)