Erstellt am 30. Januar 2015

Das Projekt trägt den Namen "Wings" und bricht mit dem Premium-Selbstverständnis der Lufthansa. Die größteLuftfahrt-Gruppe Europas soll künftig sowohl auf der Kurzalsauch auf der Langstrecke mit einer Billigmarke unterwegssein. Das Billigkonzept, das bisher unter dem Dach derTochter Germanwings läuft, wird massiv erweitert.Die Lufthansa wird mehrfach attackiert: Auf der Langstreckemuss sie sich gegen staatlich gestützte arabischeUnternehmen (Emirates, Ethiad, Qatar) behaupten, auf derKurzstrecke greifen Billigflieger wie Easyjet und Ryanair an.Das ließ den Nettogewinn des Konzerns im Jahr 2013 auf300 Millionen Euro schmelzen, 2014 rechnen Analysten mitmehr. Die Billigfluglinien Ryanair und Easyjet befördern mit300 bzw. 230 Flugzeugen 80 bzw. 60 Millionen Passagiere.

Der Marktanteil von Low Cost Carriern liegt in Europa bereitsbei 44 Prozent.Vorstandschef Carsten Spohr's Erkenntnis hinter derBilligoffensive ist klar: Lufthansa will seiner BilligtochterGermanwings nicht nur weitere Europastrecken vonTöchtern wie Swiss, Brussels Airlines oder Austrian Airlinesübertragen, sondern auch ausgewählte Langstreckenzielezu sogenannten "Warmwasserzielen" wie Mauritius und zuden Seychellen.

Die Strategie "Wings" ist nicht ohne Risiko. Auf derLangstrecke wird Lufthansa weiter als Premiummarkegegen die Mega-Fluglinien aus dem Golf positioniert."Wings" die "einzig richtige Antwort auf den Wettbewerbvon unten und oben", sagt René Steinhaus, Luftfahrtexperteder Beratungsfirma AT Kearney.Mittlerweile hat Germanwings ihrer Mutter all jeneDeutschland- und Europastrecken abgenommen, dienicht die Drehkreuze Frankfurt und München bedienen.Mit verschiedenen Tarifen versucht Germanwings,verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden:Wer den Basic-Tarif bucht, zahlt für alles extra. Wer rundhundert Euro drauflegt, bekommt bessere Plätze undEssen und Trinken - und darf sich beim Einchecken in dieschnelle Schlange stellen.

Der Konzern will das Billiggeschäft nicht nur ausbauen,sondern sogar eine ganze Billigplattform neben derPremiummarke Lufthansa aufbauen - und das nicht nur fürdie Kurz- und Mittelstrecke, sondern auch für dieLangstrecke. Das ist gewagt, denn Langstrecken ganzohne inbegriffenen Service, dafür gibt es noch immer keinüberzeugendes Vorbild. Doch damit die Billigsparte fürden Kunden tatsächlich billig sein kann, müssen dieKosten reduziert werden.Zurzeit hat Germanwings rund 20 Prozent niedrigereKosten als die Lufthansa, holt diesen Vorteil aber nichtüber gesonderte Tarifverträge herein, sondern etwa imVertrieb. Bei Eurowings, einer weiteren Tochter derKranich-Airline, gibt es dagegen niedrigere Löhne, weilder Konzerntarifvertrag nicht gilt. Das senkt die Kostennoch einmal 20 Prozent unter die von Germanwings.So ist es denkbar, dass Eurowings künftig im Auftrag derGermanwings Strecken übernimmt - so wie es jetzt schongelegentlich vorkommt. Dahinter dürfte auch das Strebenvon Lufthansa-Chef Carsten Spohr stehen, die Dominanzdes teuren Konzerntarifvertrags zu brechen.