Ein Kommentar von ÖLFV Präsident Mario Rehulka

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hält am harten Kurs gegenüber den streikbereiten Piloten des Konzerns fest. „Wir haben bei Lufthansa sicher die besten Piloten, die unsere Marke jeden Tag in hervorragender Weise in der ganzen Welt verkörpern. Aber wir müssen sie uns auch auf Dauer leisten können", sagte er auf einer Veranstaltung im September. Es war das erste Mal, dass sich Spohr, der früher selbst Pilot war und seit sechs Monaten an der Spitze der Lufthansa steht, im aktuellen Tarifkonflikt mit den 5400 Flugkapitänen äußerte. Aus Sicht der Lufthansa reicht die Gewinnmarge nicht, um Milliarden in Flugzeuge zu investieren und die vom Unternehmen finanzierte Frührente der Piloten zu zahlen. Die Rückstellungen für die Übergangsversorgung belaufen sich auf 1,2 Mrd. Euro.

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hält dagegen, dass lange Arbeitszeiten und Nachtflüge auf Dauer die Gesundheit der Piloten gefährden. Bisher konnten die Piloten frühestens mit 55 Jahren in die Rente wechseln, im Durchschnitt liegt das Alter beim Antritt der Pension bei 59, und sie erhielten dann 60 Prozent ihrer Letztbezüge Die Lufthansa will es ab 2016 schrittweise auf 61 Jahre erhöhen. Eine Annäherung in der Streitfrage ist nicht in Sicht. „Wir halten die Streikdrohung aufrecht und werden jeden Ausstand einen Tag vorher ankündigen", sagte ein Cockpit-Sprecher.

In der Vergangenheit hatten die 5.400 Piloten seit April 2014 bei insgesamt 8 Streiks 660.000 Kunden (auf 5.900 stornierten Linienflügen der Lufthansa, Germanwings, LH Cargo) verärgert – negative Ergebnisauswirkung: 170 Millionen Euro. „Der Cockpit-Horizont ist beträchtlich beschränkt und sieht nicht die Auswirkungen auf die Flugkunden, die europäische Luftverkehrswirtschaft und die eigene Firma“ sagt Mario Rehulka, Präsident des Österreichischen Luftverkehrsverbandes in einem Rotary Meeting. Bei den acht Streiks der Lufthansa-Piloten wurden Flugpassagiere stehen gelassen. Das sind eigene Kunden, die man verärgert und Finanzchefin Simone Menne hat die Streikkosten mit 170 Millionen Euro beziffert ohne den immateriellen Schaden einzurechnen. Dazu kommt noch der langfristige Effekt von entnervten Passagieren, die sich überlegen, ob sie die Airline noch buchen. Anstatt an den Verhandlungstisch zurück zu kehren wird die Macht einer limitierten Berufsgruppe auf Passagiere in der ganzen Welt ausgedehnt. Fluggäste werden zu anderen Fluglinien abwandern und in den Verkehrsgebieten nach und von Fernost/Pazifik, Nahost oder Afrika zur gefürchteten staatlichen Hauptkonkurrenz im Nahen Osten abwandern. Ein erheblicher Schaden nicht nur für die deutsche sondern für die gesamte europäische Luftfahrt.

 

- Diese Berufsgruppe zeigt gar keine soziale Verantwortung, da für Familien aus diversen deutschen Bundesländern zu den Streikzeiten Ferien begonnen haben

- Das Wettbewerbsumfeld ist Ihnen völlig egal – ja Sie schieben sogar über eine halbe Million Kunden zur Konkurrenz ab

- Der Anteil an Verkehrserlösen auf den Strecken nach Asien/Pazifik, Nahost und Afrika beträgt bei LH rund 25 %, d.h. 165.000 Passagiere wurden bisher der bedrohlichen Konkurrenz aus dem Golf einfach übergeben – vermutlich zu jenen Fluglinien, wo sich die Piloten nach einigen Jahren um einen Job bewerben können

- Dadurch ist nicht nur die deutsche Fluglinie sondern die Luftfahrt Europas erheblich geschwächt

- Als bestbezahlte Angestellte in Deutschland bei Jahresgehältern von 73.000 bis 255.000 Euro scheren Sie sich keinen Deut um eine soziale Einkommensverträglichkeit

- Der Streik bedeutet eine Schwächung der eigenen Firma: die operative Marge im Segment wird runterpurzeln und damit eine angebotene Ausschüttung, auch für die Piloten, verhindern

- Sie bleiben stur bei weiteren Komfortforderungen über betriebliche Altersversorgung und Übergangsversorgungen, von denen andere Dienstnehmer nur träumen können

- Sie sägen am eigenen Ast und verärgern Kunden.

 

Beim Luftfahrt Symposium am 18. September 2014 wurden die europäischen Politiker aufgefordert, jene Gesetze einzuschränken, die massiv zur Bedrohung der Öffentlichkeit führen. 5.400 gegen 660.000. Dies gilt ebenso für die Air France-Piloten.

Tu felix Austria, wo sich Besonnene und Vernünftige an einen Tisch setzen und zu vorteilhaften Zukunftsergebnissen wie beim AUA-Kollektivvertrag kommen.