Erstellt am 22. Januar 2014

Klare Worte vom Präsidenten des Österreichischen Luftfahrtverbandes auch zu anderen Themen im Regierungsprogramm

Kurz vor Weihnachten präsentierte die neue Bundesregierung ihr Arbeitsprogramm für die kommenden fünf Jahre. Emirates erhielt neuerlich keine Genehmigung für ihre vierzehnte wöchentliche Frequenz (auch das Code- Share mit Qantas wurde untersagt), Austrian kündigte ihr Code-Share mit Turkish und Österreichs Bundesländerflughäfen haben mit zum Teil rückläufiger Nachfrage zu kämpfen. Um all das ging es im Neujahrs-Gespräch, zu dem T.A.I. den Präsidenten des Österreichischen Luftfahrtverbandes sowie früheren Vorstand von Austrian Airlines, Mario Rehulka, traf.

T.A.I.: Im Regierungsprogramm findet sich ein Bekenntnis dazu, dass der Luftverkehrsstandort Österreich nachhaltig weiterentwickelt werden soll, inklusive einiger konkreter Punkte. Das ist aus Sicht der Branche erfreulich, aber ist es ausreichend?

Rehulka: „Das Arbeitsprogramm der neuen Bundesregierung ist in Bezug auf Luftverkehr kurz gefasst, beinhaltet jedoch die sechs wichtigsten Punkte. Da der Zeithorizont die Jahre bis 2018 umfasst, ist jedoch die Geschwindigkeit der Umsetzung entscheidend: ganz besonders die Überprüfung der Flugabgabe um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, und bei der offensiven Fortführung der „Road Map 2020“. Positiv ist die Zielsetzung zum nachhaltigen Ausbau des Luftverkehrsstandortes Österreich zu werten.“

T.A.I.: Wie stehen Sie zur Überprüfung der Flugabgabe?

Rehulka: „Überprüfung ist zu wenig, wichtig wäre eine rasche Aufhebung der Luftverkehrssteuer. Dabei geht es nicht nur um einen Vergleich mit Deutschland, sondern mit allenNachbarländern Österreichs – in keinem dieser Länder gibt es mit Ausnahme von Deutschland eine derartige Abgabe.“

T.A.I.: Die Bundesländerflughäfen nicht explizit erwähnt – der Bund hat ja vor Jahren seine Beteiligungen an ihnen abgegeben. Diese Flughäfen befinden sich aber allesamt in einem schwierigen Marktumfeld. Was wäre Ihrer Ansicht nach zu tun?

Rehulka: „Die Politik hat bisher die Bedeutung der Regionalflughäfen unterschätzt. Regionalflughäfen haben Bedeutung für Flugverkehrs-Verbindungen nicht nur zu anderen europäischen Regionen, sondern auch für den Anschluss über Drehscheiben zu weltweiten Zielen. Regionen werden dadurch mit der weiten Welt verbunden. Grundsätzlich sind für die Luftverkehrsstrecken die Wirtschafts- und Industrieunternehmen der Regionen für den Passagier- und Warenverkehr entscheidend, aber auch die Attraktivität der Freizeitinfrastruktur im Tourismus. Die Politik hat das noch nicht in dem erforderlichen Ausmaß erkannt. Um den Ausbau von Strecken zu und von diesen Regionaldestinationen zu fördern, sind durch die Regionalpolitik marktgerechte Investitionen in Tourismus- Infrastrukturen und Flughafen-Attraktionen vorzunehmen.“

T.A.I.: Nach wie vor wird Emirates in Wien der vierzehnte Flug verwehrt, ebenso die Code-Share mit Qantas. Wie beurteilen Sie die Situation?

Rehulka: „Grundsätzlich bekennt sich Österreich zu einer liberalen Luftverkehrspolitik – selbstverständlich auf Basis der Reziprozität. Sofern andere Staaten – egal welche Bedeutung sie haben – über die Liberalisierung von Strecken verhandeln wollen, müssen sie sich an einen Tisch setzen und darüber reden. Solange sie keinen Schritt in diese Richtung setzen und Verhandlungstermine zum x-ten Mal absagen, verbleibt natürlich der Status quo laut Luftverkehrsabkommen.“

T.A.I.: Ähnlich wie Emirates ist auch Turkish eine aufstrebende Airline. Austrian hat ihr – ebenso wie Lufthansa – das Code Share-Abkommen aufgekündigt, Turkish im Miles&More erheblich schlechter gestellt, als bisher. Geht man so mit Allianz-Partnern um?

Rehulka: „Die türkische Fluglinie hat in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erfahren. Die Türkei ist selbst ein großer Heimatmarkt für TK, laufendes Wirtschaftswachstum, geringe Gestehungskosten und Entwicklung einer globalen Drehscheibenfunktion in Istanbul. Und Turkish Airlines ist Mitglied der Star Alliance. Eine solche Mitgliedschaft schließt natürlich nicht die Konkurrenzsituation aus: denn Allianz-Members koordinieren ihr Marketing und ihre Verkehrssysteme, haben jedoch normalerweise getrennte Cash-Boxen. Das globale Netz der Star Alliance hat schon bisher auf den verschiedensten Märkten dieser Welt unterschiedliche Entwicklungen erlebt: Begonnen in Singapur, dann in Fernost, später in Nahost, den USA und in Brasilien, jetzt in der Türkei; meist waren Partnerfluglinien involviert. Jetzt wird der Wettbewerb – auch im Rahmen einer Allianz – untereinander erheblich verstärkt werden.“

Quelle: T.A.I. 10.Jänner 2014