globaler HandelskriegDer ab 2012 geplante Emissionshandel der EU (ETS Emissions Trading System) dürfte Europas Fluglinien Milliarden kosten. Die schwache Wirtschaft, der verpflichtende Kauf von CO2-Zertifikaten sowie Ticketsteuern dürften der Flugbranche wieder Verluste bescheren. Ab 2012 müssen Fluggesellschaften für einen Teil ihres CO 2-Ausstoßes Zertifikate ersteigern. Zertifikate werden ab 1. Jänner für alle Flüge benötigt, die innerhalb der EU starten oder landen. Damit müssten auch Nicht-EU-Fluglinien zahlen. „Das ist ein enormer Wettbewerbsnachteil für Europas Fluglinien", erklärte AEA (Association of European Airlines)-Generalsekretär Ulrich Schulte-Strathaus in Wien.

Europäische Fluglinien zahlen beispielsweise für einen Nonstop-Flug von Wien nach Tokio einen Zertifikatsanteil für die gesamte Strecke; Fluglinien aus dem Nahen Osten mit einem Umsteigepunkt im Golf werden beispielsweise nur für die Strecke Wien-Golf belastet  damit reduzieren Konkurrenzfluglinien ihren Aufwand extrem.

Wie sich der Emissionshandel tatsächlich auf den Markt auswirken wird, ist derzeit noch nicht klar vorhersehbar. Brancheninsider sprechen von 38 Milliarden Euro für den Zeitraum bis 2020. Wahrscheinlich müssten die Belastungen aber durch Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben werden.

Große Staaten wie China, Indien, Russland, Brasilien und die USA wehren sich entschieden dagegen, zwangsweise in den europäischen Emissionshandel eingebunden zu werden. Sollte die Richtlinie durchgesetzt werden, drohen die Drittstaaten mit Gegenmaßnahmen: China will Strafzahlungen für europäische Fluglinien einführen und weniger Airbus-Flugzeuge kaufen. Russland drohte eine Verteuerung der Überflugsrechte an. Ein solcher „Handelskrieg" wäre ein Horrorszenario für den Flugverkehr, meinte Schulte-Strathaus. Die EU will aber in jedem Fall an der Richtlinie festhalten.

Neben dem ETS beeinflussen die europäische Flugindustrie noch andere Faktoren: - der hohe Ölpreis, - die wachsende Konkurrenz der Mega Carriers aus dem Nahen     Osten, die Quellmärkte in Europa absaugen, - die europäische Politik, die den Flugverkehr unter Pseudo   Umweltthemen mit Gebühren belaste, die lediglich die   Staatssäckel füllen (Ticketsteuer in Österreich und    Deutschland). Mit dieser Politik werde die Attraktivität des Wirtschafts-standortes und des Incoming Tourismus geschädigt und Passagiere zum Umsteigen auf Flughäfen im nahen Ausland bewegt. Die Niederlande, Malta und Irland haben eine derartige Steuer kurz nach der Einführung wegen hoher Verluste wieder abgeschafft. Heuer rechnet Schulte-Strathaus mit zwei Mrd. Euro Gewinn für die europäischen Fluglinien, 2012 dürfte es aber vor allem aufgrund der angespannten Wirtschaftslage wieder Verluste geben.

 

(Ausgabe 10/2011)